Alles wird schwerer

Die zwei Tage bis zu unserem Gespräch kamen mir ewig vor. Mir war bewusst, dass es kein schönes Gespräch wird, aber insgeheim hegte ich die Hoffnung, dass alles von einem Moment zum Anderen wieder wie früher wird. Ein irrationaler Gedanke, den ich versucht habe zu unterdrücken, zu verdrängen. Sonntag war es dann soweit, wir haben geredet.

Sie ist unglücklich, verzweifelt, ihre Gedanken überschlagen sich und sie weiß nicht warum. Sie kann mir nicht sagen, ob es an mir oder etwas anderem liegt, sie weiß nur, dass sie nicht mehr kann, dass ihr alles zu viel wird. Sie sagt, es ist nicht meine Schuld, sie weiß, dass ich alles für sie getan habe und tun werde, aber das macht die Sache nur schwerer für sie. Sie gibt sich für fast alles die Schuld und macht sich Vorwürfe. Was mit unserer Immobilie, den Krediten und meinem Eigenkapital passiert – sie will nicht, dass ich wegen ihr viel Geld verliere.

Auf so ein Gespräch ich nicht vorbereitet. So emotional und doch so rational, dass sie trotz der ihrer vielen Probleme, noch so viel Rücksicht auf mich nimmt – ich finde das bewundernswert. Ja, wenn wir alles überstürzen, dann enden wir nicht nur emotional, sondern auch finanziell in einem ziemlichen Chaos. Wir haben uns also emotional, aber sachlich, unterhalten, wie es weitergehen kann. Vorläufig wohnt sie weiter hier, eine zusätzliche Wohnung können wir uns nicht leisten. Sie wird viel auswärts bei Freundinnen schlafen, ich beziehe Quartier im Arbeitszimmer und nutze das Gästebad. In ein paar Monaten sollte sich unser Nettoeinkommen erhöhen, dann wird sie sich eine Wohnung suchen und ausziehen. Erst einmal für ein oder zwei Monate. In der Zeit wird es keinen Kontakt zwischen uns geben, damit sie herausfinden kann, ob sie überhaupt noch mit mir zusammen sein will. Und wenn dem so ist, nähern wir uns wieder, ganz langsam, in kleinen Schritten.

Ich fühlte mich elend, versuchte stark zu sein, ihr Mut zu machen. Habe ihr gesagt, dass wir das alles gemeinsam durchstehen, unabhängig davon wie es endet. Auch habe ich ihr gesagt, dass sie keine Schuldgefühle haben muss oder sich für irgendwas die Schuld geben muss. Ich will nicht dass sie so leidet, denn egal ob es auf das Ende unserer Beziehung zugeht, sie ist immer noch ein Teil von meinem Leben und wird auch hoffentlich immer einer bleiben – wenn vielleicht auch nicht der Wichtigste.

Im Moment versuche ich alles auszublenden, beziehungsweise, nicht ständig darüber nachzudenken. Besonders schlimm ist es abends, wenn ich ins Bett gehe, ein leeres Bett. Da überschwemmen mich die Gedanken. Und wenn ich morgens aufwache, im leeren Bett, folgt kurze Phase der Realisierung und Besinnung. Ich denke ich habe schlecht geträumt, bis mir dann bewusst wird, dass sich alles ändern wird. Das ist so schwer, ich frage mich wie lange es dauern wird, bis ich mich an diese neue Situation „gewöhne“. Gestern war sie zuhause, ich gehe am Wohnzimmer vorbei und ertappe mich für kurzen Moment dabei, wie ich abbiegen, sie kurz umarmen und küssen möchte – was ich normal getan hätte. Unerträglich dieses Gefühl.

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