Vom Verliebtsein, Lieben und Verletztwerden

Mir war klar, dass es einen Unterschied zwischen Verliebtsein und Lieben gibt. Nur war mir nie so ganz klar worin genau dieser Unterschied besteht. Klar war mir nur, erst verliebt man sich und dann liebt man jemanden. Heute habe ich dazu einen sehr guten Artikel „Liebe und Verliebtsein“ von Prof. Dr. Ulrich Mees an der Uni Oldenburg im Internet gefunden.

Er beschreibt, wie die Wissenschaft versucht hier Klarheit zu schaffen. Denn nur wenn wir die Liebe endlich verstehen, finden wir vielleicht heraus, warum sie so oft scheitert.

In verschiedenen Studien wurden Probanden befragt, welche 30 Merkmale sie mit dem Einen oder mit dem Anderen verbinden. Viele Merkmale trafen auf beide Begriffe zu, jedoch gibt es auch Merkmale, die diese voneinander unterscheiden.

Das sind die Unterscheidungsmerkmale bei verliebten Personen:

  • körperliche Empfindungen
  • starke Sehnsucht

Und das sie die der Liebenden:

  • Vertrauen zueinander
  • Verantwortung füreinander übernehmen

Auch wenn wir uns anfangs stark zu einer Person hingezogen fühlen und jede Minute mit ihr verbringen wollen, fällt es uns doch schwer, ihr Vertrauen entgegen zu bringen oder bereit zu sein, alles für sie zu tun. Es entwertet aber auch den Satz „ich liebe dich“, da er nicht impliziert, dass ich mich zu meinem Partner noch hingezogen fühle. Richtig lauten müsste es also: „Ich liebe dich und bin noch genauso verliebt in dich, wie am ersten Tag“. Ich denke so einen Satz sagen wir seltener, als „ich liebe dich“.

Bei der Liebe dreht sich vieles um das Vertrauen zueinander, wie Ehrlichkeit und Offenheit. Und auch wenn wir keine starken Sehnsüchte mehr empfinden, darf es trotzdem nicht dazu führen, dass wir keine Zeit mehr miteinander verbringen wollen. Liebe hat viel mit Verantwortung zu tun. Denn Liebe setzt voraus, dass wir immer und jederzeit füreinander da sind. Das ist nicht immer einfach, denn jeder hat in seinem Leben eine gewisse Last zu tragen, die manchmal schwerer und manchmal leichter ist. Und trotzdem müssen wir immer stark genug für Zwei sein. Falls der Ernstfall eintritt und unser Partner uns wirklich dringend braucht. Nicht jeder hat dafür ausreichend Kraft und man darf niemanden verurteilen, wenn ihm diese Bürde zu schwer wird.

Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Sie kann also nur dann funktionieren, wenn wir uns beide an diese einfachen Grundsätze halten. Natürlich lieben wir eine Person, auch wenn sie uns kein Vertrauen mehr entgegenbringt, aber das tun wir eben nicht auf Dauer. Und das trifft auf alle Merkmale zu, denn diese sind die Basis für eine Partnerschaft, die über den Zustand des Verliebtseins hinausgekommen ist.

Das Problem ist nun, dass wir alle viel Wert auf diese Attribute legen und das auch von unserem Partner verlangen, aber uns hemmen, diese im gleichen Maße zurückzugeben. Bei uns schwingt immer die Angst mit, verletzt zu werden. Viele von uns haben vermutlich selbst irgendwann einmal eine negative Erfahrung gemacht oder kennen zumindest jemanden. Das hat uns geprägt. Wir sind vorsichtiger geworden und fürchten uns davor, dass es wieder passiert.

Wenn wir uns verlieben und viel Zeit miteinander verbringen, dann fangen wir langsam an, diese Person kennenzulernen. Und je mehr wir diese Person kennenlernen, umso mehr Vertrauen bringen wir ihr entgegen. Dazu gehört aber auch, unsere Angst, vor dem Verletztwerden, zu überwinden. Jeder von uns hat hierbei sein eigenes Tempo. Jemanden, dem der Vertrauensaufbau sehr leichtfällt, wird sich wundern, warum das seinem Partner so schwerfällt. Ein impulsives „ich liebe dich“ in dem Moment der Leidenschaft, kann für den Einen der Beginn einer wunderbaren Liebe sein, für den Anderen hingegen dazu führen, dass er sich unwohl fühlt. Was antwortet man darauf, wenn man selbst noch nicht so weit ist. Eine Szene, die in Filmen gerne humoristisch dargestellt wird, aber im Grunde sehr traurig ist. Dieser Mensch, dem es schwerfällt sein Herz für andere zu öffnen, muss etwas erlebt haben, was ihn sehr geprägt hat. Vielleicht liebt er seinen Partner, ist aber noch bereit, dies sich selbst und seinem Gegenüber einzugestehen.

Vermutlich gibt es sogar Menschen, die es nie schaffen werden, ihr Herz vollständig zu öffnen. Was dazu führt, dass der Partner sich nicht geliebt fühlt. Es kommt zur Trennung, die Angst verletzt zu werden wird bestätigt und beim nächsten Mal fällt es dann noch schwerer jemanden Vertrauen entgegenzubringen. Eine sich wiederholende Geschichte, die in der Einsamkeit endet, obwohl durch etwas mehr Vertrauen, ein Happyend möglich gewesen wäre.

Advertisements

2 Kommentare zu „Vom Verliebtsein, Lieben und Verletztwerden“

  1. Ich finde diese Abgrenzung zwischen Verliebtheit und Liebe etwas willkürlich. Es gibt laut der Untersuchung wohl auch sehr viele Gemeinsamkeiten. Weiter oben wurde die Sehnsucht ja auch als Merkmal der Liebe aufgeführt.
    Letztenendes entscheidet das jeder für sich. Ich finde es vermessen zu sagen, wenn jemand ein bestimmte Merkmal nicht erfüllt, sei die Beziehung zum Scheitern verurteilt. Es gibt immer kompensierende Mechanismen. Man sollte auch nicht immer versuchen, alles zu erklären, das kann den Zauber zerstören. Ich beschäftige mich auch gerne mit solchen Artikeln, aber nur solange sie meine Beziehung als gelungen charakterisieren. Behaupten sie etwas Anderes, lege ich sie weg und erkläre sie für Unsinn.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s