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Ein Jahr im Schnelldurchlauf

Ich versuche mich kurz zu fassen, was mir scheinbar nicht immer gelingt. Meine Freundin meint ich würde mich viel zu häufig in Monologen verlieren. Was nicht stimmt. Nur führt das Eine meist zum Anderen, aber ich würde das nicht Monolog nennen. Bei mir darf sich jeder an der Unterhaltung beteiligen, man muss halt schnell sein.

Ich bin also glücklich in einer neuen Beziehung angekommen. Vor kurzem folgte nach einem Jahr auch der Umzug in eine gemeinsame Wohnung. Trotzdem, vielleicht auch deswegen, war es ein unglaublich anstrengendes Jahr. Für uns beide. Ich glaube sie leidet mehr unter dem Thema Scheidung als ich. Falsch, ich weiß dass sie mehr darunter leidet. Beziehungsweise litt. Die Scheidung ist zum Glück bereits rechtskräftig.

Schade nur dass meine Ex-Frau es nicht schafft einen Schlussstrich zu ziehen. Eigentlich war die Trennung einvernehmlich, alles lief harmonisch, aber von dem Moment an, an dem meine Ex-Frau erfuhr dass ihr vom Hausverkauf kein Geld zusteht…. Drama… nur noch über Anwalt.

Um ehrlich zu sein, das hat mich etwas überrascht und auch ein klein wenig überfahren. Wir hatten das Thema bereits durch. Sie wusste das ihr nichts zusteht, ich ihr aber entgegenkomme, damit sie einen sauberen Neustart hat. Und dann ging es los. Vorwürfe, noch mehr Vorwürfe, ich hätte sie während unserer Ehe psychisch misshandelt, noch mehr Vorwürfe. Es war, und ist leider immer noch, eine Mischung aus Vorwürfen um Schuldgefühle auszulösen und Vorwürfen mit denen sie versucht mich einzuschüchtern und mich zu erpressen.

Sie ist verletzt, wütend und voller Hass. Nur habe ich nicht geringste Ahnung warum. Aber ich habe einen Verdacht (eigentlich zwei, aber ich glaube Verdacht gibt es nur im Singular).

  1. Zurückweisung – damit kommt sie nicht so gut klar. Und dass ich nun Zugunsten meiner Freundin den Kontakt etwas eingeschränkt habe, das hat sie zutiefst verletzt. Aber es war nicht wegen meiner Freundin, es war wegen ihr. Ihr Leben besteht nur aus Drama und negativer Energie. Das wurde mir zu viel.
  2. Geld – klar geht es ums Geld. Sie will eine neue Wohnung, ein neues Auto und sich O-Ton „auch noch etwas leisten können“.

Ich persönlich finde es schade wie sich das Verhältnis zu meiner Ex-Frau entwickelt hat. Natürlich hätte ich gerne den Kontakt beibehalten, schließlich war sie über Jahre ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Und natürlich hätte ich mich auch gefreut, gelegentlich zu erfahren wie es den Hunden geht. Aber die letzten Monate haben wir gezeigt, dass das nicht funktioniert. Vor allem aber haben sie mir gezeigt, dass ich, im Gegensatz zu meiner Ex-Frau, vorangekommen bin. Ich bin dankbar für die Zeit, für das was  wir erlebt haben und was ich mitgenommen haben. Meine Ex-Frau hingegen verliert sich in Schuldzuweisungen und entzieht sich jeglicher Verantwortung. Das funktioniert nicht… hoffe ich jedenfalls.

 

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Sie

Sie – wer ist sie? Sie ist ein kleines bisschen älter als ich, ein kleines bisschen größer als ich, ein kleines bisschen attraktiver als ich, beruflich ein kleines bisschen erfolgreicher als ich, verdient vermutlich ein kleines bisschen mehr als ich und ist auch ein kleines bisschen „erwachsener“ als ich. Ja, sie schüchtert mich gewaltig ein – deshalb hat auch sie mich nach der Nummer gefragt, denn ich hätte mich das nicht getraut. Seitdem stehe ich vor dem Rätsel, ich, warum ich? Und nach ein paar Treffen kennt sie sogar meine Ausgangssituation. Noch rätselhafter, denn nun frage ich mich, warum immer noch ich?
Unsere ersten Treffen nenne ich absichtlich „nur“ Treffen, denn es hätten auch Dates sein können. Wir stellten uns allerdings wie zwei unerfahrene Jugendliche an und wirkten auch dementsprechend unbeholfen. Ich hab dann auch irgendwann mal aufgehört mitzuzählen wie oft sie mich hätte ganz gewaltig auflaufen lassen können. Es war also entspannt und unkompliziert mit ihr – und das ist wirklich nur ihr zu verdanken. Dummerweise war es so entspannt und unkompliziert, dass wir am Ende beide nicht mehr wussten, war das nun alles nur freundschaftlich oder besteht mehr Interesse. Nun haben wir aber bald ein richtiges Date und nennen das auch so!

Ein unverbindliches Treffen

Einfach mal unverbindlich treffen. In meinem letzten Beitrag hatte ich ja diesbezüglich ernsthafte Bedenken. Kann sich ein durchtrainierter, athletischer, gut aussehender, sympathischer, zuvorkommender, intelligenter, wortgewandter, humorvoller, charmanter und vor allem bescheidener Mann Anfang 30 – der wesentlich jünger (und erwähnte ich attraktiv?) aussieht – wirklich so ganz unverbindlich mit einer College-Studentin Anfang 20 treffen. Ich befürchtete nein, das könnte in die Hose gehen. Andererseits bin ich sehr gut im unverbindlich sein. Bei Dates zum Beispiel. Scheinbar wirke ich dabei aber gleichzeitig auch so unbeholfen, dass Frauen sich dann beim 5., 6., 7. oder 8. Date ihrerseits nicht mehr anders zu helfen wissen, als sich irgendwann einfach auf mich zu stürzen. Der typische Anfang einer Beziehung eben.

 

Nun schnallt eure Dictionarys an, aber ich habe meine Zweifel überwunden und mich tatsächlich auf ein Treffen eingelassen. Wie lief’s also? Super. Sie hat mich auf 24 Jahre geschätzt! Besser hätte das doch gar nicht laufen können. Wobei noch jünger muss jetzt dann auch nicht mehr sein. Kurz, wir haben uns gut unterhalten und sind gegen Mitternacht vollkommen unverbindlich wieder heim. Wieso war ich also so besorgt wegen des Treffens, keine Ahnung, irgendwie dachte ich dass der Abend anders enden würde. Diese Frage stellte ich mir also am nächsten Morgen, während ich mir – für mich ganz allein – die doppelte Menge Kaffee zubereitete und, wie ich es auch immer mache, auf zweite Tassen verteilte – einmal mit Milch und einmal ohne Milch, ich kann mich halt nicht entscheiden – und dann über meine am Boden verstreuten Klamotten – ich werfe sie immer kreuz und quer durchs Zimmer bevor ich ins Bett gehe – auf den Balkon ging um alleine meine zwei Tassen Kaffee zu genießen.

Einfach mal alles verkomplizieren

Boah bin ich gestresst. Ich sollte Wochenende einfach Zuhause bleiben oder bestenfalls einem Bingo-Abend im Seniorenheim beiwohnen. Wieso gehe ich auch in einen Club. Mensch hier. Ich bin doch eher so der ruhige, höfliche und zuvorkommende Typ. Aber nein, da muss ich ja abends in die Stadt gehen und von introvertiert auf extrovertiert wechseln – was wohlgemerkt ziemlich anstrengend ist. Und das habe ich nun davon. Eine ca. 20-jährige attraktive, lustige und verrückte Studentin aus den USA, die für ein paar Wochen in Deutschland ist, will sich mit mir treffen. Bei mir um die Ecke. Und das war nicht meine Idee.

Ja. Was soll ich sagen. Das Wort „Cool“ wäre womöglich angebracht. Wie lief es wirklich ab. Mein Smartphone vibriert. Sehe kurz einen Auszug der Nachricht, dieser beginnt mit einem Smiley. Aus Angst davor zu lesen was in der restlichen Nachricht steht wollte ich mein Handy dann die Toilette hinunterspülen. Erschien mir jedoch etwas übertrieben und habe erstmal abgewartet. Irgendwann habe ich es dann doch gewagt, bin im Anschluss dann erstmal zur Salzsäure erstarrt, um dann den restlichen Abend – einschließlich bis jetzt – in einer tiefe Ratlosigkeit zu versinken.

Soll ich.. kann ich.. und was wenn… Nicht „hoffentlich läuft da was“, sondern „ohje, was wenn da was läuft“ beschäftigt mich. Vermutlich sollt eich einfach weniger denken sondern mehr handeln. Aber das fällt mir einfach immer noch sehr, sehr schwer. Das wäre dann von meiner Seite das endgültige Aus für unsere Ehe und vielleicht auch mehr – Freundschaft, harmonisches Auskommen. Ist die Ehe aus, ja ich denke schon. Trotzdem gibt es Phasen in denen ich unsere gemeinsame Zeit vermisse, Zeiten in denen wir als Team, als ein Wir, agiert haben. Wieso mich das so quält, ich habe keine Ahnung. Für mich hat das noch immer einen Hauch von Betrug oder Fremdgehen. Es liegt wohl am loslassen. Zu wissen, das der nächste Schritt eine Einbahnstraße ist und es dann auch kein Zurück mehr gibt.

PS:
Für die Jungs in meinem Umfeld überlege ich mir jetzt noch eine coolere Story, sonst ernte ich nur Häme und Spott 😉

Night fever

So müde. Komme hier zu gar nichts mehr. Training, Arbeit, Schlafen, Kochen und jetzt fange ich hier auch noch an Leute kennenzulernen und mich ins Nachtleben zu stürzen. Say Whaaat…

„Can you talk to them“… ach ja stimmt, ich bin ja hier der german native speaker. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung wie ich in diese buntgemischte Gruppe von Austauschstudenten geraten bin – vermutlich habe ich wieder die Qualle gemacht, ließ  mich also einfach von der Strömung treiben und sah dabei wunderschön aus. Gekonnt und routiniert telefonierte ich also fließend auf deutsch mit der Taxizentrale – „fließend“ um 5 Uhr morgens nach einer laaaangen Nacht. Damit konnte ich zumindest der blonden Engländerin ganz schön imponieren. Sie war höchst erfreut, bedankt sich und fragt mich „Do you want some Ecstasy?“. Mensch wie nett, lehne aber trotzdem dankend ab. Ihre Freundin hat uns währenddessen mit Argusaugen beobachtet und fragt mich kurz darauf, ob ich mir die Nummer von der blonden Engländerin hätte geben lassen. Weiß nicht, hätte ich? Hatte doch schon ihre Nummer (also von der nicht blonden). Dachte das käme jetzt vielleicht nicht so gut rüber.
„Nein“ war scheinbar die richtige Antwort, denn plötzlich fing sie an sich an mich ranzuschmiegen und ich bin mir auch ziemlich sicher dass das nicht meine Hände an meinem Körper waren.

Ja, es war eine interessante Nacht. Und bin mir auch noch nicht ganz so sicher wie die Nacht hätte möglicherweise hätte enden können. Aber ich wäre auch überhaupt nicht darauf vorbereitet dass ich nicht alleine nach Hause gehe. Fängt schon damit an, dass ich wohl der einzige Berliner bin, der keine Verhütungsmittel Zuhause hat. Warum auch, bin ja in keiner Beziehung.

Angespielt: Lovoo

Dein Profil. Wow. Mein Profil! Omg! Der Charakter sieht genauso aus wie ich. Der Wahnsinn! Heiß. Ka-Tsch. Autsch. Verbrenne mir hier noch die Finger. Deine Matches. Ooouuuhhhh, meine Matches, was ist das. „Hier ist es so leer, komm spiel eine Runde.“. Wtf. Spielen. Juhu. Ney, Yay, Ney, Ney, Ney, Yay, Yay, Ney, Ney, Ney, Ney, Yay, Ney, Ney, Ney… wie lange dauert denn so eine Runde und welchen Highscore muss ich überbieten. Ney, Yay, Ney, Yay, Ney, Ney… werde langsam müde. Gibt es hierfür nicht einen Bot. Unglaublich langweilig. Wie das Farmen von blöden Materialien in MMORPGs. Langweilig. 1 neuer Besucher. Yeah! Jemand will mich sehen. Willkommen in meinem Profil. Nur hereinspaziert, Eintritt frei. Heute ist Ladies-Night: Frauen bekommen in Begleitung von noch mehr Frauen einen Verzehrgutschein. Match-Vote. Jetzt nicht euer ernst. Lass mich hier doch nicht übervoten, da vote ich gleich gleich mal zurück. Ha, schon gewonnen du Noob. Hier kommt ein großer Pokal mit meinem Bild und dem Bild der Verliererin auf der anderen Seite – Unterschrift „Match“. Jawohl ja, der hab ichs gezeigt. Weiterspielen oder der Verliererin eine Nachricht schicken. Weiterspielen natürlich, hier wird sich nicht mit Verlierern unterhalten. „Hi“. Ingame-Chat aktiviert. Weiter farmen, nicht ablenken lassen. „was suchst du?“. Meint die hier im Spiel oder im Allgemeinen oder ist das so eine philosophische Frage. Schreibe dass langfristig mein Interesse an einer Beziehung bestünde. Der Zonk ertönt und der Chat erlischt. Was war denn das. Muss wohl ein Endboss gewesen sein. Hab ich jetzt gewonnen oder verloren. Verwirrendes Spiel.

Bewertung:  20%
Langzeitmotiviation: 30%
Spielspaß: 10%

Pro:
– free-to-play
– taktisch fordernder Multiplayer

Contra:
– Helden nicht ausbalanciert
– Gameplay begünstigt weibliche Charaktere
– Spielfortschritt wird nicht angezeigt

Gutenachtgedanken

Döner für 2.50 Euro. Wie kann Döner so billig sein? Mmmh, Döner. Nur 5 Minuten mit der Tram und ich bekäme einen leckeren Gemüsedöner. Ob der noch offen hat? Ich glaube ja nicht. Halt, mein Nachbar ist ein Döner. Aber trage schon meinen Pyjama. Pyjama-Party wäre nach meiner Definition dass alle nur ihre Retroshorts tragen – was auf eine peinliche Weise total witzig wäre. Mein anderer Nachbar trägt immer eine Badehose wenn er nackt auf dem Balkon raucht. Hat zwar nicht die Figur für obenohne, aber zumindest traue ich mich nun dank ihm ebenfalls obenohne auf den Balkon, obwohl ich eine obenohne Figur habe. Darüber freuen sich scheinbar die Huhu-Girls. Die Huhu-Girls kenne ich nicht, aber das ist mein Sammelbegriff für junge und einfach nur Frauen die „huhu“ hoch zu mir rufen. Ich dachte erst sie meinen „Uhu“, denn nebenan auf dem Balkon saß ein Großstadtpapagei, der entpuppte sich aber leider als Rabe, Krähe oder Elster. Was aber egal ist, auf den Balkon hat er mir so oder so gekackt. Es ist 00:25 Uhr, ein Pärchen knutscht wild an der Tram-Haltestelle, vermutlich erreichen sie bald die dritte Base oder die Erste oder die Zweite. Vielleicht trennen sie sich auch gerade. Eine Laterne weiter tanzt eine Brünette in Hotpants lasziv zu imaginärer Musik. Könnte allerdings auch ein Kerl sein. Das finde ich verwirrend. Die Blondine auf dem Fußgänger weg ist jedoch sicher eine Frau. Etwas kurz der Rock. Wirklich sehr kurz der Rock. Wurde vielleicht in den Rock hineingeboren. Das täte mir Leid. Ist wie mit der Familie, da wird man auch hineingeboren, nur ist die Familie kein Rock. Und in die Staatsbürgerschaft, da wird man auch hineingeboren. Und in die Kirche. Hier kann man aber ein- und austreten. Was allerdings ganz schön aufwendig ist.

Diät

Ein tolles Diagramm ist das geworden. Zumindest wenn man mal von der Lücke zwischen dem 5.5. und dem 14.5. absieht. Habe es mit meinem Trainings-/Ernährungstagebuch ziemlich schleifen lassen. Dieser blöde April hat mich da ganz schön zurückgeworfen. Unregelmäßig trainiert und unsauber gegessen. Und die ersten zwei Wochen in Berlin waren nur bedingt besser, zumindest das Training lief wieder nach Plan.

 

Unsauber heißt übrigens, dass mir mein Ernährungsplan sowas von schnuppe ist und ich einfach alles in mich reinstopfe worauf ich gerade Lust habe. Das muss nicht unbedingt ungesund sein, eine Familienpackung Vollkorn-Sandwich-Toast, Quark und ein Glas Nutella zum Abendessen deckt eigentlich eine ganze Palette an gesunder Nahrungsmittel und Nährstoffe ab: Cerealien, Milch, Nüsse, Mehrfach gesättigte Fettsäuren, einfach hungrige Fettsäuren, Eiweiß und und und. Cerealien habe ich übrigens schon lange nicht mehr gelesen und verwende das Wort eigentlich auch nie, aber heute habe ich einen Fertig-Salat im Prospekt gesehen, der wie folgt beschrieben wurde: Zwischenmahlzeit mit leckeren Cerealien im Shaker. Großartig! Kopfsalat, Tomaten, eine handvoll Roggen und ein paar Brösel Dinkel – zack fertig ist der Mittags-Snack.

Es läuft nun also wieder nach Plan, ich musste nur meine Gelüste in den Griff bekommen. Die werden nun hauptsächlich mit Tomaten gestillt. Das sind sozusagen meine neuen Snacks wenn ich noch Hunger habe oder einfach was knabbern will. War also nur wichtig dass mein Kühlschrank die ausreichenden Mengen an Tomaten beinhaltet- außerdem sicherheitshalber etwas mehr Hüttenkäse und Quark.

Habe nur Angst dass ich jetzt schmächtig und dürr werde. Hole nun deshalb beim Wiegen regelmäßig das Maßband aus dem Schrank und messe akribisch meine verschiedenen Körperpartien. Glücklicherweise scheint hauptsächlich der Bauch straffer zu werden. Kraftverlust konnte ich auch noch keinen verzeichnen. Das ist schon mal gut, muss also weiterhin in Fitnessstudio gehen um das zu kontrollieren.

Wieso habe ich eigentlich keinen vernünftigen Spiegel in der Wohnung. Deko-Spiegel… was will ich denn damit, darin sehen kann ich mich nur mit Verrenkungen und nicht mal dann vollständig. Da baue ich mir doch lieber ein Deko-Fenster. Schön vor die Wand ein nettes Fenster, das kann ich dann jeden Tag öffnen und muss dabei nicht mal die Wohnung lüften. Und der Spiegel im Bad ist auch eher minimalistisch ausgefallen. Hat mich eine Stunde meiner wertvollen Lebenszeit gekostet innerhalb der Wohnung einen Platz für mein Smartphone zu finden, auf dem ich bei vernünftigem Licht ein halbnackt Selfie mit Selbstauslöser machen kann. Super unpraktisch.

Stadt der Singles

Was für ein Zahlen-Wirrwarr. Berlin ist die Stadt der Singles, denn hier leben über 50% in Einpersonenhaushalten. Bundesweit soll die Anzahl der Singles bei fast 40% liegen. Ich weiß zwar nicht wie das zu einer Statista Umfrage passt laut der fast 50% aller Befragten Single waren, deshalb ignoriere ich das einfach mal. Ist besser so, denn unter 50 Jahren waren dort rund 61% der Männer und 39% der Frauen Single – eine, aus meiner Sicht, wirklich ungünstige und zugleich ungerechte Verteilung. Berlin ist also die Single-Hauptstadt. Überrascht mich das? Ja absolut, denn wer hätte gedacht dass bundesweit lediglich 40% der Bevölkerung Single sind. Ich hätte auf 50, 60 oder 80% getippt. Kommt noch. Warten wir mal bis Generation Z in diese Statistik mit einfließt.

Welche Generation kommt eigentlich nach Z? War keine gute Idee bei X anzufangen und eine noch viel schlechtere bei Y weiter zu machen. Die nächsten Generation müssen dann analog zu Excel-Spalten benannt werden – Generation AA, AB, AC usw. Oder wir erfinden neue Buchstaben. Generation Knuäh – das ist jetzt nur die Lautschrift, weil meine Tastatur noch keine Knuäh-Taste hat. Aber zurück zur Generation Z, nein eins vorher, den Ys. Wir Ys haben Probleme mit verbindlichen Zusagen. Nicht dass wir nicht zusagen können, das machen wir, aber wir haben halt auch kein Problem mit dem Absagen – notfalls auch kurzfristig – wenn sich eine bessere Option zum verabredeten Zeitpunkt auftut. Es ist also eher verwunderlich dass wir überhaupt noch beziehungsfähig sind.

Nehmen wir mal an ich habe ein Date. Ist toll, läuft super, alles prima. Zweites Date, läuft doppelplussupper, alles noch primarer. Vor dem dritten Date sag ich dann, du hör mal, kann heute nicht, sorry, hab jetzt doch ne andere in Aussicht und die ist nicht nur ne 9, sondern sogar eine 9.5, aber hey, ich find dich echt klasse und ggf. komm ich ja mal auf dich zurück wenn das hier doch nicht klappt. Aber halb so wild, da heute jegliche Kommunikation über Whatsapp läuft bleibt einem das Drama erspart. Trotzdem unangenehm. Besser also erstmal das Single-Sein feiern und warten bis der Traumprinz auf einem weißen Ross an einem vorbei galoppiert. Oder man die Traumprinzessin durch einen Kuss aus einem 100-jährigen Schlaf weckt.

Das könnte allerdings zu Missverständnissen führen wenn man jetzt durch die Stadt spaziert und jede schlafende Frau küsst. Allerdings habe ich noch keine schlafenden Frauen in der Stadt entdeckt. Das wäre auch ziemlich unheimlich und ich würde mich fragen weshalb hier alle schlafen. Dann stünde vermutlich eine Alieninvasion bevor, auf die ich weit weniger vorbereitet wäre als auf eine Zombieapokalypse – dazu gibt es nämlich jede Menge Youtube-Videos. Und Prinzen habe ich auch noch nicht durch die Stadt reiten sehen. Haben Prinzen außerdem nicht immer einen Dolch oder Säbel dabei? Glaube das wäre nicht mal erlaubt. Man würde einen Traumprinzen also nur am Pferd erkennen, aber dann wäre jeder Reiter ein Prinz und jeder Mann würde sich ein Pferd kaufen. Wohin dann mit den ganzen Pferden? Das wäre das absolute Chaos. Außerdem hätten wir dann nur noch Traumprinzen und Traumprinzessinnen, was uns wieder zur Ausgangsbasis bringen würde, dass wir eben nicht wüssten wer nun der Traumprinz oder die Traumprinzessin ist.

Es bliebe als wieder nur die „Trial and Error“-Methode, also das bewusste in Kauf nehmen von Fehlschlägen (Scheitern der Beziehung) bis man eine Lösung (funktionierende Beziehung) gefunden hat. Es macht also keinen Sinn eine Option A für eine womöglich noch bessere Option B aufzuschieben, weil wir sonst nie erfahren ob Option B wirklich die bessere ist. Das ist eigentlich eine Art Optimierung die wir da durchführen wollen. Was genau wir optimieren wollen ist mir nicht ganz klar. Lebensglück? Liebe? Der Haken an der Sache, natürlich kann ich versuchen all das zu maximieren, nur kenne ich weder alle Variablen, noch kann ich irgendwelche Nebenbedingungen festlegen. Klar kann ich, aber das wäre völlig sinnfrei, außer man hätte Einblick in alles und jeden. Haben wir aber nicht. Weder weiß ich ob die Party supergeil oder superdoof wird, noch weiß ich ob die nächste Beziehung 70 Jahre oder nur 7 Tage andauert. Wäre natürlich prima wenn man das vorher wüsste, da könnte man sich viel Zeit sparen. Erfahren werde ich es jedoch erst wenn ich auf diese Party gehe oder mich auf diese Beziehung einlasse. Gut falsch. Vermutlich erzählen mir Freunde am nächsten Tag wie geil das auf der Party war oder ich treffe irgendwann die Person mit der ich mich nicht auf eine Beziehung eingelassen habe und ärgere mich dann furchtbar weil ich damals so ein Idiot war.

Duftbaum

22:20 Uhr, verlasse flotten Schrittes das Fitnessstudio. Wobei flott für schleppend und Schritt für Humpeln steht. Somit schleppte ich mit humpelnd leise stöhnend zur Tram. Hatte ursprünglich vor einen abendlichen Spaziergang nach Hause zu machen, aber dieser Kiez außerhalb des Prenzlauer Bergs ist mir suspekt. Genau genommen ist mir ganz Berlin noch etwas suspekt, aber alles was entgegengesetzt der Mitte ist, ist mir noch um ein vielfaches suspekter. Außerdem war Beintraining angesagt, danach will ich mich eigentlich nur noch sofort und auf der Stelle hinlegen. Aber da alle Hantelbänke im Studio besetzt waren ging das halt nicht. Musste also leicht verschwitzt mit der Tram fahren – aber immerhin hatte ich ein frisches T-Shirt dabei. Sah in Gedanken schon, wie ich isoliert in der Mitte der Tram stehe und sich trotz völliger Überfüllung ein Sicherheitsabstand von mehreren Metern um mich herum bildet. Keiner sagt was, aber alle verziehen das Gesicht, drehen sich weg und versuchen nicht zu atmen. Kam dann nur zum Teil so. Die Tram war fast leer, aber es bildete sich in der Tat ein Sicherheitsabstand und die Leute versuchten nicht durch die Nase zu atmen. War aber nicht ich der da so vor sich hin müffelte. Im Gegenteil, ich wirkte wie eine frische Frühlingsbrise und die Leute schmiegten sich an mich um kurz aufatmen zu können. Ja, das bin ich, ein wandelnder, gut aussehender, athletischer, attraktiver Wunder-BaumMann, erhältich in der Duftrichtung „Jean Paul Gaultier“ und „Paco Rabanne“. Aus biologischen Anbau und zu 100% ökologisch wiederverwertbar – mehrfach ausgezeichneter Testsieger, Prädikat „sehr gut“ und „unglaublich“. Sicher wird sich bald ein Link viral in den sozialen Medien verbreiten „Ihr werdet es nicht glauben welchen Wunder-Mann ihr hier seht“. Wer dem Link folgt sieht ein verwackeltes Smartphone-Video  und ein unscharfes Foto, welches mich zeigt wie ich versuche mich aus einer Menschentraube zu lösen, es mir aber nicht gelingt, da sich die Hände unzähliger, mir völlig fremder, Menschen in mein Shirt einklammern und mich zurück in ihre Mitte holen. Dann folgen Beiträge mit minutenlangen Videos in denen im Hintergrund ein Bild von mir mit Sonnenaufgang zu sehen ist, mit tiefgründigen und inspirierenden Texten, die eine Aneinanderreihung meiner Zitate und Weisheiten sind.