Archiv der Kategorie: Meine Gefühlswelt

Ein Jahr im Schnelldurchlauf

Ich versuche mich kurz zu fassen, was mir scheinbar nicht immer gelingt. Meine Freundin meint ich würde mich viel zu häufig in Monologen verlieren. Was nicht stimmt. Nur führt das Eine meist zum Anderen, aber ich würde das nicht Monolog nennen. Bei mir darf sich jeder an der Unterhaltung beteiligen, man muss halt schnell sein.

Ich bin also glücklich in einer neuen Beziehung angekommen. Vor kurzem folgte nach einem Jahr auch der Umzug in eine gemeinsame Wohnung. Trotzdem, vielleicht auch deswegen, war es ein unglaublich anstrengendes Jahr. Für uns beide. Ich glaube sie leidet mehr unter dem Thema Scheidung als ich. Falsch, ich weiß dass sie mehr darunter leidet. Beziehungsweise litt. Die Scheidung ist zum Glück bereits rechtskräftig.

Schade nur dass meine Ex-Frau es nicht schafft einen Schlussstrich zu ziehen. Eigentlich war die Trennung einvernehmlich, alles lief harmonisch, aber von dem Moment an, an dem meine Ex-Frau erfuhr dass ihr vom Hausverkauf kein Geld zusteht…. Drama… nur noch über Anwalt.

Um ehrlich zu sein, das hat mich etwas überrascht und auch ein klein wenig überfahren. Wir hatten das Thema bereits durch. Sie wusste das ihr nichts zusteht, ich ihr aber entgegenkomme, damit sie einen sauberen Neustart hat. Und dann ging es los. Vorwürfe, noch mehr Vorwürfe, ich hätte sie während unserer Ehe psychisch misshandelt, noch mehr Vorwürfe. Es war, und ist leider immer noch, eine Mischung aus Vorwürfen um Schuldgefühle auszulösen und Vorwürfen mit denen sie versucht mich einzuschüchtern und mich zu erpressen.

Sie ist verletzt, wütend und voller Hass. Nur habe ich nicht geringste Ahnung warum. Aber ich habe einen Verdacht (eigentlich zwei, aber ich glaube Verdacht gibt es nur im Singular).

  1. Zurückweisung – damit kommt sie nicht so gut klar. Und dass ich nun Zugunsten meiner Freundin den Kontakt etwas eingeschränkt habe, das hat sie zutiefst verletzt. Aber es war nicht wegen meiner Freundin, es war wegen ihr. Ihr Leben besteht nur aus Drama und negativer Energie. Das wurde mir zu viel.
  2. Geld – klar geht es ums Geld. Sie will eine neue Wohnung, ein neues Auto und sich O-Ton „auch noch etwas leisten können“.

Ich persönlich finde es schade wie sich das Verhältnis zu meiner Ex-Frau entwickelt hat. Natürlich hätte ich gerne den Kontakt beibehalten, schließlich war sie über Jahre ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Und natürlich hätte ich mich auch gefreut, gelegentlich zu erfahren wie es den Hunden geht. Aber die letzten Monate haben wir gezeigt, dass das nicht funktioniert. Vor allem aber haben sie mir gezeigt, dass ich, im Gegensatz zu meiner Ex-Frau, vorangekommen bin. Ich bin dankbar für die Zeit, für das was  wir erlebt haben und was ich mitgenommen haben. Meine Ex-Frau hingegen verliert sich in Schuldzuweisungen und entzieht sich jeglicher Verantwortung. Das funktioniert nicht… hoffe ich jedenfalls.

 

Sie

Sie – wer ist sie? Sie ist ein kleines bisschen älter als ich, ein kleines bisschen größer als ich, ein kleines bisschen attraktiver als ich, beruflich ein kleines bisschen erfolgreicher als ich, verdient vermutlich ein kleines bisschen mehr als ich und ist auch ein kleines bisschen „erwachsener“ als ich. Ja, sie schüchtert mich gewaltig ein – deshalb hat auch sie mich nach der Nummer gefragt, denn ich hätte mich das nicht getraut. Seitdem stehe ich vor dem Rätsel, ich, warum ich? Und nach ein paar Treffen kennt sie sogar meine Ausgangssituation. Noch rätselhafter, denn nun frage ich mich, warum immer noch ich?
Unsere ersten Treffen nenne ich absichtlich „nur“ Treffen, denn es hätten auch Dates sein können. Wir stellten uns allerdings wie zwei unerfahrene Jugendliche an und wirkten auch dementsprechend unbeholfen. Ich hab dann auch irgendwann mal aufgehört mitzuzählen wie oft sie mich hätte ganz gewaltig auflaufen lassen können. Es war also entspannt und unkompliziert mit ihr – und das ist wirklich nur ihr zu verdanken. Dummerweise war es so entspannt und unkompliziert, dass wir am Ende beide nicht mehr wussten, war das nun alles nur freundschaftlich oder besteht mehr Interesse. Nun haben wir aber bald ein richtiges Date und nennen das auch so!

Einfach mal alles verkomplizieren

Boah bin ich gestresst. Ich sollte Wochenende einfach Zuhause bleiben oder bestenfalls einem Bingo-Abend im Seniorenheim beiwohnen. Wieso gehe ich auch in einen Club. Mensch hier. Ich bin doch eher so der ruhige, höfliche und zuvorkommende Typ. Aber nein, da muss ich ja abends in die Stadt gehen und von introvertiert auf extrovertiert wechseln – was wohlgemerkt ziemlich anstrengend ist. Und das habe ich nun davon. Eine ca. 20-jährige attraktive, lustige und verrückte Studentin aus den USA, die für ein paar Wochen in Deutschland ist, will sich mit mir treffen. Bei mir um die Ecke. Und das war nicht meine Idee.

Ja. Was soll ich sagen. Das Wort „Cool“ wäre womöglich angebracht. Wie lief es wirklich ab. Mein Smartphone vibriert. Sehe kurz einen Auszug der Nachricht, dieser beginnt mit einem Smiley. Aus Angst davor zu lesen was in der restlichen Nachricht steht wollte ich mein Handy dann die Toilette hinunterspülen. Erschien mir jedoch etwas übertrieben und habe erstmal abgewartet. Irgendwann habe ich es dann doch gewagt, bin im Anschluss dann erstmal zur Salzsäure erstarrt, um dann den restlichen Abend – einschließlich bis jetzt – in einer tiefe Ratlosigkeit zu versinken.

Soll ich.. kann ich.. und was wenn… Nicht „hoffentlich läuft da was“, sondern „ohje, was wenn da was läuft“ beschäftigt mich. Vermutlich sollt eich einfach weniger denken sondern mehr handeln. Aber das fällt mir einfach immer noch sehr, sehr schwer. Das wäre dann von meiner Seite das endgültige Aus für unsere Ehe und vielleicht auch mehr – Freundschaft, harmonisches Auskommen. Ist die Ehe aus, ja ich denke schon. Trotzdem gibt es Phasen in denen ich unsere gemeinsame Zeit vermisse, Zeiten in denen wir als Team, als ein Wir, agiert haben. Wieso mich das so quält, ich habe keine Ahnung. Für mich hat das noch immer einen Hauch von Betrug oder Fremdgehen. Es liegt wohl am loslassen. Zu wissen, das der nächste Schritt eine Einbahnstraße ist und es dann auch kein Zurück mehr gibt.

PS:
Für die Jungs in meinem Umfeld überlege ich mir jetzt noch eine coolere Story, sonst ernte ich nur Häme und Spott 😉

Zwischenstand Teil 1

WordPress hat mich vor kurzem daran erinnert, dass der Anfang von allem bereits über ein Jahr zurück liegt. Echt, ist es wirklich erst ein Jahr her? Mir kommt das alles viel länger vor. Es hat sich so viel verändert, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass alles innerhalb von 365 Tagen stattgefunden haben soll.

Ich wollte meine Gedanken sortieren, meine Beziehung, meine Ehe und die daraus resultierende Trennung verarbeiten. Vielleicht fällt das nur mir auf, aber ich glaube das habe ich ganz gut hinbekommen, denn schon seit einer geraumen Weile ist jeder meiner Beiträge eine absolute Themaverfehlung.

Die größte Furcht war die Angst vor dem Alleinsein, die Einsamkeit. Heute empfinde ich oftmals genau das als wahre Wohltat und genieße es. Zeit für sich selbst haben, Zeit mit sich selbst verbringen. Ich stelle fest, dass mir das sehr wichtig geworden ist. Nachdenken, reflektieren oder einfach nur abschalten. Alltag ist Ablenkung und ich habe festgestellt, keinerlei Ablenkung ist anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber doch auch sehr erholsam und nicht selten reich an Erkenntnissen. Ich bin und war mit mir selbst noch nie so sehr im reinen wie derzeit. Das ist ein ausgesprochen angenehmes Gefühl. Nur der Sex fehlt mir dann und wann, das gebe ich ganz offen zu.

Auf meine Beziehung oder Ehe oder Trennung gehe ich kaum noch ein. Natürlich ist dieses Thema immer noch sehr aktuell, aber es gibt kaum etwas neues zu berichten. Meine Frau ist labil, manchmal wird ihr alles zu viel. An manchen Tagen kann ich sie auffangen, an manchen Tagen verkacke ich das erst mal, weil ich selbst gestresst bin und erst mal runterkommen muss. Besinne mich dann aber, mache mir klar dass es ihr nicht gut geht und bin dann für sie da – zwar nur für eine kurze Umarmung oder 10 Minuten in der ich ihr zuhöre und Verständnis zeige, aber mehr braucht sie nicht. Sie braucht einfach jemanden der für sie da ist, der ihr zeigt, dass sie nicht alleine mit allem fertig werden muss. Und genau davor hat sie Angst. Angst, dass Berlin bedeutet, dass ich vollständig aus ihrem Leben verschwinde. Das wird hoffentlich nicht passieren, denn sie war für lange Zeit der wichtigste Teil meines Lebens und das wäre auch für mich ein großer Verlust, da sie für mich in gewisser Weise noch immer eine Konstante in meinem Leben darstellt und auch Bezugsperson ist.

Es wird also Berlin…

32 Stunden. 32 Stunden seit meinem Einstellungsgespräch. 32 Stunden seit dem ich die Konditionen des Jobangebots kenne. 32 Stunden, 1 1/2 Tage – sollten da die Panikattacken nicht langsam nachlassen?

Wieso habe ich diese Frage auch mit „ja“ beantwortet. Hätte ich nicht tun sollen. Aber wenn man bei einem Vorstellungsgespräch etwas gefragt wird und die einzig offensichtlich richtige Antwort „ja“ lautet, dann sagt man halt nicht „nein“. Selber Schuld, hätte ich beim Powerball die richtigen Zahlen getippt, dann wäre ich nun 1,3 Mrd Euro reicher, könnte damit die Firma aufkaufen und den Arbeitsvertrag an meine Wünsche anpassen.

Schreibe nun eine Liste warum Berlin toll ist und ich mich auf den Umzug in 8 bis 10 Wochen freuen sollte.

  1. Herr Lehmann – das Buch war super!
  2. Horst Evers – seine Bücher sind auch super!
  3. in Arbeit
  4. kommt noch
  5. fällt mir bestimmt was ein
  6. hier auch
  7. puh
  8. auf jeden Fall fülle ich diesen Punkt noch aus
  9. und den hier
  10. läuft bei mir

Parallel dazu arbeitet mein Unterbewusstsein an einer Liste, warum das total blöd wird. Ich muss zugeben, dass mein Unterbewusstsein ziemlich ehrgeizig ist und extrem flott vorankommt. Wirklich beeindruckend!

Werde wohl mal ein paar Informationen zu Berlin sammeln. Fragen wie  „Darf man nachts alleine auf die Straße gehen? Wenn ja, warum und wenn nein, überall gefährlich?“ müssen geklärt werden. Außerdem muss ich den optimalen Wohnort ermitteln. Bezahlbar, Einkaufsmöglichkeiten, Fitnessstudio, Arbeit – mal meine Studienunterlagen durchgehen und herausfinden welcher Algorithmus sich hierfür am Besten eignet.

 

Eile mit Weile

Neujahrsbläser marschieren durchs Dorf, verbringe also meine Zeit damit mich zu verstecken. Noch dazu ist wieder einer dieser Tage wo ich dazu neige Dummheiten anzustellen, die ich dann am nächsten Tag bereue. Schlafen kann ich allerdings nicht, da ich meine morgendliche Müdigkeit mit ganz viel Kaffee bekämpft habe, jetzt fühle ich ganz hibbelig, was die Wartezeit nur noch verlängert.

Nicht warten auf Godot, sondern warten auf einen Geistesblitz. Echt nervig. Fast als wolle man etwas sagen, was wirklich gutes, nur hat man es kurz vorher vergessen und kommt beim besten Willen nicht mehr darauf was es gewesen ist. Stunden später fällt es einem dann wieder ein, aber es jetzt noch in die Runde zu werfen wirkt dann deplatziert und ist überhaupt nicht mehr lustig. Ärgerlich. Ich warte also darauf dass mir etwas einfällt, was ich dann wieder vergessen kann, damit es mir dann wieder einfällt und ich mich im Anschluss noch mehr ärgern kann.

Ich habe nämlich festgestellt dass es mir gefällt wenn Frauen Humor haben und witzig sind – ja, habe ich meinem Blog zu verdanken! Und tatsächlich habe ich doch jetzt mal im echten Leben eine solche Frau kennengelernt. Mein Alter, meines Wissens Single und Dialoge mit ihr, meistens über soziale Medien, sind unkompliziert und witzig.

Nun kommen die Aber(s): Aber sie wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich kenne sie schon seit meiner Kindheit, aber hatte nie Kontakt zu ihr. Sie weiß dass ich verheiratet bin. Wir wohnen in einem wirklich winzigem Dorf.

Wieder lande ich bei den Themen Informationsasymmetrie und „Signale“. Natürlich weiß ich nicht was sie weiß. Und ich weiß auch nicht was sie von mir hält. Ist sie einfach nur nett oder mag sie mich. Und wenn sie mich mag, welche Chancen bestehen dass wir mal ausgehen. Dass das alles so kompliziert sein muss. Wäre überhaupt nicht witzig einen Korb zu kassieren und ihr dann die nächsten Wochen ständig zu begegnen. Außerdem wohnen wir in einem Nest von Dorf, dann stelle ich mir nur ständig die Frage wer wohl davon erfahren hat und mir jetzt womöglich mitleidige Blicke zu wirft.

Mein Plan sah für heute vor, einfach mal im Bett liegen zu bleiben. Der Ersatzplan sah vor, heute nicht aufzustehen. Gut dass diese zwei Vorhaben nicht meine Vorsätze für 2016 waren, denn nun sitze ich am Computer, womit beide Ziele nicht erreicht wurden. Ging um 4:30 Uhr auch schon mal gut los, als mein Hund mir das Bett vollgereiert hat. Weiß nun wenigstens wo die Packung mit Leckerlis von gestern hin verschwunden ist, dachte schon ich sei total verkalkt, weil ich meines Wissens drei Packungen gekauft hatte, aber ich gestern nur noch zwei finden konnte. Gestern habe ich übrigens herausgefunden dass Hunde keine Milch vertragen. Glaube ich zumindest, das Durchfallinferno von 5:40 Uhr könnte auch eine andere Ursache gehabt haben, halte ich aber für unwahrscheinlich. Wird man aber hellwach wenn man so früh schon den Fußboden putzen oder das Bett wechseln muss. Muss künftig alles weiter vom Tischrand wegschieben, der Verschleiß an Milch nimmt drastisch zu, seit dem die mir immer vom Tisch geklaut wird. Sollte ich mal Kinder haben kann ich nur hoffen dass die ähnlich gute Mägen haben wie Hunde.

Sitze nun also am PC und verspüre eine leichte Übelkeit. Bin beim Aufstehen wohl in Wurmloch gestiegen und in einer surrealen Zwischenwelt gelandet. Ich hätte Lust mich mal zu verabreden, traue mich aber nicht. Einerseits weil ich das neue Jahr nicht gleich einen Korb kassieren möchte, andererseits weil ich ein schlechtes Gewissen meiner Frau gegenüber habe. Ihr geht es nicht gut, gesundheitlich. Der kürzliche Bandscheibenvorfall hat einen Nerv vollständig abgeklemmt, leider sind immer noch Beeinträchtigungen vorhanden und es wird lange dauern bis klar ist, ob sich der Nerv wieder ganz erholt oder Folgeschäden bleiben (z.B. Taubheit in unterschiedlichen Regionen). Zusätzlich kamen nun weitere neurologische Probleme dazu, Wörter oder einzelne Ereignisse des Tages vollständig vergessen. Ich mache mir Sorgen, sehr sogar.

Wie soll ich denn da an mein Glück denken, wenn meine Frau Angst hat und es ihr sehr schlecht geht. Klar bin ich für sie da, aber es wäre sicherlich eine zusätzliche und unnötige Belastung wenn ich nun auf Wolke 7 schwebe. Das quält mich. Der Gedanke was eine neue Beziehung bei ihr auslösen könnte, ebenso wie der Gedanke noch einmal ein halbes Jahr oder länger alleine zu verbringen – gut, wäre vielleicht ohnehin der Fall, aber so bestünde zumindest die Chance dass möglicherweise doch nicht.

Sie sagt, alles gut und ich darf raus in die Welt. Nur sollte ich niemanden von da draußen mit ins Haus nehmen oder mit zu ihr bringen. Verständlich. Ihre Familie bitte aus der Welt ausklammern. Verständlich. Und trotzdem plagt mich bei dem Gedanken mein Gewissen und schürt es auch Ängste, denn es behagt mir nicht, auch wenn ich wünschte es wäre anders.

Oh du schmerzliche, la la laaaa lalala

Wieder zurück aus dem Kurzurlaub. Zwei Übernachtungen mit Vollpension, Getränkeflatrate, Sat-TV, Wlan, Butler-Service – das ganze für 30 Euro, da kann man nicht meckern. Eigentlich. Ich persönlich mag Krankenhäuser aber nicht so.

Laut Entlassungsbericht hatte ich es geschafft mir beide Leisten zu brechen. Hat sich also gelohnt das mal zu reparieren.

Total prima fand ich die Tablette die man zur Entspannung bei der Aufnahme bekommt. Man hat mich die entspannt, aber so richtig entspannt. Hätte ich mir gerne ein paar mitgenommen. Nur die pinke Farbe hat mich etwas gestört. Aber die Schwester meinte, männlichere Farben hätte sie nicht vorrätig. Doof.

Irgendwann wurde ich dann zum OP-Bereich geschoben. Wäre natürlich viel cooler gewesen wenn man die Betten wie Autoscooter hätte steuern können – der Ansicht war die Krankenschwester auch, meinte aber dass es so dann doch irgendwie besser sei.

Während ich also im OP-Bereich mit meinem Bett so rumstehe kommt eine grün verschleierte Frau. Begrüßt mich und fragt mich welche OP ich bekomme. Da hatte ich dann kurz Bammel, weil wenn die sich das schon nicht merken können, wie soll ich das dann noch wissen, so unter Drogeneinfluss. Habe gesagt meines Wissens Leistenbruch, was sie denn sonst noch so anzubieten hätte. Das kommt darauf an was ich mir so vorgestellt hätte. Habe gesagt ein paar Upgrades wären schön, so wie beim 6 Millionen Dollar Mann oder bei Wolverine. Sie meinte sie sieht mal nach was sie noch auf Lager hat und gibt mir dann Bescheid.

Irgendwann kam sie wider, sagte dass Adamantium im Moment leider aus sei, sie mir aber ein Kunstsoffnetz anbieten könne, dann sei ich aber nur der 60 Euro Mann. Nicht so cool wie ich das gern gehabt hätte, aber besser als nichts.

Im OP-Saal habe ich dann den Arzt kennengelernt. Wieder die Frage was bei mir gemacht wird. Schon beunruhigend gell? Keiner außer mir weiß was zu tun ist. Hätte er jetzt noch ein „Chirurgie für Dummies“-Buch in der Hand gehabt wäre ich davon gelaufen… oder zumindest gekrabbelt. Immerhin wusste die OP-Schwester ja schon Bescheid, die hätte ihn dann hoffentlich davon abgehalten mir versehentlich etwas wegzuschnippeln was ich eigentlich noch behalten wollte. Habe also wieder brav „Leistenbruch“ gesagt, meinte aber er könne sich ruhig austoben und mir auch den Blinddarm entnehmen. Ja das könnte er, aber dafür hätte er erst noch meine Unterschrift gebraucht. Habe innerlich für 5 Sekunden geflucht, das wäre also wirklich möglich gewesen….

Im Aufwachraum der Hinweis dass ich mich im Aufwachraum befinde. Beruhigend zu wissen, denn den Himmel hätte ich mir nämlich auch etwas sonniger und mit weniger Fliesen an den Wänden vorgestellt. Für die Hölle war das triste Umfeld allerdings viel zu kalt. Hat somit gepasst dass es der Aufwachraum war. Wie ich mich fühle und ob alles passt. Obwohl man sich nach einer OP beschissen fühlt und eigentlich gar nichts passt, sagt man trotzdem dass alles passt, weil man nur seine Ruhe haben und schlafen will. Schlafen konnte ich aber nicht gleich, musste erst einen Kontrollblick unter die Decke werfen. Quasi prüfen ob da unten noch alles vollzählig ist. War es. Etwas zu vollzählig. Die schöne große Beule auf meinem Bauch war irgendwie neu. Die Schwester war auch der Meinung dass ich ohne Beule ins KH kam. Der Arzt war der gleichen Meinung und rief den Chefarzt. Der meinte auch dass die Beule vorher nicht da war und hat ein Ultraschallgerät holen lassen. Da wir uns somit alle einig waren dass die Beule da nicht hingehört ging es zurück in den OP, Beule entfernen und kontrollieren dass die Blutung nur in die Bauchdecke gewandert ist.

Im Moment sieht mein Bauch nicht sonderlich sexy aus. Irgendwie leicht geschwollen. Vermutlich bleibt mir auch eine Narbe oder zwei, die werde ich dann aber mit einer Tätowierung aufpeppen, so dass es richtig verwegen aussieht. Dazu überlege ich mir dann noch eine fetzige Geschichte, irgendwas mit Gangs und so. Aber jetzt warte ich erst mal bis die Schmerzen vergehen und die Fäden raus sind.

Ich wüsste allerdings nur zu gerne wer die OP-Schwester war.

 

 

 

 

Eine Scheidung die ist selstam

Hochzeit und Scheidung, also noch gegensätzlicher könnten die zwei Begriffe nicht sein. Eine standesamtliche Trauung ist kostengünstig, geht schnell und ist unkompliziert. Eine Scheidung dagegen ist kostspielig, nervenaufreibend und vor allem dauert es.

Am schwierigsten ist für mich, dass man den Umgang miteinander neu erlernen muss. Man ist weniger vertraut als ein richtiges Paar, aber auch vertrauter als ein Nicht-Paar. Ein merkwürdiger und komischer Zustand. Wir halten zusammen, nicht nur weil wir das im Moment noch müssen oder sollten, sondern weil wir das möchten. Wir mögen uns noch, wir machen uns Sorgen um den Anderen, aber … naja, es ist eine vollkommene neue und ungewohnte Situation für uns beide.

Sich nach Jahren wieder mit dem Vornamen und nicht mit einem Kosenamen anzusprechen war seltsam. Zumindest am Anfang. Vor allem wenn einem dann doch ein „Schatz“ aus alter Gewohnheit raus rutscht. Das ist peinlich und unangenehm. Dann rattert es in beiden Köpfen und man hofft, dass es der andere dezent ignoriert.

Wenn wir beide vorher im Mittelpunkt standen und sich außen herum in immer neuen Kreisen Familie, Freunde, Bekannte ansammelten, so bildet nun jeder seinen eigenen Mittelpunkt und der eigene Partner rutscht um einen oder vielleicht sogar zwei Kreise weiter hinaus.

Man muss also auch das Thema Privatsphäre neu überdenken. Wir platzen nicht mehr einfach so ins Bad wenn der andere gerade unter der Dusche steht oder sich umzieht. Wir gehen nicht mehr einfach so in das Zimmer des anderen, wir klopfen jetzt vorher und warten darauf, dass der andere uns hereinbittet. Wir fragen nicht mehr „mit wem hast du telefoniert“ oder „mit schreibst du gerade“.

Das ist am Anfang nicht leicht, denn man muss sich von alten Gewohnheiten trennen. Man darf sich nicht mehr als Paar sehen, als ein „wir“, es gibt ein „du“ und ein „ich“. Während jedoch der Umgang miteinander nach einer Weile gut klappt, ist das eigentliche Problem die Kommunikation nach außen, vor allem im Beisein des Partners.

Kürzlich habe ich „meine Frau“ gesagt, als meine Frau neben mir stand. Das war ihr unangenehm. Wie ich sie allerdings vor fremden Personen nennen soll, wenn ich nicht „meine Frau“ sagen darf, ja das ist mir noch ein Rätsel. Ich könnte „Frau MeinNachname“ sagen, aber das ist ja total schräg.

Kurz und knapp: Scheiden ist komisch

PS: Das ist kein Jammer-Post, sondern eher meine „objektive“ Sichtweise, was sich alles so nach und nach verändert 😉

Master of None

Master of None, Comedy Serie, Staffel eins. Prima, ging mir stellenweise richtig nahe und hat mich auch zum Nachdenken angeregt. Wo bitte ist da die Comedy, wenn ich ins Grübeln komme? Da hätte ich auch ein Buch lesen können wenn ich das gewollt hätte. Einfach kein Verlass mehr aufs Fernsehen.

1. Thema: Perfektion

Gibt es zwei Menschen, die wirklich 100% zusammenpassen und die auch Beide zu 100% glücklich sind?
Ja, dachte ich zumindest immer. Und vielleicht gibt es das auch. Aber im Grunde schwankt diese Zahl stark. Manchmal macht dich dein Partner wahnsinnig, dann sind es vielleicht 10% und dann wiederum bist überglücklich und landest bei 100%. Und die nächsten Tage sind 80%, 70% und 65%.
Sollte man also nicht froh sein, wenn einem das Bauchgefühl eine Zahl von 50% und aufwärts zugesteht?
Versteife ich mich oder besser, versteifen wir uns zu sehr darauf, den perfekten Partner zu finden? Was absurd wäre, wenn es den perfekten Partner nicht gibt oder die Wahrscheinlichkeit ihn zu finden, geringer sind als einen 6er im Lotto zu tippen.
Es wäre aber ein Verhaltensmuster, dass auch zu unserem Konsum passt. Kürzlich habe ich gelesen, weshalb Geld ausgeben nicht glücklich macht, beziehungsweise, dass es nur glücklich macht, wenn man Geld richtig ausgibt.
Nehmen wir mal den Kauf eines neuen Smartphones. Ausgehend von mir, folgen jetzt umfangreiche Recherchen, welches Smartphone den im Moment das Beste auf dem Markt ist. Meistens läuft es auf ein iPhone und einen iPhone-Killer hinaus. Das verzwickte daran ist folgendes:
Eigentlich hätte ich gerne das Samsung, aber das iPhone schneidet laut Test besser ab. Und je mehr Tests ich mir durchlese, umso unterschiedlicher fallen die Auswertungen aus und um so mehr gerate ich ins Zweifeln.
Am Ende kaufe ich mir dann das vermeintlich beste Smartphone, trotzdem nagen Zweifel an mir, ob es denn nun wirklich das Beste ist. Jetzt braucht es nur eine Winzigkeit und ich bereue meine Entscheidung am Schluss doch noch.
Kurz, es gibt kein „perfekt“. Und das ganze Vergleichen streut nur Zweifel.

2. Thema: Entscheidungen treffen

Es wurde die „Feigenbaum“-Metapher aus dem Buch „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath herangezogen. Wenn jede Feige an diesem Baum, einen Verlaufspfad meines Lebens darstellt, ich mich aber für den Verlauf nicht entscheiden kann, dann fallen die Feigen irgendwann ab und verfaulen. Willkommen in meiner Welt. Genau so bin ich.
Lieber sehe ich zu, wie sich eine Möglichkeit nach der Anderen verbaut, als dass ich mich einfach für einen Weg entscheide. Warum ist ganz klar, weil ich nicht weiß mit welchem Weg ich glücklicher werde.
Natürlich ist keine Wahl auch eine Wahl und auch ein Weg, nur werde ich damit bestimmt nicht glücklich. Aber auch das ist nicht gesagt, denn was ist glücklich?

Was wäre wenn…

 

… ich diese Zweifel hätte nie aufkommen lassen?
Habe ich mir meine Ehe selbst verbaut? Ja, vor 7 Jahren habe ich mir meine Feige (meine Frau) gepflückt, aber mich irgendwann natürlich gefragt, wie wohl die anderen Feigen schmecken.
… ich mehr Eigeninitiative gezeigt hätte?
Seit dem Thema Scheidung treibe ich apathisch dahin. Hätte ich mir etwas romantisch einfallen lassen sollen? Hätte ich für meine Ehe mehr kämpfen sollen? Was wäre passiert? Wären wir zusammen, wären wir glücklich? Wenn wir den Feigenbaum gekannt hätten und uns bewusst gemacht hätten, dass es keine 100% gibt. Vielleicht ja.