Wir lieben uns, müssen aber nicht alles verstehen

Es ist Wochenende, meine Frau ist zuhause und ich vertreibe mir meine Zeit mit Männersachen. Mit anderen Worten, ich sitze am Computer und bin über einen SSH-Zugang mit meinem Linux-Server verbunden. Oder wie sie es liebevoll anderen Leuten beschreibt: er sitzt vor seinem Monitor und schaut auf ein schwarz/weißes Fenster mit viel Text. Ja, das stimmt. Ich habe nämlich festgestellt, dass mir True Color mit seinen 17 Millionen Farben gar nicht so gut gefällt, deshalb stelle am Wochenende meinen Monitor gerne mal auf Monochrom um.
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Ganz schön haarig

Meine Frau hat schöne lange Haare, aber erst nach dem Zusammenziehen habe ich gemerkt, wie viele sie davon hat. Plötzlich finde ich überall lange Haare. Auf meinen Klamotten, in meinen Klamotten – wie zum Henker kommen die in meine Unterhose? – im Filtersieb des Wäschetrockners, auf den Sitzen im Auto. Irgendwann dachte ich mir, hmmm, sind ja ziemlich viele Haare und habe dann angefangen die Haare einzusammeln und aufzuheben. Sicherlich würde sie die alle bald brauchen wenn das so weitergeht. Kritisch habe ich wochenlang den Haarbestand auf ihrem Kopf beobachtet, konnte aber keine Anzeichen für kahle Stellen entdecken. Habe dann die Webseiten von verschiedenen Perückenmachern wieder aus meinen Favoriten im Browser gelöscht und kehrte beruhigt zum Alltag zurück.
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Hilfe, wir ziehen zusammen!!!

In jeder Beziehung kommt der Moment, an dem Beide den Wunsch entwickeln, endlich zusammenzuziehen. Es klingt romantisch, man freut sich darauf, aber Mann hat keine Ahnung, was da auf ihn zukommt.

Im Internet suche ich eine Wohnung heraus, die ausreichend Platz verspricht und nicht zu teuer ist. Als ich sie ihr zeigen will, erwartet mich bei ihr bereits ein Browserfenster, in dem gefühlt eine Millionen Tabs geöffnet sind. Mir wird klar, das kann länger dauern. Also setze ich mich hin und schaue mir alles an. Fest steht, ich suche eher pragmatisch, sie sucht eher schön. Kein Problem, wir einigen uns, ich kontaktiere die Makler und los geht die Odyssee. Die Türrahmen sind nicht schön, der Fußboden zu dunkel, das Bad zu klein, die Küche zu alt, zu wenig Tageslicht, zu viel Tageslicht, kein Balkon, Balkon zu klein, Garten der mit Nachbarn geteilt wird…. puh, ganz schön anstrengend so eine Wohnungssuche. Natürlich unterstütze ich sie tatkräftig dabei und prüfe vor jeder Wohnungsbesichtigung wie schnell unser Internetanschluss dort wäre. Vorort prüfe ich dann, wo der Internetanschluss ist und ob eine WLAN-Abdeckung für die komplette Wohnung möglich ist. Als absoluter Fachmann prüfe ich dann auch noch, ob wir Kabel- oder SAT-TV hätten. Ist auch wichtig! Wir finden eine Wohnung, die uns beiden gerecht wird und weiter geht die Reise.

Wir kaufen ein paar Möbel, ziehen um und fangen an es uns gemütlich zu machen. Das heißt für mich: Ist der Fernseher ausreichend groß für das neue Wohnzimmer, wo könnte man die Surround-Anlage platzieren und wie kann ich unser WLAN verbessern. Falscher Ansatz.
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It’s all about sex

Ok, offiziell kommt nur der Frühling, aber irgendwie läuft es auf das Gleiche raus. Gerade habe ich gelesen, dass Männer im Frühling und Sommer mehr Testosteron produzieren und wir uns dadurch wohler fühlen würden. Wirklich? .. Ernsthaft? … Muss das sein? Och nö.

Mein Körper fängt an größere Mengen Sexualhormone zu produzieren und ich habe keine Sex. Sind ja super Aussichten für die nächsten Monate. Vielleicht sollte ich einen Urlaub in Erwägung ziehen, mal gucken wo es derzeit richtig schön kalt, trist und deprimierend ist.

Ein Bekannter hat damit wohl weniger Probleme, er ist der Meinung, ich zitiere: „Wer denkt Sex sei besser als Masturbation, der hat noch nie in seinem Leben richtig masturbiert.“. Puh, ja, hmmm, was soll man dazu noch groß sagen, außer vielleicht: einer von uns macht da was verkehrt. Ich möchte mir nicht anmaßen zu beurteilen, wer von uns beiden hier was oder warum verkehrt macht. Ich habe einen Verdacht, den ich aber nicht äußern möchte ohne ihn mit Belegen zu untermauern. Und darauf bin ich jetzt nicht sonderlich scharf.

Google sagt, Lakritze senkt den Testosteron-Haushalt. Lakritze ist für mich wie Red Bull Cola. Es schmeckt komisch, man weiß nicht so recht ob man es mag, deshalb probiert man es immer wieder – eine Art Hassliebe. Zweiter Vorschlag, Alkohol. Very nice! Aber von Alkohol lasse ich die Finger, denn er bringt meine dunkle Seite hervor. Alkohol offenbart mein wahres Gesicht, eins, für das ich mich schäme. Denn wenn ich Alkohol trinke, dann werde ich furchtbar lustig und will immer Party machen. Das ist ganz schlimm mit mir. Das fand auch meine Frau, deshalb trinke ich nur sehr selten und auch dann nur unter Laborbedingungen – also zu Hause.

Jetzt wird mir aber klar, warum es immer heißt, dass Männer ständig an Sex denken würden. Ist ja klar, wenn die Natur, was auch immer sie sich dabei gedacht haben mag, mich für ein halbes Jahr mit Sexualhormonen förmlich vollstopft – an was soll ich denn dann sonst denken. Hier steht, Männer denken durchschnittlich 34 Mal pro Tag an Sex. Leider steht nicht dabei, ob diese Studie in den traurigen Wintermonaten oder den brünstigen Sommermonaten stattfand. Kann man eigentlich nur hoffen, dass es im Winter war. Ich mag mir nicht vorstellen welche exponentielle Steigerung bei einem übersteuertem Hormonhaushalt stattfinden würde. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die Teilnehmer dieser Studie Single waren. Ich wäre ja lebensmüde, wenn ich mit einem „Ich-denke-gerade-an-Sex“-Zähler herumlaufen würde, den ich immer drücken muss, wenn ich an Sex denke und zuhause meine Frau auf mich wartet. Ich gehe morgens mit „1“ aus dem Haus und komme abends mit „25“ zurück – dieser Person wünsche ich viel Spaß dabei, diesen Sachverhalt plausibel zu erklären.

Dating – erfrischend ehrlich sein!

Meine Frau hat vor ein paar Monaten gesagt, ich sei ein Blender gewesen. Ich hätte vorgegeben jemand zu sein, der ich nicht bin. Habe ich das? Bin ich ein Blender?Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Es hat mich aber verletzt und mir auch zu denken gegeben.

Meine Theorie ist, jeder blendet am Anfang, unbewusst. Denn, wenn sich jeder von uns beim Kennenlernen erst einmal von seiner schlechten Seite präsentiert, und die hat jeder, dann denke ich, wäre der Mensch bald eine Spezies, die vom Aussterben bedroht ist.

Vorbereitung auf ein Date

Das Blenden beginnt ja bereits bei der Vorbereitung auf ein Date. Zuhause trage ich etwas gemütliches, zumindest die meisten die ich kenne, in der Arbeit etwas passendes, beim Weggehen etwas schönes und beim Date etwas besonders schönes. Sowohl Männer, als auch Frauen, geben sich bei  Dates sehr viel Mühe, um ganz besonders gut auszusehen. Da wird geduscht, rasiert, eingecremt, parfümiert, geschminkt, die Haare gemacht, Klamotten durchprobiert und so weiter. Manche dieser Sachen sogar mehrfach hintereinander, wenn man unzufrieden mit dem Ergebnis ist. Und was ist mit kaschieren? – Stichwort Pickel oder Wonderbra.

Wollen wir also beim ersten Date ehrlich sein, treffen wir uns beim ersten Date direkt nach der Arbeit, ohne uns vorher zu Hause frisch zu machen. Also genauso, wie wir uns im Alltag daheim antreffen würden, wenn wir zusammen wohnen.

1. Wo findet das Date statt?

Wir gehen gemeinsam ins Kino

„Welchen Film sehen wir uns an, was hältst du hiervon? – Ja, können wir uns gerne ansehen.“ Break! Wenn wir nicht blenden wollen, kann das ganz schön anstrengend werden einen Film auszuwählen, den wir beide wirklich sehen wollen. Es setzt voraus, das aktuell wirklich ein Film läuft der uns beide interessiert.

Ehrlich wäre zu sagen, „nö, den Schauspieler mag ich nicht“, „nö, Liebesfilme finde ich doof“, „nö, der hat keine guten Bewertungen gekriegt“ oder „nö, der interessiert mich nicht“. Am Schluss stehen wir beide dann etwas ratlos vorm Kino und eine unangenehme Stille tritt ein. Aber vielleicht finden wir ja einen Film, wir gehen rein. Danach ich freudestrahlend, weil es ein richtiger cooler Film war und frag so „Boah, der war ja richtig gut der Film. Wie hat er dir gefallen?“ – „Langweilig, extrem langweilig. Der war einfach richtig schlecht gemacht“.

Wir gehen gemeinsam Essen

Man geht in schönes Restaurant, isst, trinkt, redet und genießt den Abend. Break! Aber wenn wir ehrlich sind, dann sind stellt sich die Frage, wer geht denn bitte oft in einem schönen Restaurant essen? Die meisten gehen sicherlich öfter zu McDonalds oder holen sich einen Döner. Ist doch auch schön wenn sich gegenüber sitzt und sich gegenseitig zusieht, wie man versucht einen Burger möglichst unproblematisch und viel Kleckerei zu essen. Oder einen Döner, dessen Bestandteile unentwegt versuchen nach allen Seiten abzuhauen. Klar kann das Spaß machen, die Frage ist aber, wie viele Menschen fänden das spaßig.

Wir gehen gemeinsam was trinken

Eine Cocktailbar, ein Café oder ein Weinlokal. Ein lauschiges Plätzchen an dem man sich unterhalten kann. Aber Moment! Einer von uns geht ja viel lieber in eine Kneipe, wo viel los ist, die Musik laut ist – also ehrlich sein und in die Kneipe gehen. Dann können wir uns immer vorlehnen und uns gegenseitig ins Ohr schreien.

Wenn wir also ehrlich wären, könnte sich schon die Wahl der Lokalität zu ernsthaftem Problem entwickeln. Warum also sind wir bereit, Kompromisse einzugehen und gehen vielleicht in eine Lokalität, die wir nicht so toll finden? Ganz einfach, es geht ja primär nicht darum wo man sich trifft, sondern mit wem. Und solange dieses WO nicht in eine Extreme ausartet, dann denke ich, dass das WO keine Rolle spielt und wir alle Kompromisse eingehen. Das heißt aber nicht, dass ich dieses WO deshalb von nun an regelmäßig aufsuchen will, nein, eine Beziehung heißt auch kompromissbereit zu sein und das beruht natürlich auch darauf, das beide Partner diese Kompromissbereitschaft aufbringen.

2. Unser Date läuft!

Man sitzt sich gegenüber, redet miteinander und will sich kennenlernen. Und wenn man ein paar Stunden miteinander redet, kommt sicherlich mal der Punkt, an dem jemand was blödes sagt oder was peinliches oder was langweiliges. Und was machen wir? Das Blöde ignorieren wir, das Peinliche überhören wir und das Langweilige überspielen wir. Break!

Bei dem Blöden fange ich sofort zu diskutieren an und sage, dass so nicht richtig ist. Bei dem Peinlichen mache ich ihr klar, wie peinlich das gerade ist, was von sich gibt. Bei dem Langweiligen sage ich „du, tut mir leid, aber können wir das Thema wechseln, das langweilt mich gerade total“.

Machen wir das? Nein. Wenn es wirklich unerträglich wird, dann sagen wir höflich, dass unser Date zwar sehr nett ist, aber wir uns nicht vorstellen können das was wird. Wenn es gut läuft, und wir unser Date sympathisch finden, dann sehen wir darüber hinweg. Warum machen wir das? Weil wir das bei allen Menschen so machen. Solange es in der Summe passt ist alles gut.

3. Hoppla, falsch verbunden

„Ich lese gerne und interessiere mich für Literatur.“ – „Lesen ist toll, da kann ich mich super entspannen.“. Er meint eher anspruchsvolle Literatur, sie meint Liebes-Groschen-Romane. „Ich bin ein totaler Fan von Woody Allen“ – „Den kenne ich, finde ich auch toll“ …. bis dann der erste Fernsehabend kommt. „Ich finde es wichtig, dass man sich bei den Nachrichten auf dem Laufenden hält“ – „Ja, Nachrichten schaue ich auch jeden Tag.“…. auf RTL2. Hier könnte man jetzt endlos weiter Beispiele aufzählen. Worauf ich hinaus will ist, dass wir zwar unser Interesse bekunden, aber vielleicht von unterschiedlichen Dingen sprechen. Oder unser Interesse bekunden, aber was anderes meinen.

Wir sind alle Blender. Ich weil…., keine Ahnung was ich gesagt oder getan haben mag. Aber meine Frau genauso. Rückblickend muss ich sogar sagen, dass jede Frau, die ich kennengelernt habe und mit der ich eine Beziehung eingegangen bin, mich anfangs geblendet hat.

Natürlich zeigen wir uns von unserer besten Seite. Das ist beim Dating so, das ist bei einem Vorstellungsgespräch so, das ist immer so. Wir haben uns eingeprägt, dass der erste Eindruck zählt. Und tatsächlich ist das so, wir haben das alle verinnerlicht und richten uns bewusst oder unbewusst danach. Wenn dem nicht so wäre, würde das Internet nicht mit Selfies geflutet, wo jeder versucht möglichst hübsch auszusehen und sein bestes Duck-Face in die Kamera-Linse hält.

Aber solange es in der Summe trotzdem stimmt, habe ich damit kein Problem und akzeptiere es so wie es ist.

„Eine Freude vertreibt hundert Sorgen“

Diesen Spruch lese ich zurzeit jeden Abend, wenn ich im Bett liege. Er hängt direkt gegenüber an der Wand, keine Ahnung wie er da hinkam, vermutlich war er da schon immer.
Gestern habe ich das mal auf mich wirken lassen. Kann eine Freude hundert Sorgen vertreiben? Ja, bedingt, kommt darauf an.
Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Freude und meinen Sorgen?
1. Ja, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Freude und meinen Sorgen.
Wenn ich Geldsorgen habe und gewinne im Lotto, dann vertreibt das natürlich meine Sorgen. Bin ich unglücklich verliebt, und auf einmal beruht diese Liebe auf Gegenseitigkeit, dann wird das diese Sorge, sofern man unglücklich verliebt sein als Sorge betrachtet, auch vertreiben.
2. Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Freude und den Sorgen.
In diesem Fall muss ich fragen, wie lang kann ich an dieser Freude festhalten?
2.1 kurz
Das kann ein schöner Moment im Alltag sein, wenn mir beim Einkaufen eine Frau, die attraktiv finde, ihr hübsches Lächeln zeigt. Oder wenn ich mit Freunden einen schönen Abend verbringe. Wenn ich was gelesen haben, was inspiriert. Es kann irgendwas sein, was einen Glücksmoment auslöst und mir Freude bereitet.
Das vertreibt die Sorgen aber nur solange, bis diese Freude, bzw. dieser Glücksmoment abklingt. Das kann ein Abend oder ein Tag sein. Aber dann stehen diese Sorgen wieder vor meiner Tür und bitten um Einlass.
2.2 lange
Das wäre für mich, wenn sich meine Lebenssituation dahin ändert, dass ich jeden Tag von dieser Freude überwältigt werde. Eine neue Beziehung, eine alte Beziehung, wo ein neues Feuer aufflammt. Freundschaften, Menschen, Beruf, es muss irgendwas sein, was mich täglich im Alltag aufheitert, worauf ich mich freue.
Die Konsequenz für mich lautet: Herauszufinden, was mich im Alltag glücklich macht. Meine Erkenntnis dieser Woche war, dass ich mein Leben nicht immer um Beziehungen oder anderen Menschen herum aufbauen darf. Wenn ich also etwas finden will, was mich im Alltag glücklich stimmt und meine Sorgen vertreibt, sollte das idealerweise irgendetwas sein, was unabhängig von meinen Mitmenschen ist.
Ich weiß noch nicht was es sein wird, wo es sein wird, aber ich werde so lange suchen, bis ich etwas finde.
Egal ob meine Ehe vor dem Scheitern steht oder eine Kehrtwende kommt. Ich muss mich neu orientieren, auch wenn mir das schwerfallen wird. Wenn ich so weiter mache wie jetzt, kommt vielleicht wieder der Moment, an dem ich mich vor einem Abgrund stehen sehe.
Und wenn ich ehrlich zu mir bin und in mich gehe, muss ich mir tatsächlich die Frage stellen, ob ich erst jetzt vor dem Abgrund stehe oder schon ganze Weile und nur aus Angst die Augen verschlossen habe.

Erkenntnisse dieser Woche

1. Im Selbstmitleid baden hat keinen Sinn

Wenn ich jetzt daran zerbreche, wie es ohne sie weitergehen soll, dann bringt mich das nicht weiter.

2. Ehrlich zu mir sein

Ich sage „ich liebe dich“, weil ich das immer gesagt habe. Seit 13 Tagen haben wir wenig Kontakt, schlafen getrennt, ich sage es nicht mehr und langsam weiß ich selbst nicht mehr was ich noch fühle. Die letzten Jahre habe ich immer versucht ihr alles recht zu machen, mehr auf sie als auf mich zu achten. Das war anstrengend. Und konnte ich es ihr recht machen? – nein.

3. Was will ich

a) Kinder haben
Sie will keine Kinder, wusste ich, habe ich akzeptiert. Hoffentlich werde ich das nicht irgendwann bereuen.

b) Zeit mit meiner Frau verbringen
Tja, ist sie nicht so der Fan von. Abends nach der Arbeit entspannen – gönne ich ihr. Und Wochenende haben wir uns so arrangiert, dass zumindest der Sonntagnachmittag mit ihr mir gehörte. Ganz glücklich stimmt mich das aber nicht.

4. Ich muss umdenken

Nicht die Beziehung darf die wichtigste Säule in meinem Leben sein, ich selbst muss für mich die wichtigste Säule in meinem Leben sein. Ich darf nicht immer alles abhängig von meiner Frau oder anderen Menschen machen. Auf diese Säulen habe ich keinen Einfluss und trotzdem sollen sie mein Leben aufrechterhalten? Lieber nicht.

Nach mir kommt meine Karriere, mein Beruf. Warum? Weil sich leider Geld als Währungsmittel bewährt und durchgesetzt hat. Könnte ich im Supermarkt mit bunten Kieselsteinen oder einem schönen Lehmklumpen zahlen wäre das nicht nötig, ist aber halt leider nicht so. Alleine zu sein ist doof, aber alleine und pleite stell ich mir noch doofer vor. Natürlich darf meine Ehe oder Beziehung nicht darunter leiden, aber genauso wenig darf umgekehrt der Fall eintreten. Ich kann nicht alles hinschmeißen, nur weil es privat scheiße läuft.

5. Ich wünsche mir Kinder

Hatten wir schon.

6. Wie zum Henker hat es der Typ heute im Supermarkt zu so einer Frau und einem Kind geschafft? – Rohypnol?

Alles wird schwerer

Die zwei Tage bis zu unserem Gespräch kamen mir ewig vor. Mir war bewusst, dass es kein schönes Gespräch wird, aber insgeheim hegte ich die Hoffnung, dass alles von einem Moment zum Anderen wieder wie früher wird. Ein irrationaler Gedanke, den ich versucht habe zu unterdrücken, zu verdrängen. Sonntag war es dann soweit, wir haben geredet.

Sie ist unglücklich, verzweifelt, ihre Gedanken überschlagen sich und sie weiß nicht warum. Sie kann mir nicht sagen, ob es an mir oder etwas anderem liegt, sie weiß nur, dass sie nicht mehr kann, dass ihr alles zu viel wird. Sie sagt, es ist nicht meine Schuld, sie weiß, dass ich alles für sie getan habe und tun werde, aber das macht die Sache nur schwerer für sie. Sie gibt sich für fast alles die Schuld und macht sich Vorwürfe. Was mit unserer Immobilie, den Krediten und meinem Eigenkapital passiert – sie will nicht, dass ich wegen ihr viel Geld verliere.

Auf so ein Gespräch ich nicht vorbereitet. So emotional und doch so rational, dass sie trotz der ihrer vielen Probleme, noch so viel Rücksicht auf mich nimmt – ich finde das bewundernswert. Ja, wenn wir alles überstürzen, dann enden wir nicht nur emotional, sondern auch finanziell in einem ziemlichen Chaos. Wir haben uns also emotional, aber sachlich, unterhalten, wie es weitergehen kann. Vorläufig wohnt sie weiter hier, eine zusätzliche Wohnung können wir uns nicht leisten. Sie wird viel auswärts bei Freundinnen schlafen, ich beziehe Quartier im Arbeitszimmer und nutze das Gästebad. In ein paar Monaten sollte sich unser Nettoeinkommen erhöhen, dann wird sie sich eine Wohnung suchen und ausziehen. Erst einmal für ein oder zwei Monate. In der Zeit wird es keinen Kontakt zwischen uns geben, damit sie herausfinden kann, ob sie überhaupt noch mit mir zusammen sein will. Und wenn dem so ist, nähern wir uns wieder, ganz langsam, in kleinen Schritten.

Ich fühlte mich elend, versuchte stark zu sein, ihr Mut zu machen. Habe ihr gesagt, dass wir das alles gemeinsam durchstehen, unabhängig davon wie es endet. Auch habe ich ihr gesagt, dass sie keine Schuldgefühle haben muss oder sich für irgendwas die Schuld geben muss. Ich will nicht dass sie so leidet, denn egal ob es auf das Ende unserer Beziehung zugeht, sie ist immer noch ein Teil von meinem Leben und wird auch hoffentlich immer einer bleiben – wenn vielleicht auch nicht der Wichtigste.

Im Moment versuche ich alles auszublenden, beziehungsweise, nicht ständig darüber nachzudenken. Besonders schlimm ist es abends, wenn ich ins Bett gehe, ein leeres Bett. Da überschwemmen mich die Gedanken. Und wenn ich morgens aufwache, im leeren Bett, folgt kurze Phase der Realisierung und Besinnung. Ich denke ich habe schlecht geträumt, bis mir dann bewusst wird, dass sich alles ändern wird. Das ist so schwer, ich frage mich wie lange es dauern wird, bis ich mich an diese neue Situation „gewöhne“. Gestern war sie zuhause, ich gehe am Wohnzimmer vorbei und ertappe mich für kurzen Moment dabei, wie ich abbiegen, sie kurz umarmen und küssen möchte – was ich normal getan hätte. Unerträglich dieses Gefühl.

Und dann endet ein Kapitel

Ich habe viel Vertrauen, vielleicht zu viel. Doch die vielen Andeutungen und Verhaltensänderungen haben mich argwöhnisch gemacht. Heute habe ich meinen Mut zusammengefasst und an ihrem Computer Facebook geöffnet. Sie ist auf Wohnungssuche und spricht über Scheidung. Und von einem Moment auf dem nächsten bricht die Welt in sich zusammen und ein abgrundtiefes Loch tut sich auf. In ein paar Tagen werden wir reden, momentan ist sie noch bei einer Freundin, wieder. Nun habe ich zwar Gewissheit, bin aber noch unglücklicher als vorher. In Kürze wird meine ganzes Leben auf den Kopf gestellt, denn der wichtigste Pfeiler, der alles stützt, bricht weg. Ich fürchte mich vor dem Chaos, vor dem Alleinsein. Es wird sich alles ändern und das zu akzeptieren fällt schwer. Die täglichen Abläufe werden über den Haufen geworfen. Das bestärkende Gefühl geliebt zu werden und dass dieser Mensch abends, wenn man nach hause kommt, auf einen wartet. Die Ecken und Kanten, die einen Menschen einzigartig machen, die Macken, die einen anfangs wahnsinnig machen, man aber dann doch zu schätzen und lieben lernt. Von einem Moment auf den anderen ist alles, was das Leben bereichert und lebenswert macht, weg. Es ist ein schmerzvoller Sturz, von ganz oben, nach ganz unten. Und erst, wenn man ganz unten angekommen ist, und bereit ist, diese Tatsache hinzunehmen, erst dann lässt der Schmerz nach und man fängt von vorne an.

Sicher wäre ich glücklicher, wenn alles so bleibt wie es ist. Aber ich würde jeden Tag sehen wie unglücklich sie ist, und müsste darüber hinwegsehen, es ignorieren. Es wäre eine Lüge in der ich lebe und lieber lebe ich eine Fantasie, als in einer Lüge. Ich liebe sie und lasse sie ziehen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich diese Schmerzen ertragen soll.

Ich weiß, dass ihr das alles schwer fällt. Ich weiß, dass auch sie Angst vor dem Scherbenhaufen hat. Für uns beide wird sich ein wichtiges Kapitel in unserem Leben schließen, ein Kapitel das uns verbunden und uns geprägt. Als ich sie kennenlernte war sie knapp 20, wunderschön, energisch, temperamentvoll und anders als jede Frau die bisher kannte. Ich, junger Student, und das komplette Gegenteil von ihr. Wir waren uns von Anfang an sympathisch, fanden uns interessant, aufregend und spannend. Das erste halbe Jahr unserer Beziehung war die schönste Zeit in meinem Leben. Heute sehne ich mich an diese Zeit zurück und möchte alles noch einmal erleben und noch einmal und noch einmal, diese Zeit hätte nie enden sollen. Doch es ging weiter, es folgte die erste gemeinsame Wohnung und mit der Zeit wurde alles komplizierter. Heute ist sie Mitte 20 und für ich mich immer noch der gleiche Mensch, den ich vor sechs Jahren kennengelernt habe. Aber wir haben uns beide verändert und das Interessante, Aufregende und Spannende, dass uns gegenseitig unwiderstehlich gemacht hat, ist dabei verloren gegangen.

Die Eine

Gibt es die Eine? Die Eine, nach der man sich immer gesehnt hat. Eine gibt es. Die Eine, die man nie vergisst. Die Eine, die einen sein ganzes Leben lang verfolgen wird. Es ist die Eine, die das Gefühl von erfüllender und vollkommener Liebe verkörpert. Die Eine ist dein Sinnbild der wahren Liebe. Eine Liebe, die zerbrach und deren Splitter sich in deinen Gedanken, in deinen Gefühlen und in deinem Herzen festgesetzt haben.
Es entsteht eine offene Wunde, die nie verheilt und dich immer daran erinnert, wie sehr du die Eine geliebt hast. Egal wen du kennenlernst, wie sehr du jemanden liebst, es bleibt die Eine, die du nie vergessen kannst. Auch wenn du jemanden von ganzem Herzen liebst, wird ein kleiner Teil deines Herzens immer reserviert sein für die Eine. Es gibt kein Rezept, kein Ratschlag und kein Gegenmittel. Es ist ein Gefühl, ein Gedanke, eine Sehnsucht, die sich rational nicht erklären lässt und sich gegen jede Logik wehrt. Die Zeit heilt alle Wunden, diese aber nicht. Egal wo du bist oder wann du bist, die Eine wird dich immer begleiten. Nicht die Eine selbst, sondern die Eine, die dich an die Eine erinnert. Und jedes Mal, wenn du glaubst die Eine zu sehen, dann fängt dein Herz an zu rasen und deine Gedanken überschlagen sich.
Die Eine ist echt und doch wieder nicht. Die Eine ist die Eine die kanntest, die du geliebt hast, mit der du zusammen warst. Aber die Eine ist zum Teil auch eine Lüge, eine Dichtung, eine Illusion. Die Eine entspricht dem Wunschbild von der Einen, das du im Nachhinein in ihr siehst. Eine Projektion der Einen, der du negative Eigenschaften abzogen und positive hinzugefügt hast.
Vielleicht verfolgt dich die Eine, weil sie tatsächlich die Eine hätte sein können. Sie ist deine Referenz für die Eine, die du suchst und zugleich ist sie die Eine, die dich daran hindert, die Eine zu finden.

Mann tappt im Dunkeln

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