Der frühe Vogel spaziert ins Fitnessstudio

Bin schon wieder so müde. Dieser neue Alltag ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Mein Wecker klingelt um 5:00 Uhr in der Früh, nicht weil er kaputt ist oder ich zu doof bin um ihn zu stellen, sondern damit ich spätestens um 6 Uhr im Fitnessstudio bin. Ohne abendliche Vorbereitung wäre ich aber aufgeschmissen und morgens total überfordert. Vermutlich würde ich den Espressokocher mit Eiweißpulver befüllen und meinen Proteinshake mit Kaffeepulver mixen. Schmeckt bestimmt interessant und trinken könnte man beides, aber ich bin da eher konservativ veranlagt und mag meinen Espresso gekocht und nicht unaufgelöst mit Maltodextrin durchgeschüttelt. Trotz sorgfältiger Vorbereitung kommt es immer wieder zu kleineren Pannen. Besonders meine Eiweißshaker machen mir zu schaffen. Pulver rein, Wasser darauf, zuschrauben, prüfen ob alles dicht ist … und sobald ich zum Schütteln anfange sind die überhaupt nicht mehr dicht. Aber morgendliche Rituale sind was schönes, der Mensch braucht schließlich Struktur, es würde mich also total durcheinanderbringen wenn diese Shaker bereits beim ersten Anlauf unauslaufbar verschlossen wären.

Diese Uhrzeit ist einfach optimal. Wenig los und keine Wartezeiten an den Geräten, es lässt sich also entspannt trainieren. Bei uns im Dorf konnte man, abgesehen zwischen 16 und 18 Uhr, immer entspannt trainieren, hier ist das nicht ganz so leicht, obwohl alle Geräte fünffach oder häufiger vorhanden sind. Ok, ich sag mal fast alle. Alles was man fürs Beintraining braucht gibt es nur zweimal, manchmal sogar nur einmal. Dachte erst es gibt hier sicherlich einen eigenen Raum fürs Beintraining, denn obwohl das Studio rappelvoll war habe ich niemanden auch nur eine einzige Kniebeuge machen sehen. Das kann bei einem Splittraining schon mal passieren, denn wenn Männer häufig miteinander trainieren, dann passt sich irgendwann deren Trainingszyklus aneinander an und der Leg-Day ist dann halt am Dienstag und nicht mehr am Montag. Glaube aber hier wird wie bei uns trainiert, also Bizeps, Brust und Bauch. Das bringt mich auf eine Idee, ich könnte so ein Triple-B Programm erfinden. Das Geheimnis der Schönen und Reichen: „In 5 1/2 Wochen zur Traumfigur“ – schlank und fit mit der „Deep-Focus“-Methode von MrUnbekannt.

 

Be4tz !n da Streets

Höre nun in unregelmäßigen Abständen notgedrungen Techno. Schön rhythmisch. Verwunderlich dass ich noch keine älteren Menschen gesehen habe, die dazu schunkelnd im Takt des – sich harmonisch wiederholenden – Basses klatschen. Im Grunde nichts anderes als Volksmusik oder Schlager, nur eben mit weniger Helene Fischer und dafür mit mehr DJ keineAhnungWen’sDaSoGibt. Kommt vielleicht noch, ab 2017 wird dann live auf einem öffentlich-rechtlichen Sender der Techno-Stadl übertragen. Ne, DJ-Stadl oder irgendwas in der Richtung.

Eigentlich würde ich ja viel lieber keinen Techno hören und um 2 Uhr morgens schlafen, aber das scheint die jungen Leute herzlich wenig zu interessieren. Verflucht seien diese wunderlichen – ja was sind das eigentlich – …. Lautsprecherrucksäcke, Lautsprecherbollerwagen, Folterinstrumente…. ehrlich keine Ahnung, ich kann nur sagen, diese Dinger machen einen riesen Lärm und bestimmt haben die dafür nicht mal eine GEMA-Lizenz beantragt. Können die nicht einfach, wie ganz normale Jugendliche, die ganze Nacht am Computer sitzen und irgendwelche Ego-Shooter spielen. Scheinbar nicht. Das kommt bestimmt daher, dass sie keine Mofas haben… oder Roller… oder Mopeds. Mit der Tram fahren lastet die einfach nicht aus.

Also für mich wäre das ja nichts. Bier trinken und mit zwei oder drei Freunden nachts einen Lautsprecher durch Berlin schleppen. Das hätte ich sogar als Jugendlicher total doof gefunden. Falsch, gerade als Jugendlicher hätte ich am Wochenende sowas ganz bestimmt nicht getan, denn bei uns gab es Kneipen und Discos die es mit der Alterskontrolle nicht ganz so genau genommen haben. Ne, diese Bass-Prozession, das klingt für mich nicht nach Spaß, sondern nach einer verlorenen Wette.

(Originaltitel: „83475 !n d4 5723375“ – aber wer hätte das noch lesen können)

Projekt Berlin: 1/70 Wochen geschafft

Sehr schön, die erste Woche neigt sich dem Ende entgegen. Sind dann ja nur noch 69 Wochen in denen ich mir überlegen muss, bleib ich hier oder geht’s wieder in die Heimat. In der Hinsicht bin ich wie eine Qualle:

… sie können ziemlich schnell schwimmen … Meistens lassen sie sich aber nur von der Strömung treiben. Und dabei sehen sie wunderschön aus.
Quelle: BR-Online

Ich lasse mich treiben und sehe dabei wunderschön aus. Was mich von der Qualle diesbezüglich unterscheidet, auch wenn ich mich nicht treiben lasse sehe ich super aus – aber das ist jetzt auch keine große Überraschung.

Aufgabe für die nächsten Wochen: Anschluss finden  – ich meine natürlich Menschen und nicht HDMI-Anschluss (den hab ich schon gefunden) oder sonstige Anschlüsse.

Ein ganz normaler Samstag

Panik am frühen Morgen, finde meine Sportschuhe nicht. Hektik, Chaos, wollte doch ins Fitnessstudio. Fitnessstudio, oh Mist, da könnte ich sie vergessen haben. Verflucht, hatten doch erst ein paar Jahre auf dem Buckel, noch viel zu früh um durch ein neues Paar ersetzt zu werden – vor allem wieder 40 Euro ausgeben… boah ne. Mensch was hab ich mich doch dann gefreut als ich sie im Gefrierschrank gefunden habe. Wie ein Geschenk das man sich selbst gemacht hat oder ein Wiedersehen mit jemanden den man schrecklich vermisst hat.
Um herauszufinden wie viel Schritte ich nun am Tag gehe, habe ich heute anfangen meine Schritte zu zählen. Also raus aus der Wohnungstür und dann schön 1.. 2.. 3..  das Ergebnis, so ungefähr 75 – die genau Zahl hab ich  vergessen, war aber irgendwas zwischen 70 und 80 – auf dem Gehweg war ich dann aber kurz abgelenkt und hab dann auch vergessen weiterzuzählen. Also eigentlich waren es dann wohl mehr als 75, bin ja sechs Mal durchs Treppenhaus gelatscht, hat schon was wenn man den Aufzug boykottiert. Vermerke also 6 x 75 Schritte + 2,2 Kilometer (per Pedes vom Fitnessstudio heim) + 45 Minuten die ich so gegangen bin = …. 42? 42 ist ja bekanntlich die Antwort auf alles – wird nur häufig missverstanden wen man das Alter von Mitte 20-jährigen schätzen soll.

Das bringt mich zur Frage, liegt die Unfähigkeit auf einem Smartphone zu tippen an mir als Person, am Smartphone oder an meinem Alter. Mir fehlt da ja so ein bisschen das Feedback, die Haptik, einfach die Tasten. Will ich ein „E“ wie Emil, dann tippe ich ein „R“ wie Roland (und obwohl ich Glücksrad nie mochte war das doch eigentlich immer ganz witzig), das „O“ wird zu „P“ usw. Also schön auf Löschen und das gleiche Spielchen erneut, R statt E und P statt O, also wieder Löschen und beim vierten Anlauf klappt das dann meistens doch noch, ich sag dann, ja warum nicht gleich so du blödes Smartphone, und ganz ehrlich, das finde ich so anstrengend dass ich lieber telefoniere oder meinen PC einschalte um wenigstens eine vernünftige Tastatur zur Verfügung zu haben. Hatte dann aber mal das Vergnügen meiner Kollegin beim Schreiben zuzusehen: Buchstabe, Buchstabe, Vorschlag des Handys, Buchstabe, Buchstabe, Vorschlag des Handys – richtig zackig ging das. Sollte wohl mal üben diese Autokorrektur zu verwenden, doch mir widerstrebt der Gedanke mich von einem Smartphone bevormunden zu lassen – beeindruckt und gleichzeitig fasziniert war ich allerdings schon.

Alex ist kein Mann und keine Frau, sondern ein Platz

Alex, alias Alexanderplatz, ich als alter Großstädter weiß das natürlich, aber das hat in den letzten Tagen bei Telefonaten mit der Heimat für ganz schön Verwirrung gesorgt. Alex, Alex, who the fu** is Alex und woher kennst du den denn? Ich hingegen war verwirrt als mir vor der Abfahrt ein Stadtplan, also so ein analoges Papierdings, in die Hand gedrückt wurde – damit ich mich in Berlin zurechtfinde. Ja was soll ich sagen, so ein Stadtplan ist a) unhandlich b) sobald es dunkel ist kann man auf dem Display rein gar nichts mehr erkennen und c) der GPS-Empfang ist ganz ganz schlecht – mein Standort wurde bis heute nicht gefunden, dafür ist die Akkulaufzeit ganz hervorragend – das Ding läuft und läuft und läuft.
Jedenfalls war ich heute in der Stadt – erneut!!1!! Daran könnte ich mich gewöhnen, so ruckizucki wie das geht. Heimwärts bin ich dann eine Station zu früh raus – muss mir dringend mal die Querstraße merken. Bin dann die restlichen paar Meter einfach mal gelaufen um die Nachbarschaft zu erkunden, was mich zum Frohlocken brachte, da war nämlich ein super günstiger Asiate mit Buffet (quasi mampfen bis zum Umfallen). Danach kam dann ein Massagesalon, ein Schild mit „für Massage bitte Klingeln“, ein paar attraktive Damen die Bettwäsche aufhingen und besprühten. Dachte mir dass ich mir diesen Trick unbedingt merken sollte, das spart Zeit. Wieso bin ich da eigentlich nicht von selbst darauf gekommen. Naja, man lernt eben nie aus.

MrUnbekannt teilt sein Wissen

Sitzt man auf der Toilette und schreibt nebenbei einen Einkaufszettel, dann sollte einem der Punkt „Klopapier“ zu denken geben.

Netto mit Scotti und Netto haben rein gar nichts miteinander zu tun. Auf den ersten Moment etwas verwirrend, ist aber so.
Ach ja, ob mit oder ohne Scotti, beide haben hier keinen Hengstenberg Altmeister Essig, was einige Fragen aufwirt, wie zum Beispiel: womit soll ich dann mein Salatdressing machen?
Notiz am Rande:
Wenn es schon am Essig scheitert, dann bin ich mal wirklich auf den ersten Senf-Kauf gespannt.

Merksatz: Scheiße kann noch so modern aussehen, sind aber trotzdem keine Klamotten. Äh, anders: Klamotten können noch so scheiße aussehen, sind aber trotzdem modern. Jap, das wars. Immer merken, sieht etwas total bescheuert und beknackt aus, nicht darüber lustig machen, ist dann mit großer Wahrscheinlichkeit voll modern und vermutlich ist man selbst der Oberdödel.

Plötzlich steppt der Bär zu komischen Beats

Gehe ins Fitnessstudio, komme nach zwei Stunden wieder nach Hause und finde plötzlich eine Menschenmasse vor. Dachte erst „oh, hat sich meine Ankunft also herumgesprochen, bin ja ganz schön beliebt“ – logische Schlussfolgerung, denn wer würde nicht gern Zeit mit mir verbringen. Hab dann aber festgestellt, dass hier eine Art Happening stattfindet. Ne, Google sagt das ist kein Happening, dann weiß ich auch nicht wie man das nennt, halt sehr viele Menschen die sich scheinbar spontan nach und nach versammeln und ich habe nicht die geringste Ahnung warum. Vielleicht liegt es an dem dröhnenden Bass, das wäre dann eine wunderbare Verschwörungstheorie. Gehirnimplantate und Mikrochips die durch einen hypnotisch Gewummere aktiviert werden. Ach in der Hinsicht wünschte ich mir Berlin wäre Wien, da gefällt mir nämlich die Musik deutlich besser.

Ob dieses endlose Feiern etwas mit Verdrängung zu tun hat? Das wäre mir gestern Abend auch fast passiert. Lag im Bett und hatte so den Gedanken „eigentlich bin ich ja ganz gern Single“. Ja, so schnell wird aus einem Beziehungstyp ein unverbindlich, unkompliziert und unverfänglich Typ. Dann viel mir aber zum Glück wieder ein wie schön es ist sich zu verlieben und bin nun doch wieder ein Beziehungstyp. Auch wenn ich für Beziehungen ein total unglückliches Händchen habe. Eine Reise in die Vergangenheit hat mir aufgezeigt, dass ich immer bei Frauen lande, die entweder aus komplizierten Familienverhältnissen kommen oder … ne, immer kompliziert und somit auch selbst immer etwas labil. Wenn man das nur früher merken würde. Aber mit solchen Problemen geht natürlich beim ersten Date keine hausieren, auf dieser Ebene befindet man sich erst nach frühestens einem Monat Beziehung. Ich bräuchte so einen Fragebogen, den die Dates dann beim ersten Treffen ausfüllen müssen und daraus könnte ich dann ein psychologisches Profil erstellen. Das beunruhigt mich ein bisschen.

 

Ich wär gern ein Berliner

Hatte eigentlich vor, in der ersten Woche ganz klassisch Kennedy mit seinem „ich bin ein Berliner“ zu zitieren. Daraus wird aber so schnell nix, die Meldeämter sind auf Wochen ausgebucht. Dachte da geht man hin, zieht ein Kärtchen und wartet dann einfach mal eine halbe Stunde – puh, kann bestimmt hingehen und warten, nur eben auf den Sankt Nimmerleinstag.

 

Apropos Nimmerleinstag, heute ist ja Vatertag. Scheinbar nennt man den aber auch Herrentag. Man braucht also nicht mal Kinder um sich heute richtig betrinken zu können. Stand vorhin bereits auf dem Balkon und habe Ausschau nach skurrilen Selbstbauten gehalten, also zu fahrenden Saufoasen umgebaute Fahrräder, getunte Skateboards – nada, nichts und niemand hat auch nur einen Schluck Alkohol zu sich genommen, stattdessen gehen alle joggen oder nippen Kaffee aus Papp-Bechern. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. 10 Uhr am Vormittag und bis auf die Schnapsleichen von letzter Nacht keine torkelnden Männer.

Ok, das ändert sich gerade. Sehe die ersten Kühltaschen in Richtung Park spazieren. Erscheinen mir aber teilweise etwas jung diese Väter/Herren. Klar, gibt sehr junge Väter, aber ob wirklich alle ihr Freundin in der Schule geschwängert haben… hmm. Werde mir mal die Definition von Herren raussuchen, von mir ausgehend wird man erst mit ab Anfang 30 vom jungen Mann zum Herren, allerdings werde ich immer auf 28 geschätzt, wenn ich also jetzt aussehe wie 28 und vor 2 Jahren das erste Mal ein Herr wurde, ja dann überfordert mich diese Rechnung gerade, da mein Alterungsprozess scheinbar nicht linear verläuft.

Zumindest bin ich heute mal wieder wach wach. Also nicht einfach nur wach, sondern auch so richtig wach – wach wach halt. Ist eine gefühlte Ewigkeit her seit dem ich das letzte Mal 10 Stunden am Stück geschlafen habe – so fühlt sich also frisch und ausgeschlafen an, herrlich, gefällt mir, werde ich öfter in Betracht ziehen.

Weiß aber auch woran diese erschlagende Müdigkeit lag. Erstmal die letzten Wochen extrem viel Stress und dann Berlin. Unser Gehirn schaltet in einer neuen Umgebung immer in einen Überwachungsmodus, also während die eine Gehirnhälfte schläft, lauscht und scannt die andere Gehirnhälfte unsere neue Umgebung. Verdammt gruslig ich mir das so vorstelle.

Hello Berlin und die Überquerung des Weißwurstäquators

Wohne nun seit etwas mehr als 48 Stunden in Berlin. Gefällt mir hier, auch wenn die Stadt doch deutlich lauter ist als mein schönes beschauliches Dörflein. Da war es an manchen Tagen so ruhig, dass ich zeitweilig, wenn ich mich auf einer philosophischen Irrfahrt befand, sogar die Existenz der Menschheit angezweifelt habe – ja, so etwas passiert mir hier gottseidank nicht.

Vor allem die Tram finde ich klasse. Summe dann beim Einsteigen immer „wir fahren mit der Trambahn durch die Nacht“. Wirklich unglaublich wie schnell und einfach man hier von A nach B kommt. Tram rein raus, super-günstig wohlgemerkt mit einer Monatskarte, und fertig. Vorher immer ewig mit dem Auto rum gegondelt und hier bin ich ohne Auto schneller. Wieso habe ich mir früher überhaupt ein Auto gekauft, ich hätte mir gleich ne Tram kaufen sollen. Das haut einen echt vom Hocker, oder diesen komischen Stuhl auf dem ich sitze.

Bezüglich Stuhl, die Wohnung ist schön und hübsch eingerichtet – in der Hinsicht hat sich dieses Zwischenmieterdingens schon voll gelohnt – Frauenwohnung halt. Nur merkt man das hat auch hinsichtlich der Zweckmäßigkeit. Kein Schreibtisch, hallo? Ist schon saueng auf dem kleinen Esstisch mit Monitor, Tastatur und Maus. Der Laptop musste somit auf den Boden ausweichen, ganz zu schweigen von dem Kabelwirrwarr der sich durch diese suboptimale Konstellation langsam bildet. Gravierender ist allerdings die Fehlplatzierung des Fernsehers. Klar, eine Sitzecke im lichtdurchfluteten Bereich ist gemütlich, aber halt auch absolut unpraktisch – echt hart da vernünftig Playstation zu spielen wenn man kaum was sieht. Besonders nicht wenn der Fernseher mit einem feuchten Lappen gereinigt wurde…. ich glaub das ist so ein Frauending, 1000 Reinigungsmittel im Haus aber davon kein einziges für Monitore/TV-Geräte, zum Glück hatte ich eines eingepackt, sowas muss Mann einfach immer im Haus haben. Kurz, ich brauche dringend eine Lösung um diese große Fensterfront bei Bedarf abzudunkel, das wird mich sonst das ganze Jahr über nerven – vor allem weil ich länger als ein Jahr hier wohne.

Jedenfalls sind Berliner schlanker als die Bewohner im Dorf. Ist mir die letzten Tage aufgefallen. Habe zwar keine Studie durchgeführt, aber meine gefühlte Datenerhebung und -auswertung kamen zu diesem Schluss. Liegt sicherlich an dem Mehr an Bewegung. Bei uns fährt man immer mit dem Auto. 10 km, 1km, 500 Meter – egal, ab ins Auto. Somit reine Bequemlichkeit, die sich vermutlich aus der Notwendigkeit ein Auto zu besitzen heraus ergeben hat.

Vor meiner Abreise wurde ich mehrmals gewarnt, Berliner seien unfreundlich und ruppig und rüde und und und. Ja, finde ich bisher eigentlich nicht. Habe zumindest noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, ich tendiere sogar zu einer gegenteiligen Behauptung.

Ach ja, das Berliner Kindl ist ja mal wirklich ein dufte Bier. Ich lebe zwar immer noch abstinent, nur eben nicht so konsequent abstinent wie ich keusch lebe – dummerweise wie ich anmerken möchte. Und das mit den Clubs verstehe ich jetzt noch weniger. War zwar noch nicht auf der Piste (sagt man das so?), aber irgendwie erscheint mir das alles vollkommen unlogisch und weltfremd. Man geht extrem spät weg, bekämpft die Müdigkeit mit koffeinhaltigen Szenegetränken die mit etwas Alkohol aufgegossen werden und wenn dann der Tag erwacht und man KO ist geht man in einen Chilloutbereich…. also spätestens hier sollte man doch auf die Idee kommen, nicht im Club zu chillen sondern einfach Heim ins Bett zu gehen. Ne ne, hier werde ich mir bei Gelegenheit mal eine vernünftige Bar/Kneipe suchen – keine Kneipe Kneipe, sondern halt eine normale Anlaufstelle, mit weniger Club, weniger Techno und mehr vom Tag.

 

 

Feiertagsstau: Training für das Osterei

Meine Güte, heute war die Bude wieder voll. Augenscheinlich Alibitraining, quasi Fastenzeit vergeigt und jetzt noch schnell die letzten 40 Tage des Fastens und Betens mit dem heutigen Training wieder reinholen. Anders kann ich mir das jedenfalls nicht erklären, denn die meisten der Gesichter habe ich entweder noch nie oder schon länger nicht mehr gesehen – und unser Studio ist wohlgemerkt ziemlich klein, also einfach übersehen ist sozusagen unmöglich.

Erwähnte ich bereits dass wir jedes Gerät nur einmal haben? Mensch das nervt vielleicht, zumindest an Tagen wie diesen. Ich sage nur Supersatz. Da verteile ich extra meine ganzen Klamotten die ich am Leib trage – und zusätzlich mein Handtuch – auf exakt diese zwei Geräte, damit auch ja jeder mitbekommt dass ich in den nächsten 5 bis 6 Minuten hier am Trainieren bin, dann komme ich vom ersten Supersatz zurück zu Gerät Nummer 1 und höre „dein Handtuch habe ich dir dort drüben hingelegt“. Ach Menno, und antworte „Oh danke, das ist aber nett“. Ich kann der älteren Dame einfach nicht böse sein, die macht immer so ein freundliches „Huhu“-Winken wenn ich ins Studio komme und mein „Servus“ in die Runde werfe. Vielleicht ruft sie auch laut „Huhu“, aber da ich bereits meine Beschallung im Ohr habe kriege ich so etwas natürlich nicht mit – registriere aber trotzdem wer nickt, winkt, die Lippen bewegt oder auf andere Weise in Ekstase verfällt.

Jedenfalls war heute nicht nur Würstchenparade – hätte echt gerne mal eine eigene Umkleide, das sind mir einfach zu viele Schniedel auf zu engem Raum; kleines Studio, noch kleinere Umkleide und noch klein… ach ne, das lass ich jetzt mal lieber; aber ist schon unangenehm wenn ich auf dem Weg zu meinem Spind erst mal diverse nackte Körperteile verschwitzter – äußerst behaarter – älterer Männer streifen muss; ja mal ganz ehrlich, müssen die wirklich jedes Mal in die Sauna gehen; glaube ja die kommen nur wegen der Sauna ins Fitnessstudio; für so viel verschwitze nackte Männerhaut bin ich definitiv zu prüde oder zu jung oder sexuell zu unflexibel – jedenfalls war heute auch Nippelschau. Ja, da spitzen die Männer normalerweise ihre Lauscherchen wenn sie so etwas hören. Aber ich sag mal – mööööööp. Es waren natürlich Männertitties und Männernippel. Also erzählen sollte ich das ja niemanden, erst diese neuen anstößigen Sex-Schaukel-Fitness-Ja-Was-Weiß-Ich-Was-Das-Für-Perverse-Geräte-Sind, schwitzige nackte Männerhaut, jetzt Männerbrüste. Ich trau mich da abends bald nicht mehr rein wenn das so weitergeht. Vermutlich bin ich gar kein Mitglied im Fitnessstudio, sondern im örtlichen Swingerclub und das ganze dient nur zur Tarnung. Naja, jedenfalls wanderten die Tank-Tops – da muss ich immer lachen, warum weiß ich leider nicht, aber Tank-Tops, ach du liebes Lieschen – heute immer weiter nach unten, was dann die kleinen Braunen-Dinger zum Vorschein brachte. Wieso man bereitwillig für so einen Stofffetzen 40 Euro bezahlt ist mir nicht ganz klar, bei KiK oder Takko bekomme ich für das gleiche Geld ungefähr 100 T-Shirts oder so.

Auf die „Oh ist das schwer“-Dame, laut Autokennzeichen ist sie Ende 20 – habe ich erwähnt wie klein unser Studio ist? Der Parkplatz ist auch nicht viel größer – habe ich vor ein paar Tagen auch reagiert. Wieder kam ein „oh ist das schwer“ und noch irgendwas, aber ich habe ehrlich gesagt nicht richtig aufgepasst. Wollte nicht wieder unhöflich sein, habe deshalb etwas ausführlicher geantwortet „mhm, ja, hmm, kommt mit der Zeit“. Hatte Angst dass das kein Ende nimmt und ich mich irgendwann in der Fortsetzung von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wiederfinde. Gut, um ehrlich zu sein bin ich für den Bruchteil einer Sekunde – vielleicht auch etwas länger als einen Bruchteil – in einem Tagtraum versunken und habe mich gefragt, ob ich dieser Unterhaltung etwas aufgeschlossener gegenüber stünde, wenn sie ihre Freundin – die trainierte direkt hinter ihr; hab ich erwähnt wie klein unser Studio ist? – mit ins Boot holen würde….. Wo war ich stehen geblieben, bin kurz in Gedanken abgedriftet. Ach ja, nein, änderte nichts daran. Warum eigentlich nicht. Ach ja, beide nicht mein Typ. Wobei Minus Mal Minus zu Plus wird, vielleicht wäre also nicht mein Typ und nicht mein Typ zu voll mein Typ geworden? Aber erst mal so weit kommen und dann wäre nicht mein Typ und nicht mein Typ am Ende zweimal nicht mein Typ geworden, ja da hätte ich mir dann aber ganz schön was eingebrockt, aus so einer Nummer muss man dann auch erst mal wieder rauskommen, deshalb will ich da gar nicht erst reinkommen.

Mann tappt im Dunkeln

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