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Night fever

So müde. Komme hier zu gar nichts mehr. Training, Arbeit, Schlafen, Kochen und jetzt fange ich hier auch noch an Leute kennenzulernen und mich ins Nachtleben zu stürzen. Say Whaaat…

„Can you talk to them“… ach ja stimmt, ich bin ja hier der german native speaker. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung wie ich in diese buntgemischte Gruppe von Austauschstudenten geraten bin – vermutlich habe ich wieder die Qualle gemacht, ließ  mich also einfach von der Strömung treiben und sah dabei wunderschön aus. Gekonnt und routiniert telefonierte ich also fließend auf deutsch mit der Taxizentrale – „fließend“ um 5 Uhr morgens nach einer laaaangen Nacht. Damit konnte ich zumindest der blonden Engländerin ganz schön imponieren. Sie war höchst erfreut, bedankt sich und fragt mich „Do you want some Ecstasy?“. Mensch wie nett, lehne aber trotzdem dankend ab. Ihre Freundin hat uns währenddessen mit Argusaugen beobachtet und fragt mich kurz darauf, ob ich mir die Nummer von der blonden Engländerin hätte geben lassen. Weiß nicht, hätte ich? Hatte doch schon ihre Nummer (also von der nicht blonden). Dachte das käme jetzt vielleicht nicht so gut rüber.
„Nein“ war scheinbar die richtige Antwort, denn plötzlich fing sie an sich an mich ranzuschmiegen und ich bin mir auch ziemlich sicher dass das nicht meine Hände an meinem Körper waren.

Ja, es war eine interessante Nacht. Und bin mir auch noch nicht ganz so sicher wie die Nacht hätte möglicherweise hätte enden können. Aber ich wäre auch überhaupt nicht darauf vorbereitet dass ich nicht alleine nach Hause gehe. Fängt schon damit an, dass ich wohl der einzige Berliner bin, der keine Verhütungsmittel Zuhause hat. Warum auch, bin ja in keiner Beziehung.

Gutenachtgedanken

Döner für 2.50 Euro. Wie kann Döner so billig sein? Mmmh, Döner. Nur 5 Minuten mit der Tram und ich bekäme einen leckeren Gemüsedöner. Ob der noch offen hat? Ich glaube ja nicht. Halt, mein Nachbar ist ein Döner. Aber trage schon meinen Pyjama. Pyjama-Party wäre nach meiner Definition dass alle nur ihre Retroshorts tragen – was auf eine peinliche Weise total witzig wäre. Mein anderer Nachbar trägt immer eine Badehose wenn er nackt auf dem Balkon raucht. Hat zwar nicht die Figur für obenohne, aber zumindest traue ich mich nun dank ihm ebenfalls obenohne auf den Balkon, obwohl ich eine obenohne Figur habe. Darüber freuen sich scheinbar die Huhu-Girls. Die Huhu-Girls kenne ich nicht, aber das ist mein Sammelbegriff für junge und einfach nur Frauen die „huhu“ hoch zu mir rufen. Ich dachte erst sie meinen „Uhu“, denn nebenan auf dem Balkon saß ein Großstadtpapagei, der entpuppte sich aber leider als Rabe, Krähe oder Elster. Was aber egal ist, auf den Balkon hat er mir so oder so gekackt. Es ist 00:25 Uhr, ein Pärchen knutscht wild an der Tram-Haltestelle, vermutlich erreichen sie bald die dritte Base oder die Erste oder die Zweite. Vielleicht trennen sie sich auch gerade. Eine Laterne weiter tanzt eine Brünette in Hotpants lasziv zu imaginärer Musik. Könnte allerdings auch ein Kerl sein. Das finde ich verwirrend. Die Blondine auf dem Fußgänger weg ist jedoch sicher eine Frau. Etwas kurz der Rock. Wirklich sehr kurz der Rock. Wurde vielleicht in den Rock hineingeboren. Das täte mir Leid. Ist wie mit der Familie, da wird man auch hineingeboren, nur ist die Familie kein Rock. Und in die Staatsbürgerschaft, da wird man auch hineingeboren. Und in die Kirche. Hier kann man aber ein- und austreten. Was allerdings ganz schön aufwendig ist.

Der frühe Vogel spaziert ins Fitnessstudio

Bin schon wieder so müde. Dieser neue Alltag ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Mein Wecker klingelt um 5:00 Uhr in der Früh, nicht weil er kaputt ist oder ich zu doof bin um ihn zu stellen, sondern damit ich spätestens um 6 Uhr im Fitnessstudio bin. Ohne abendliche Vorbereitung wäre ich aber aufgeschmissen und morgens total überfordert. Vermutlich würde ich den Espressokocher mit Eiweißpulver befüllen und meinen Proteinshake mit Kaffeepulver mixen. Schmeckt bestimmt interessant und trinken könnte man beides, aber ich bin da eher konservativ veranlagt und mag meinen Espresso gekocht und nicht unaufgelöst mit Maltodextrin durchgeschüttelt. Trotz sorgfältiger Vorbereitung kommt es immer wieder zu kleineren Pannen. Besonders meine Eiweißshaker machen mir zu schaffen. Pulver rein, Wasser darauf, zuschrauben, prüfen ob alles dicht ist … und sobald ich zum Schütteln anfange sind die überhaupt nicht mehr dicht. Aber morgendliche Rituale sind was schönes, der Mensch braucht schließlich Struktur, es würde mich also total durcheinanderbringen wenn diese Shaker bereits beim ersten Anlauf unauslaufbar verschlossen wären.

Diese Uhrzeit ist einfach optimal. Wenig los und keine Wartezeiten an den Geräten, es lässt sich also entspannt trainieren. Bei uns im Dorf konnte man, abgesehen zwischen 16 und 18 Uhr, immer entspannt trainieren, hier ist das nicht ganz so leicht, obwohl alle Geräte fünffach oder häufiger vorhanden sind. Ok, ich sag mal fast alle. Alles was man fürs Beintraining braucht gibt es nur zweimal, manchmal sogar nur einmal. Dachte erst es gibt hier sicherlich einen eigenen Raum fürs Beintraining, denn obwohl das Studio rappelvoll war habe ich niemanden auch nur eine einzige Kniebeuge machen sehen. Das kann bei einem Splittraining schon mal passieren, denn wenn Männer häufig miteinander trainieren, dann passt sich irgendwann deren Trainingszyklus aneinander an und der Leg-Day ist dann halt am Dienstag und nicht mehr am Montag. Glaube aber hier wird wie bei uns trainiert, also Bizeps, Brust und Bauch. Das bringt mich auf eine Idee, ich könnte so ein Triple-B Programm erfinden. Das Geheimnis der Schönen und Reichen: „In 5 1/2 Wochen zur Traumfigur“ – schlank und fit mit der „Deep-Focus“-Methode von MrUnbekannt.

 

Be4tz !n da Streets

Höre nun in unregelmäßigen Abständen notgedrungen Techno. Schön rhythmisch. Verwunderlich dass ich noch keine älteren Menschen gesehen habe, die dazu schunkelnd im Takt des – sich harmonisch wiederholenden – Basses klatschen. Im Grunde nichts anderes als Volksmusik oder Schlager, nur eben mit weniger Helene Fischer und dafür mit mehr DJ keineAhnungWen’sDaSoGibt. Kommt vielleicht noch, ab 2017 wird dann live auf einem öffentlich-rechtlichen Sender der Techno-Stadl übertragen. Ne, DJ-Stadl oder irgendwas in der Richtung.

Eigentlich würde ich ja viel lieber keinen Techno hören und um 2 Uhr morgens schlafen, aber das scheint die jungen Leute herzlich wenig zu interessieren. Verflucht seien diese wunderlichen – ja was sind das eigentlich – …. Lautsprecherrucksäcke, Lautsprecherbollerwagen, Folterinstrumente…. ehrlich keine Ahnung, ich kann nur sagen, diese Dinger machen einen riesen Lärm und bestimmt haben die dafür nicht mal eine GEMA-Lizenz beantragt. Können die nicht einfach, wie ganz normale Jugendliche, die ganze Nacht am Computer sitzen und irgendwelche Ego-Shooter spielen. Scheinbar nicht. Das kommt bestimmt daher, dass sie keine Mofas haben… oder Roller… oder Mopeds. Mit der Tram fahren lastet die einfach nicht aus.

Also für mich wäre das ja nichts. Bier trinken und mit zwei oder drei Freunden nachts einen Lautsprecher durch Berlin schleppen. Das hätte ich sogar als Jugendlicher total doof gefunden. Falsch, gerade als Jugendlicher hätte ich am Wochenende sowas ganz bestimmt nicht getan, denn bei uns gab es Kneipen und Discos die es mit der Alterskontrolle nicht ganz so genau genommen haben. Ne, diese Bass-Prozession, das klingt für mich nicht nach Spaß, sondern nach einer verlorenen Wette.

(Originaltitel: „83475 !n d4 5723375“ – aber wer hätte das noch lesen können)

Alex ist kein Mann und keine Frau, sondern ein Platz

Alex, alias Alexanderplatz, ich als alter Großstädter weiß das natürlich, aber das hat in den letzten Tagen bei Telefonaten mit der Heimat für ganz schön Verwirrung gesorgt. Alex, Alex, who the fu** is Alex und woher kennst du den denn? Ich hingegen war verwirrt als mir vor der Abfahrt ein Stadtplan, also so ein analoges Papierdings, in die Hand gedrückt wurde – damit ich mich in Berlin zurechtfinde. Ja was soll ich sagen, so ein Stadtplan ist a) unhandlich b) sobald es dunkel ist kann man auf dem Display rein gar nichts mehr erkennen und c) der GPS-Empfang ist ganz ganz schlecht – mein Standort wurde bis heute nicht gefunden, dafür ist die Akkulaufzeit ganz hervorragend – das Ding läuft und läuft und läuft.
Jedenfalls war ich heute in der Stadt – erneut!!1!! Daran könnte ich mich gewöhnen, so ruckizucki wie das geht. Heimwärts bin ich dann eine Station zu früh raus – muss mir dringend mal die Querstraße merken. Bin dann die restlichen paar Meter einfach mal gelaufen um die Nachbarschaft zu erkunden, was mich zum Frohlocken brachte, da war nämlich ein super günstiger Asiate mit Buffet (quasi mampfen bis zum Umfallen). Danach kam dann ein Massagesalon, ein Schild mit „für Massage bitte Klingeln“, ein paar attraktive Damen die Bettwäsche aufhingen und besprühten. Dachte mir dass ich mir diesen Trick unbedingt merken sollte, das spart Zeit. Wieso bin ich da eigentlich nicht von selbst darauf gekommen. Naja, man lernt eben nie aus.

Plötzlich steppt der Bär zu komischen Beats

Gehe ins Fitnessstudio, komme nach zwei Stunden wieder nach Hause und finde plötzlich eine Menschenmasse vor. Dachte erst „oh, hat sich meine Ankunft also herumgesprochen, bin ja ganz schön beliebt“ – logische Schlussfolgerung, denn wer würde nicht gern Zeit mit mir verbringen. Hab dann aber festgestellt, dass hier eine Art Happening stattfindet. Ne, Google sagt das ist kein Happening, dann weiß ich auch nicht wie man das nennt, halt sehr viele Menschen die sich scheinbar spontan nach und nach versammeln und ich habe nicht die geringste Ahnung warum. Vielleicht liegt es an dem dröhnenden Bass, das wäre dann eine wunderbare Verschwörungstheorie. Gehirnimplantate und Mikrochips die durch einen hypnotisch Gewummere aktiviert werden. Ach in der Hinsicht wünschte ich mir Berlin wäre Wien, da gefällt mir nämlich die Musik deutlich besser.

Ob dieses endlose Feiern etwas mit Verdrängung zu tun hat? Das wäre mir gestern Abend auch fast passiert. Lag im Bett und hatte so den Gedanken „eigentlich bin ich ja ganz gern Single“. Ja, so schnell wird aus einem Beziehungstyp ein unverbindlich, unkompliziert und unverfänglich Typ. Dann viel mir aber zum Glück wieder ein wie schön es ist sich zu verlieben und bin nun doch wieder ein Beziehungstyp. Auch wenn ich für Beziehungen ein total unglückliches Händchen habe. Eine Reise in die Vergangenheit hat mir aufgezeigt, dass ich immer bei Frauen lande, die entweder aus komplizierten Familienverhältnissen kommen oder … ne, immer kompliziert und somit auch selbst immer etwas labil. Wenn man das nur früher merken würde. Aber mit solchen Problemen geht natürlich beim ersten Date keine hausieren, auf dieser Ebene befindet man sich erst nach frühestens einem Monat Beziehung. Ich bräuchte so einen Fragebogen, den die Dates dann beim ersten Treffen ausfüllen müssen und daraus könnte ich dann ein psychologisches Profil erstellen. Das beunruhigt mich ein bisschen.

 

Ich wär gern ein Berliner

Hatte eigentlich vor, in der ersten Woche ganz klassisch Kennedy mit seinem „ich bin ein Berliner“ zu zitieren. Daraus wird aber so schnell nix, die Meldeämter sind auf Wochen ausgebucht. Dachte da geht man hin, zieht ein Kärtchen und wartet dann einfach mal eine halbe Stunde – puh, kann bestimmt hingehen und warten, nur eben auf den Sankt Nimmerleinstag.

 

Apropos Nimmerleinstag, heute ist ja Vatertag. Scheinbar nennt man den aber auch Herrentag. Man braucht also nicht mal Kinder um sich heute richtig betrinken zu können. Stand vorhin bereits auf dem Balkon und habe Ausschau nach skurrilen Selbstbauten gehalten, also zu fahrenden Saufoasen umgebaute Fahrräder, getunte Skateboards – nada, nichts und niemand hat auch nur einen Schluck Alkohol zu sich genommen, stattdessen gehen alle joggen oder nippen Kaffee aus Papp-Bechern. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. 10 Uhr am Vormittag und bis auf die Schnapsleichen von letzter Nacht keine torkelnden Männer.

Ok, das ändert sich gerade. Sehe die ersten Kühltaschen in Richtung Park spazieren. Erscheinen mir aber teilweise etwas jung diese Väter/Herren. Klar, gibt sehr junge Väter, aber ob wirklich alle ihr Freundin in der Schule geschwängert haben… hmm. Werde mir mal die Definition von Herren raussuchen, von mir ausgehend wird man erst mit ab Anfang 30 vom jungen Mann zum Herren, allerdings werde ich immer auf 28 geschätzt, wenn ich also jetzt aussehe wie 28 und vor 2 Jahren das erste Mal ein Herr wurde, ja dann überfordert mich diese Rechnung gerade, da mein Alterungsprozess scheinbar nicht linear verläuft.

Zumindest bin ich heute mal wieder wach wach. Also nicht einfach nur wach, sondern auch so richtig wach – wach wach halt. Ist eine gefühlte Ewigkeit her seit dem ich das letzte Mal 10 Stunden am Stück geschlafen habe – so fühlt sich also frisch und ausgeschlafen an, herrlich, gefällt mir, werde ich öfter in Betracht ziehen.

Weiß aber auch woran diese erschlagende Müdigkeit lag. Erstmal die letzten Wochen extrem viel Stress und dann Berlin. Unser Gehirn schaltet in einer neuen Umgebung immer in einen Überwachungsmodus, also während die eine Gehirnhälfte schläft, lauscht und scannt die andere Gehirnhälfte unsere neue Umgebung. Verdammt gruslig ich mir das so vorstelle.

Hello Berlin und die Überquerung des Weißwurstäquators

Wohne nun seit etwas mehr als 48 Stunden in Berlin. Gefällt mir hier, auch wenn die Stadt doch deutlich lauter ist als mein schönes beschauliches Dörflein. Da war es an manchen Tagen so ruhig, dass ich zeitweilig, wenn ich mich auf einer philosophischen Irrfahrt befand, sogar die Existenz der Menschheit angezweifelt habe – ja, so etwas passiert mir hier gottseidank nicht.

Vor allem die Tram finde ich klasse. Summe dann beim Einsteigen immer „wir fahren mit der Trambahn durch die Nacht“. Wirklich unglaublich wie schnell und einfach man hier von A nach B kommt. Tram rein raus, super-günstig wohlgemerkt mit einer Monatskarte, und fertig. Vorher immer ewig mit dem Auto rum gegondelt und hier bin ich ohne Auto schneller. Wieso habe ich mir früher überhaupt ein Auto gekauft, ich hätte mir gleich ne Tram kaufen sollen. Das haut einen echt vom Hocker, oder diesen komischen Stuhl auf dem ich sitze.

Bezüglich Stuhl, die Wohnung ist schön und hübsch eingerichtet – in der Hinsicht hat sich dieses Zwischenmieterdingens schon voll gelohnt – Frauenwohnung halt. Nur merkt man das hat auch hinsichtlich der Zweckmäßigkeit. Kein Schreibtisch, hallo? Ist schon saueng auf dem kleinen Esstisch mit Monitor, Tastatur und Maus. Der Laptop musste somit auf den Boden ausweichen, ganz zu schweigen von dem Kabelwirrwarr der sich durch diese suboptimale Konstellation langsam bildet. Gravierender ist allerdings die Fehlplatzierung des Fernsehers. Klar, eine Sitzecke im lichtdurchfluteten Bereich ist gemütlich, aber halt auch absolut unpraktisch – echt hart da vernünftig Playstation zu spielen wenn man kaum was sieht. Besonders nicht wenn der Fernseher mit einem feuchten Lappen gereinigt wurde…. ich glaub das ist so ein Frauending, 1000 Reinigungsmittel im Haus aber davon kein einziges für Monitore/TV-Geräte, zum Glück hatte ich eines eingepackt, sowas muss Mann einfach immer im Haus haben. Kurz, ich brauche dringend eine Lösung um diese große Fensterfront bei Bedarf abzudunkel, das wird mich sonst das ganze Jahr über nerven – vor allem weil ich länger als ein Jahr hier wohne.

Jedenfalls sind Berliner schlanker als die Bewohner im Dorf. Ist mir die letzten Tage aufgefallen. Habe zwar keine Studie durchgeführt, aber meine gefühlte Datenerhebung und -auswertung kamen zu diesem Schluss. Liegt sicherlich an dem Mehr an Bewegung. Bei uns fährt man immer mit dem Auto. 10 km, 1km, 500 Meter – egal, ab ins Auto. Somit reine Bequemlichkeit, die sich vermutlich aus der Notwendigkeit ein Auto zu besitzen heraus ergeben hat.

Vor meiner Abreise wurde ich mehrmals gewarnt, Berliner seien unfreundlich und ruppig und rüde und und und. Ja, finde ich bisher eigentlich nicht. Habe zumindest noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, ich tendiere sogar zu einer gegenteiligen Behauptung.

Ach ja, das Berliner Kindl ist ja mal wirklich ein dufte Bier. Ich lebe zwar immer noch abstinent, nur eben nicht so konsequent abstinent wie ich keusch lebe – dummerweise wie ich anmerken möchte. Und das mit den Clubs verstehe ich jetzt noch weniger. War zwar noch nicht auf der Piste (sagt man das so?), aber irgendwie erscheint mir das alles vollkommen unlogisch und weltfremd. Man geht extrem spät weg, bekämpft die Müdigkeit mit koffeinhaltigen Szenegetränken die mit etwas Alkohol aufgegossen werden und wenn dann der Tag erwacht und man KO ist geht man in einen Chilloutbereich…. also spätestens hier sollte man doch auf die Idee kommen, nicht im Club zu chillen sondern einfach Heim ins Bett zu gehen. Ne ne, hier werde ich mir bei Gelegenheit mal eine vernünftige Bar/Kneipe suchen – keine Kneipe Kneipe, sondern halt eine normale Anlaufstelle, mit weniger Club, weniger Techno und mehr vom Tag.

 

 

Berlin: Kurzer Besuch und

Waren ein paar Tage in Berlin. Arbeit und so. Hat Spaß gemacht. Eine Stadt die mir gefallen könnte. Allerdings etwas teuer. Für mich bisher noch nicht ganz nachvollziehbar. Siehe Cola, die schreibt sich dort überwiegend mit „K“ und hat auch nichts mit „Coca“ zu tun. Und trotz des unrealistisch astronomischen Preises, bekommt man in keinem Lokal die günstige amerikanische Variante. Sehr merkwürdig. Ein Handelsembargo gibt es jedenfalls nicht, das habe ich bereits überprüft. Ebenso unverständlich für mich, weshalb total angesagte Restaurants mit mittelmäßigen Essen, mit dafür mehr als überragenden Preisen, so angesagt sind. Bei einer Pizza noch irgendwie nachvollziehbar, Berlin ist ja von Italien doch etwas weiter entfernt als Bayern. Man sieht, bereits der Kurztrip hat einige Fragen zu Sachverhalten aufgeworfen, die für mich völlig unlogisch sind. Dann gibt es eine Bar, deren Türe verschlossen ist, die Fenster verhängt. Man denkt sich „okay, geschlossen“, will weiter gehen und plötzlich öffnet ein adrett gekleideter junger Kellner – ordentlich gescheitelt mit viel Haargel – die Pforten und gewährt Einlass. Schließt jedoch hinter uns gleich wieder ab. Da fragt man sich doch warum und ja wollen die keinen Umsatz machen, denn ist eh tote Hose hier. Wäre mehr los gewesen, wäre mir das bestimmt exklusiv vorgekommen, aber so….. Musste unweigerlich an die Traumnovelle denken, aber glaube darin kam Sex vor und Berlin war – wie alles andere derzeit in meinem Leben – doch eher sexlos. Hätte auch gut zu „From Dusk till Dawn“ gepasst, aber leider wurden wir auch nicht von sexy halbnackten Vampir-Ladies angegriffen. Dafür spazierte eine psychedelische Katze durch die Bar. Äußerst merkwürdig. Vermutlich sollte die Katze einen Zweck erfüllen, aber außer rumliegen und sich obszön zu lecken tat sie eigentlich nicht sonderlich viel. Glaube dass man den Sinn der Katze nur im Rausch erkennt. Unter übermäßigen Alkoholeinfluss erkennt man ja häufig so einiges und je eingeschränkter die Wahrnehmung, desto tiefer die Erkenntnis.

Meine derzeitige Erkenntnis nach den letzten Tagen, Berlin könnte interessant werden. Es gibt für mich aktuell zwei Szenarien: 1) Berlin gefällt mir so gut, dass ich nie wieder weg will 2) Berlin ist so doof, dass ich kein Jahr dort verbringen will. Beurteilen kann ich das noch nicht, aber eine Bekannte meinte, ich sei so der Typ „offener Mensch“ und es würde mir dort bestimmt gefallen. Das hätte mich sicherlich beruhigt, wenn das ganze nicht im Kontext ihrer Beschreibung von Berlin gefallen wäre – und diese Beschreibung erinnerte mich irgendwie an Sodom und Gomorra. Wusste nicht so genau ob das nun gut oder schlecht ist, aber fand es beunruhigend dass sie mich dort gut aufgehoben sieht. Ich muss echt dringend herausfinden welchen Eindruck ich so nach außen vermittle.

Berlin: Der Berg ruft

Ja bin ich froh dass der Prenzlauer Berg kein richtiger Berg ist. Dieser Ortsteil wurde mir nämlich empfohlen. War erst skeptisch, sah mich schon in der Neuverfilmung von Heidi in der Rolle Geissenpeter und habe passend dazu – um mich mental vorzubereiten und einzustimmen – die letzten Tage „K2 – Der Berg ruft“ in Dauerschleife gehört. Aber siehe da, der höchste Punkt im Prenzlauer Berg hat lediglich 91 Höhenmeter. Das ist ja nix. Mir fallen im Moment auch keine Berge ein, die das Wort „Berg“ mit im Namen haben. Ich bin also wieder beruhigt. Berge sind aber auch unnatürlich hoch. Auf einen Berg zu steigen hat was vom Fliegen, nur eben am Boden. Deshalb besteige ich keine Berge, oder irgendwas anderes, was allerdings wieder ein anderes Thema ist – aber ist ja auch Fastenzeit.

Soll jedenfalls ziemlich angesagt sein, deshalb Prenzlauer Berg, dit is amtlich. Ich lerne übrigens schon fleißig Berlinerisch. Wobei für mich „find ich knorke“, Klaue (unleserliche Handchrift), „kannste knicken“ und Klamotte jetzt eher zum Grundwortschatz zählen –  bin übrigens gerade bei „K“ gelandet. An der sprachlichen Barriere wird meine Integration also mal nicht scheitern. Jetzt muss ich nur noch am Klang meiner Stimme arbeiten, wir Bayern klingen dunkler und tiefer. Und das, obwohl ich kaum Dialekt rede. Habe gelesen es liegt an der Betonung, muss ich wohl mal zu einem Logopäden gehen. Wobei ich mir oft unschlüssig bin, ob das nun Umgangssprache oder Bayerisch ist. Siehe „des“ statt „das“. Die Internetforen sind sich hier unschlüssig, zumindest ist es bereits bis nach Hannover vorgedrungen. Oder Schmarrn/Schmarren – dachte immer das sei Bayerisch, aber Duden behauptet das Gegenteil. Somit wäre „des is aber a Schmarrn“, bis auf das „a“ statt „ein“ ja fast normales Deutsch. Man verwirrt mich das. Ich rede aber auch so einen Kuddelmuddel. Wenn ich meine Hunde rufe, dann sag ich meistens „kummts nei“ – was ziemlich fränkisch klingt. Dann kommt mal wieder etwas Österreichisch dazu, wenn ich etwas „pipifein“ finde oder ein Adjektiv mit „ur“ vorangestellt besonders betone – „das war ur geil“. Und wenn ich mich ärgere oder fluche, dann klassisch der Bayer.

Stellt sich außerdem die Frage der Kleidung. Wenn da lauter Hipster sind muss ich mich ja komplett neu einkleiden. Auf der anderen Seite, wenn dort lauter Hipster sind, dann ist Hipster zum Mainstream geworden und ich wäre durch meine zur Schaustellung der Gleichgültigkeit dem Mainstream gegenüber der neue Hipster. Der Hipsterhipster sozusagen. Boah das klingt anstrengend. Ich will kein Hipster sein. Wenn also dort lauter Hipster sind, dann werde ich auch Hipster, um eben kein Hipster zu sein. Das nimmt ja sonst kein Ende.