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Ich wär gern ein Berliner

Hatte eigentlich vor, in der ersten Woche ganz klassisch Kennedy mit seinem „ich bin ein Berliner“ zu zitieren. Daraus wird aber so schnell nix, die Meldeämter sind auf Wochen ausgebucht. Dachte da geht man hin, zieht ein Kärtchen und wartet dann einfach mal eine halbe Stunde – puh, kann bestimmt hingehen und warten, nur eben auf den Sankt Nimmerleinstag.

 

Apropos Nimmerleinstag, heute ist ja Vatertag. Scheinbar nennt man den aber auch Herrentag. Man braucht also nicht mal Kinder um sich heute richtig betrinken zu können. Stand vorhin bereits auf dem Balkon und habe Ausschau nach skurrilen Selbstbauten gehalten, also zu fahrenden Saufoasen umgebaute Fahrräder, getunte Skateboards – nada, nichts und niemand hat auch nur einen Schluck Alkohol zu sich genommen, stattdessen gehen alle joggen oder nippen Kaffee aus Papp-Bechern. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. 10 Uhr am Vormittag und bis auf die Schnapsleichen von letzter Nacht keine torkelnden Männer.

Ok, das ändert sich gerade. Sehe die ersten Kühltaschen in Richtung Park spazieren. Erscheinen mir aber teilweise etwas jung diese Väter/Herren. Klar, gibt sehr junge Väter, aber ob wirklich alle ihr Freundin in der Schule geschwängert haben… hmm. Werde mir mal die Definition von Herren raussuchen, von mir ausgehend wird man erst mit ab Anfang 30 vom jungen Mann zum Herren, allerdings werde ich immer auf 28 geschätzt, wenn ich also jetzt aussehe wie 28 und vor 2 Jahren das erste Mal ein Herr wurde, ja dann überfordert mich diese Rechnung gerade, da mein Alterungsprozess scheinbar nicht linear verläuft.

Zumindest bin ich heute mal wieder wach wach. Also nicht einfach nur wach, sondern auch so richtig wach – wach wach halt. Ist eine gefühlte Ewigkeit her seit dem ich das letzte Mal 10 Stunden am Stück geschlafen habe – so fühlt sich also frisch und ausgeschlafen an, herrlich, gefällt mir, werde ich öfter in Betracht ziehen.

Weiß aber auch woran diese erschlagende Müdigkeit lag. Erstmal die letzten Wochen extrem viel Stress und dann Berlin. Unser Gehirn schaltet in einer neuen Umgebung immer in einen Überwachungsmodus, also während die eine Gehirnhälfte schläft, lauscht und scannt die andere Gehirnhälfte unsere neue Umgebung. Verdammt gruslig ich mir das so vorstelle.

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