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Zwischenstand Teil 1

WordPress hat mich vor kurzem daran erinnert, dass der Anfang von allem bereits über ein Jahr zurück liegt. Echt, ist es wirklich erst ein Jahr her? Mir kommt das alles viel länger vor. Es hat sich so viel verändert, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass alles innerhalb von 365 Tagen stattgefunden haben soll.

Ich wollte meine Gedanken sortieren, meine Beziehung, meine Ehe und die daraus resultierende Trennung verarbeiten. Vielleicht fällt das nur mir auf, aber ich glaube das habe ich ganz gut hinbekommen, denn schon seit einer geraumen Weile ist jeder meiner Beiträge eine absolute Themaverfehlung.

Die größte Furcht war die Angst vor dem Alleinsein, die Einsamkeit. Heute empfinde ich oftmals genau das als wahre Wohltat und genieße es. Zeit für sich selbst haben, Zeit mit sich selbst verbringen. Ich stelle fest, dass mir das sehr wichtig geworden ist. Nachdenken, reflektieren oder einfach nur abschalten. Alltag ist Ablenkung und ich habe festgestellt, keinerlei Ablenkung ist anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber doch auch sehr erholsam und nicht selten reich an Erkenntnissen. Ich bin und war mit mir selbst noch nie so sehr im reinen wie derzeit. Das ist ein ausgesprochen angenehmes Gefühl. Nur der Sex fehlt mir dann und wann, das gebe ich ganz offen zu.

Auf meine Beziehung oder Ehe oder Trennung gehe ich kaum noch ein. Natürlich ist dieses Thema immer noch sehr aktuell, aber es gibt kaum etwas neues zu berichten. Meine Frau ist labil, manchmal wird ihr alles zu viel. An manchen Tagen kann ich sie auffangen, an manchen Tagen verkacke ich das erst mal, weil ich selbst gestresst bin und erst mal runterkommen muss. Besinne mich dann aber, mache mir klar dass es ihr nicht gut geht und bin dann für sie da – zwar nur für eine kurze Umarmung oder 10 Minuten in der ich ihr zuhöre und Verständnis zeige, aber mehr braucht sie nicht. Sie braucht einfach jemanden der für sie da ist, der ihr zeigt, dass sie nicht alleine mit allem fertig werden muss. Und genau davor hat sie Angst. Angst, dass Berlin bedeutet, dass ich vollständig aus ihrem Leben verschwinde. Das wird hoffentlich nicht passieren, denn sie war für lange Zeit der wichtigste Teil meines Lebens und das wäre auch für mich ein großer Verlust, da sie für mich in gewisser Weise noch immer eine Konstante in meinem Leben darstellt und auch Bezugsperson ist.

Time marches on

Während die Zeit für mich gefühlt stillsteht, schreitet sie in Wirklichkeit doch erstaunlich schnell voran.

Zum Bloggen konnte ich mich nicht aufraffen. Auf Trauerkloßbeiträge hatte ich keine Lust. Und wenn ich schon keine Lust zum Schreiben hatte, wer soll sich dann schon zum Lesen motivieren können.

Heute bin ich in der Stimmung, naja, auch nicht unbedingt. Aber in irgendeiner Stimmung bin ich, da ich jedoch nicht weiß in welcher schreibe ich einfach einen kurzen Beitrag.

Was gibt’s:

  1. Bin mal krank, mal gesund. Es nervt.
  2. Bin deshalb krank, da meine Nase rechts nicht richtig belüftet, deshalb entzünden sich der Hals, die Nebenhöhlen, die Ohren blablabla. Kurz, bevor die Nebenhöhlen chronisch schmerzen muss ich unters Messer. Yay! Freue mich schon darauf. Aber etwas Zeit habe ich noch.
  3. Damit mir bis dahin nicht langweilig wird, lasse ich mir jetzt aber erst mal meine Leiste richten, die habe ich mir wohl gebrochen. Yay!
  4. Habe bereits recherchiert wie es mit der Internetversorgung in den jeweiligen Krankenhäusern aussieht. Etwas beunruhigt bin ich aber deswegen schon, Netflix wird vermutlich nicht gehen.
  5. Toll, die letzten 14 Jahre nie im Krankenhaus gewesen und jetzt darf ich gleich zweimal ran. Ich werde alt 😛
  6. Apropos alt, hatte in der Zwischenzeit Geburtstag. Yay!
  7. Wie jedes Jahr an meinem Geburtstag war vorher unser Jahrestag. Doppel Yay! Wir haben beide nichts gesagt, keiner hat ihn angesprochen.
  8. Meine Frau und ich verstehen uns gut. Sie hat mir gestern eine E-Mail geschrieben, also während sie zu Hause war. Sie meinte, sie wollte es mir schon so oft sagen, aber müsste immer weinen und würde es nicht schaffen. Ihr tut alles so leid, aber für sie ist es nicht genug. Sie hat Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen, weil sie mir nicht die Liebe geben kann die ich verdient habe. Als ich das gelesen habe kamen mir die Tränen.
  9. Sie hat jetzt einen Job, hier in der Nähe. Unter der Woche schläft sie hier, am Wochenende fährt sie zu ihrer Freundin. Wir werden dass so noch eine Weile beibehalten, um finanziell zumindest etwas mehr Spielraum zu haben – d.h. bestehende negative Saldos auf Giro und Kreditkarte abbauen.
  10. Ob wir das aushalten? Ich weiß es nicht. Müssen wir aber, denn die letzten Monate war es mit nur einem oder keinem Gehalt schon etwas mehr als knapp. Zwar wäre das mit einem Schlag beim Hausverkauf aus der Welt geschafft, aber auch eine neue Wohnung kostet Kaution, ggf. Provision etc. kurz, etwas finanzieller Spielraum wäre schon vorteilhaft für uns beide.

 

Fazit: Dieses Jahr war hart und auf absehbare Zeit wird es auch nicht besser. Würde gerne die Vogelstraußtaktik anwenden und einfach meinen Kopf in den Sand stecken. Klappt leider nicht, meine Umwelt unterbricht mich ständig und verlangt meine Anwesenheit in der Realität. Realität nervt. Mir wird gerade klar, dass ich wohl doch nicht in der Schreibstimmung bin.

Gute Aber, Schlechte Aber

Ich liebe dich

Hurra!

, aber…

Oh je! Nix aber. Nach dem ersten Teil dieses Satzes kann ein „aber“ zu nichts Gutem mehr führen. Sätze die supertoll anfangen und dann um ein „aber“ ergänzt werden nehmen nie ein gutes Ende.

„Sie haben wirklich großartige Arbeit geleistet, aber es gibt da noch…“ – nö. Gibt da nichts mehr.

Hier also ihr „aber“:

ich bin nicht die Richtige für dich.

Tja, was antwortet man darauf? Indem man erst mal herausfindet wieso sie das denkt. Ich bräuchte mehr Zuwendung, eine die mehr Zeit mit mir verbringt.

Und jetzt, was antwortet man darauf? Nichts. Ich bin sehr gerne mit meiner Frau zusammen und genau das ist das Problem. Ich bin gerne mit ihr zusammen. Sie ist gerne für sich alleine. Das macht die Sache meistens kompliziert.

Ich habe also nichts darauf geantwortet.

Wir sind nett zueinander, wir verbringen etwas Zeit miteinander. Wo das Ganze hinführt weiß im Moment vermutlich keiner von uns beiden. Wenn ich Zeit mit ihr verbringe, dann holt mich oft die Vergangenheit ein. Ich ertappe mich häufig dabei, dass ich wieder ins „wir“ verfalle“. Sie ertappt mich auch dabei und weist mich regelmäßig darauf hin, dass… ja, gute Frage worauf was sie mich eigentlich genau hinweist. Es sind immer nur Andeutungen, aber es geht wohl in die Richtung dass es aktuell kein „wir“ gibt. Ok, klar gibt es ein wir. Aber kein Beziehungs-Wir. Und auch das stimmt so nicht ganz. Denn auch wenn es kein Beziehungs-Wir gibt, so haben wir beide doch noch Gefühle und … ach, super kompliziert und ich habe keine Ahnung wie ich es erklären soll.

Im Grunde haben wir die Summe aller Einschränkungen eines Single-Lebens und einer Ehe. Wir sind kein Wir, wir sind aber auch kein „ich und du“.

Dabei gäbe es auch so tolle „abers“:

Eigentlich bist du nicht mein Typ, aber ich finde dich trotzdem supersexy.
Ich bin zwar lesbisch, aber mit dir würde ich ……

Oder was mir noch viel lieber wäre:
Ich liebe dich, aber liebst du mich denn noch? Ja. -> Passt, Happyend, Abspann, schönes Lied… aber so leicht ist es dann eben doch nicht.

Außerdem stelle ich mir die Frage, hat sie recht? Und wie soll das alles funktionieren? Kann das überhaupt noch funktionieren?

Ja, nein – Aufräumen!

Kinder unlimited hat recht:

Bildschirmfoto 2015-08-13 um 22.25.13

Ich drücke mich vor der Entscheidung, versuche sie aufzubschieben, am Besten für immer. Was keinen Sinn ergibt, denn mein Zögern kommt einer Entscheidung gleich. Wenn meine Frau noch Hoffnung hat, dann wartet sie auf ein Zeichen von mir, dass ich für sie kämpfe und sie überzeuge (auch hier bediene ich mich aus den Kommentaren von KU).

Ich schaffe das aber im Moment nicht. Beziehungsweise, ich denke ich würde es schaffen und auch überzeugend sein. Jetzt kommt allerdings das ABER:

Wenn ich mir nicht sicher bin und das jetzt nur mache um unsere Ehe zu retten, wo wird uns das hinführen? Mit etwas Glück in eine positive Zukunft, mit etwas Pech reiße ich uns noch tiefer in den Abgrund.

Meine Frau sagte vor zwei Tagen, dass ihr das alles nicht leicht falle. Ich sagte zu ihr, dass ich das wüsste und ich diesen Schritt aus eigener Kraft nie in die Wege geleitet hätte. Das wusste sie, denn sie meint das Alleinsein fiele mir schwer und ich würde Veränderungen scheuen. Ich weiß dass sie recht hat. Aber einen Punkt hat sie vergessen und der wiegt viel schwerer: Ich hätte Angst gehabt sie zu verletzen und hätte deshalb geschwiegen.

Sie hat nun den Stein ins rollen gebracht, wartet vielleicht darauf herauszufinden was passiert oder hat bereits etwas entschieden. Wenn sie wartet, dann stehe ich nun wieder vor dem Problem dass ich ihr nicht wehtun möchte. Wenn sie nicht mehr wartet, dann.. dann.. ja dann, bin ich im Moment auch etwas ratlos.

Denn dann stelle ich mir die Frage, wie wird ein Leben ohne sie? Meine Frau meinte, diesbezüglich hätte ich ja nun ausreichend Erfahrung sammeln können in den letzten Monaten. Tatsächlich? Wenn ein Leben ohne meine Frau darin besteht, dass ich immer noch ihre Wut abbekomme und mich nicht treffen kann mit wem ich will, dann können wir die Ehe auch einfach weiterführen. Denn dann sehe ich darin, abgesehen davon dass sie frei ist und mir keine Rechenschaft mehr schuldig ist, zumindest für mich keinen Unterschied.

Sie vermittelt mir sehr überzeugend dass die Ehe in ihren Augen gescheitert ist. Vielleicht habe ich das aus Selbstschutz akzeptiert und stimme nur deshalb zu. Erwartet sie von mir nun Liebe und Interesse, dann muss ich gewillt sein und versuchen diese Gefühle wieder zuzulassen. Ob das klappt weiß ich nicht, im Moment wehre ich mich dagegen. Wobei wehren nicht zutreffend ist. Ihre Worte von Vorgestern – dass sie sich Kinder mit mir nie hätte vorstellen können und sie bereits den Heiratsantrag ablehnen wollte – mich wirklich verletzt haben und ich, selbst wenn ich wollte, mich derzeit einfach nicht zu ihr hingezogen fühle – selbst das freundschaftliche Verhältnis kostet mich Überwindung.

Und wieder beginne ich mich im Kreis zu drehen. Ob das Chaos jemals ein Ende nimmt, ich hoffe es.
Ich kann keine Entscheidung treffen solange ich nicht weiß, ob diese Entscheidung sie verletzen würde. Und wenn ich es weiß, dann hat sie mir vielleicht die Entscheidung bereits abgenommen.

Was würde helfen? Ich weiß ES nicht.

Tage wie diese

Anstrengend, mehr kann man dazu nicht sagen. Habe mit Krafttraining angefangen, war laufen, war einkaufen und habe vorzügliche „Rote Linse – Falafel“ gemacht. Toller Tag, bis der Abend kam.

Muss es immer gleich ablaufen? Feierabend, Frau kommt heim. Arbeit war furchtbar, wie immer. Kann ich nachvollziehen anhand ihrer Geschichten. Aber wieso muss ich immer darunter leiden? Das ist mir nicht ganz klar.

Das Gespräch beim Abendessen war nicht sonderlich erbaulich. Meine Startup-Geschichte geht ihr total auf die Nerven. Wäre mir ganz recht wenn sie dann mal aufhören würde danach zu frage, sie würde es nicht nerven und meine Nerven blieben verschont. Wieso ich nicht weiß ob dies oder das und jenes klappen wird, na, weil ich das im Moment nicht sagen kann. Sie sagt, ich brauche einen Job, mich über unser Unternehmen einzustellen hat sie ziemlich aufgebracht, da mein Gehalt erstmal nicht sonderlich hoch wäre.
Gut, ich such mir einen Job, werde aber dann vermutlich einen Zweitwohnsitz brauchen. Kurzer Wutanfall ihrerseits. Ich soll mir einen Job suchen wo ich keinen Zweitwohnsitz brauche oder pendeln. Als ich meinte, dass die Jobs, die mir gefallen doch eher weiter weg sind folgte dann der letzte und zugleich heftigste Wutanfall. Das Leben ist kein Wunschkonzert, ich soll einfach nehmen was ich kriege. Das ist doch mal eine Ansage. Wenn sie nen doofen Job hat der ihr nicht gefällt, dann kann ich mir doch auch so einen suchen.

Man merkt, ich bin eben noch verheiratet. Das sind so die Momente, in denen ich mich wieder über ihre Abreise freue und hoffe, dass das mit der Wohnung bald klappt. Hält ja kein Mann aus.

2434

Sitze seit mehreren Stunden am Computer. Komme nur langsam voran. Social Media lenkt mich ab. Im Grunde keine Ahnung, was ich mache, was ich suche. Zeit totschlagen. Totschlagen, wofür? Damit ich morgen aufstehen und noch mehr Zeit totschlagen kann. Berufswahl: Zeittotschläger.

Auf Regen folgt Sonnenschein. Ich warte einfach. Ich warte darauf, dass der Platzregen nur noch ein Nieseln ist. Dass die Wolken sich lichten, die Sonne durscheint und vielleicht erblicke ich sogar einen Regenbogen.

Was war, was wird, ich weiß es nicht. Ich weiß, es sind bis heute 2434 Tage gewesen. Ich weiß, es werden noch einmal ungefähr 18000 Tage auf mich zukommen.

In den letzten Monaten haben wir uns immer weiter voneinander entfernt. Wir leben uns von Tag zu Tag immer weiter auseinander. Und je mehr Tage vergehen, umso weniger kann ich mir vorstellen, dass eine Möglichkeit besteht, dass wir gemeinsam glücklich werden.

Eine Woche empfinde ich so und dann ändert sich schlagartig wieder alles. Vielleicht habe ich nur Angst vor der Zunkunft, vor der Ungewissheit, vor all den Veränderungen, die damit einhergehen. Routine ist mir wichtig, aber die Routine existiert nicht mehr. Die Veränderungen treten bereits ein, werden inzwischen zum Alltag. Es gibt kurze Momente des Vergessens, wenn sie zum Beispiel morgens in die Küche kommt und ich ihr in alter Gewohnheit bereits einen Kaffee eingelassen habe. Für einen Augenblick möchte ich auf sie zugehen, sie in die Arme nehmen. Schrecke dann aber zurück und besinne mich.

Ich mag ihr Temperament, frage mich aber auch, ob uns dieses nicht letztendlich zum Verhängnis geworden ist. Sie hat ein Problem damit, ihre Launen und Wutausbrüche zu kontrollieren. Es reichen oft Kleinigkeiten und sie rastet völlig aus, dann ist Vorsicht geboten, denn in diesen Momenten ist sie nicht mehr sie selbst. Sie sagt die verletzensten Dinge oder wirft mit den nächsten greifbaren Gegenständen um sich. Nach ein oder zwei Stunden beruhigt sie sich wieder. Trotzdem ist das immer sehr anstrengend.

Sie ist mir nach wie vor wichtig. Aber eine Beziehung, ich weiß es nicht. Habe ich früher ihre Launen wegstecken können, merke ich jetzt, dass ich es nicht mehr kann und auch nicht mehr möchte. Vielleicht ändert sich das, wenn sie ihre eigene Wohnung hat. So ganz glaueb ich es aber nicht, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich in ihrer Wohnung vergesse die Geschirrspülmaschine einzuschalten und wenn sie einen schlechten Tag habe gehts los. Und das mit der eigenen Wohnung ist für mich auch so eine Sache. Mir gefällt dieser Gedanke nicht. Partnerschaft, Beziehung, Ehe, wie man es auch nennt, aber ich bin ehrlich, ich verbringe gerne Zeit mit meiner Partnerin. Wir müssen uns nicht jeden Tag auf der Pelle sitzen, aber wenn ich abends in Bett gehe und weiß, dass dort jemand liegt, den ich liebe und der mich leibt, dann ist das für mich das größte Glück.

Welchen Weg muss einschlage um glücklich zu werden? Gibt es diesen Weg überhaupt im Moment, er taucht diese erst in ein paar Jahren auf? So viele Fragen, so wenige Antworten.

How to make things more complicated

Wordpress öffnen, Titel eingeben, 30 Minuten nach einer musikalischen Begleitung suchen – habe mich heute für Kasabian entschieden. „Auseinandergehen ist schwer“ von Wanda wäre zu einfach gewesen.

Meine Frau ist unterwegs, muss von Dienstag bis Freitag in einer anderen Filiale arbeiten. Aufgrund der größeren Entfernung, hat sie dort eine Unterkunft. Irgendwie war das eine Erleichterung, denn ihre Anwesenheit zieht mich durch ihre schlechte Stimmung, immer noch weiter runter. Darauf kann ich im Moment getrost verzichten.

Außerdem war heute der Friseur im Haus, hat also ganz gut gepasst, dass meine Frau nicht da war. Natürlich ist der Friseur eine Friseurin.

Früher war sie die Friseurin meiner Frau, wurde dann eine gemeinsame Bekannte und da sie auch Hunde hat, sind wir früher oft zusammen unterwegs gewesen.

Jetzt ist sie also meine Friseurin. Sie kommt wie früher mit ihren Hunden, nur halt nicht einfach so, just for fun, was früher der Fall war, sondern nur um mir die Haare zu schneiden. Das war am Anfang etwas komisch, vermutlich für sie auch etwas unbehaglich – zumindest hatte ich diesen Eindruck. Haare schneiden, Kaffee austrinken und etwas verlegen rumsitzen.

Heute/gestern war das irgendwie anders. Sie kam vorbei, Haare, Kaffee, fuhr kurz zu einem anderen Kunden, ließ ihre Hunde da, kam wieder, trank Smoothie und blieb noch über eine Stunde mit mir auf der Terasse sitzen. Es war einfach angenehm, entspannt.

Sie lachte, sie lächelte, fast so als wäre sie im Moment gern da und würde die Zeit ebenso genießen wie ich. Dass sie zwei Stunden Zeit mit mir verbracht hat war komisch, auch dass sir mir etwas auf dem Handy zeigte und wir deshalb eng beisammenstanden.

Vielleicht haben wir es geschafft, unsere Freundschaft beizubehalten, auch wenn meine Frau nicht anwesend ist. Wieso brauchen wir dann aber immer einen Friseurtermin, um uns zu sehen? Vielleicht war es Pflichtgefühl, weil ich ihr vor kurzem kostenlos den Computer repariert habe. Hätte sie mir in dem Fall aber nicht einfach einen Geldschein in die Hand drücken können?

Sie ist jung, Anfang 20, dunkelhaarig, attraktiv und genau mein Typ – also jetzt nicht wegen dem Alter. Sie ist mir sympathisch, etwas zu sympahtisch. Und, dass ich heute einen Hauch von Parfüm an ihr wahrnehmen konnte, macht die Sache nicht besser.

Es war ein schöner Nachmittag, aber auch schlechter. Jetzt komme ich mir vor wie ein Teenager, der für ein Mädchen schwärmt. Ich bin verheiratet, sie seit drei Jahren in einer Beziehung. Noch komplizierter könnte es kaum werden.
Auch wenn mehr als nur Freundschaft dahinter stecken sollte, wir werden es nie herausfinden. Sie wird nichts sagen und auch nicht handeln, denn sie denkt, ich stecke in einer intakten Ehe. Und ich werde die Füße ebenfalls stillhalten, denn irre ich mich und handle aus einem Impuls heraus, ist die Freundschaft dahin.
Und ja, die Option „Ehe retten“ habe ich inzwischen wieder abgeschrieben. Ist meine Frau Zuhause, schafft sie es in kürzester Zeit, jede Illusion von „da ist noch was zu retten“ bei mir zu zerstören und zeigt mir deutlich, warum das für mich nicht funktionieren kann, auch wenn ich es mir immer wieder wünsche. Ihre Launen sind einfach unerträglich, wie ging das nur so lange gut?
Und ja, auch wenn Ehen untastbar sind, Beziehungen sind es nicht. Eine intakte Beziehung hält einem Flirt stand, würde ich durch eine Annährung ihre Beziehung „sabotieren“, ist das zwar „arschig“, aber im Grunde wäre es dann nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich diese Beziehung selbst „sabotiert“.

Morgen teils bewölkt

Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage. Die Schlechten häufen sich, die Guten halten sich fern.Samstag hoch, Sonntag tief, Montag tief.Mal gibt sie mir ein gutes Gefühl, dann begegnet sie mir abweisend, ist launisch und gereizt.

Stünde unsere Ehe, unsere Beziehung, unter anderen Umständen, unter einem besseren Stern? Vielleicht in einem anderen Land, in einer anderen Kultur, in einem anderem Leben?

Der Alltag, die Arbeit, ist ihr Problem. Ausbildung die Zweite, bald abgeschlossen. Perspektive? Der Druck staut sich, das Arbeitsklima ist eine Katastrophe. Frauen, die sich gegenseitig zerfleischen. Jeder Arbeitstag ein Horror für sie.

Sie arbeitet gerne. Sie hat kein Studium, aber ihr traue ihr mehr zu, als vielen meiner früheren Studienkollegen. Sie ist ehrgeizig, diszipliniert und sie lernt schnell dazu. Man kann sich auf sie verlassen, denn sie übernimmt Verantwortung, denkt mit und gibt immer 100%.

Aber ohne höheren Schulabschluss oder Studium, ist das alles nicht so einfach. Bei Bewerbungsmarathons kommen in der Regel nur Absagen oder gar keine Antworten. Zusagen für Vorstellungsgespräche bieten dann Zeitarbeitsfirmen an, die mal eine Woche hier und mal eine Woche da hin schicken.

Das ein oder andere Mal, bieten diese Firmen ihr dann eine Übernahme an, aber zu Stundenlöhnen wie 6,50 € brutto.

Ich würde ihr gern ein Leben ermöglichen, das sorgenfrei ist. Sie hätte es verdient. Ihre Kindheit und Jugend war nicht leicht. Eltern getrennt, Mutter eher auf den Sohn fixiert. Sie wollte auf die Realschule, aber die Mutter sagte zu teuer und außerdem bräuchte sie das nicht. Mit 14 oder 15 zog meine Frau aus, arbeitete und verdiente sich ihr Geld selbst um sich in einer WG einzumieten.

Sie ist zäh und sie ist selbstständig, das habe ich immer an ihr bewundert. Sie boxt sich immer durch, egal wie ungerecht das Leben zu war oder ist.

Ich frage mich nur, ob vielleicht alles anders wäre, wenn sie einfach sorglos sein könnte. Halbtags oder gar nicht arbeiten. Irgendwie auch meine Schuld, diese dumme Idee mit Startup. Habe ich damit meine Ehe ruiniert? Auf der anderen Seite, ich werde nicht jünger und entweder klappt das oder nicht. Aber mit 45 Jahren werde ich sicherlich keine Lust mehr haben, mich nebenberuflich auf solche waghalsigen Abenteuer einzulassen. Irgendwann muss auch mal gut sein.

Schwierig.

Die letzten Tage

Die Tage ziehen sich hin. Alles ist anstrengend. Möchte gerne Pause drücken, finde nur keinen Knopf dafür. Leben ist eben keine Fernseh-Soap, auch wenn ich es gerade als genauso empfinde.

Bräuchte einen Sextanten, der mir die richtige Richtung weist. Auch den konnte ich bisher nicht finden.

Empfinde zurzeit alles ein wenig surreal. Aussitzen, warten bis die neue Realität ins Bewusstsein vordringt.

Sagte ihr, dass ich uns noch nicht abgeschrieben habe. Obwohl ich sie nicht bedrängt habe, wirkte sie doch bedrängt. Sagte ihr, dass ich keine Reaktion oder Antwort von ihr erwarte, sie es einfach nur wissen soll. Okay, gefolgt von mehr Distanz.

Heute war sie kurz Zuhause. Alles komisch. Wir reden vertraut, sie umarmt mich und fährt wieder fort.

Gehe jeden Tag Laufen. Fragen kommen auf, wieviel ich noch abnehmen will. Völlig unerheblich. Laufen ist der Höhepunkt meines Alltags, ich freue mich darauf. Nicht stehen bleiben, vorwärts, immer weiter. Müde, schwere Beine, durchhalten, nie aufgeben.

Aufgeben liegt mir nicht, habe ich nie und werde ich nie. Ehrgeiz und Motivation. Wird das reichen?

Vegan und Sport, sie ist skeptisch. Fragt sich warum, für wen. Für mich.

In der Vergangenheit war nicht immer alles leicht. Im Leben gibt es Hürden, die schwer zu bewältigen sind und die uns vor scheinbar unlösbaren Aufgaben stellen. Doch um ehrlich zu sein, so ratlos wie im Moment war ich nie.

Durchhalten und auf einen leuchtenden Stern am Horizont warten, dann die Reise fortsetzen.