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Diät

Ein tolles Diagramm ist das geworden. Zumindest wenn man mal von der Lücke zwischen dem 5.5. und dem 14.5. absieht. Habe es mit meinem Trainings-/Ernährungstagebuch ziemlich schleifen lassen. Dieser blöde April hat mich da ganz schön zurückgeworfen. Unregelmäßig trainiert und unsauber gegessen. Und die ersten zwei Wochen in Berlin waren nur bedingt besser, zumindest das Training lief wieder nach Plan.

 

Unsauber heißt übrigens, dass mir mein Ernährungsplan sowas von schnuppe ist und ich einfach alles in mich reinstopfe worauf ich gerade Lust habe. Das muss nicht unbedingt ungesund sein, eine Familienpackung Vollkorn-Sandwich-Toast, Quark und ein Glas Nutella zum Abendessen deckt eigentlich eine ganze Palette an gesunder Nahrungsmittel und Nährstoffe ab: Cerealien, Milch, Nüsse, Mehrfach gesättigte Fettsäuren, einfach hungrige Fettsäuren, Eiweiß und und und. Cerealien habe ich übrigens schon lange nicht mehr gelesen und verwende das Wort eigentlich auch nie, aber heute habe ich einen Fertig-Salat im Prospekt gesehen, der wie folgt beschrieben wurde: Zwischenmahlzeit mit leckeren Cerealien im Shaker. Großartig! Kopfsalat, Tomaten, eine handvoll Roggen und ein paar Brösel Dinkel – zack fertig ist der Mittags-Snack.

Es läuft nun also wieder nach Plan, ich musste nur meine Gelüste in den Griff bekommen. Die werden nun hauptsächlich mit Tomaten gestillt. Das sind sozusagen meine neuen Snacks wenn ich noch Hunger habe oder einfach was knabbern will. War also nur wichtig dass mein Kühlschrank die ausreichenden Mengen an Tomaten beinhaltet- außerdem sicherheitshalber etwas mehr Hüttenkäse und Quark.

Habe nur Angst dass ich jetzt schmächtig und dürr werde. Hole nun deshalb beim Wiegen regelmäßig das Maßband aus dem Schrank und messe akribisch meine verschiedenen Körperpartien. Glücklicherweise scheint hauptsächlich der Bauch straffer zu werden. Kraftverlust konnte ich auch noch keinen verzeichnen. Das ist schon mal gut, muss also weiterhin in Fitnessstudio gehen um das zu kontrollieren.

Wieso habe ich eigentlich keinen vernünftigen Spiegel in der Wohnung. Deko-Spiegel… was will ich denn damit, darin sehen kann ich mich nur mit Verrenkungen und nicht mal dann vollständig. Da baue ich mir doch lieber ein Deko-Fenster. Schön vor die Wand ein nettes Fenster, das kann ich dann jeden Tag öffnen und muss dabei nicht mal die Wohnung lüften. Und der Spiegel im Bad ist auch eher minimalistisch ausgefallen. Hat mich eine Stunde meiner wertvollen Lebenszeit gekostet innerhalb der Wohnung einen Platz für mein Smartphone zu finden, auf dem ich bei vernünftigem Licht ein halbnackt Selfie mit Selbstauslöser machen kann. Super unpraktisch.

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Duftbaum

22:20 Uhr, verlasse flotten Schrittes das Fitnessstudio. Wobei flott für schleppend und Schritt für Humpeln steht. Somit schleppte ich mit humpelnd leise stöhnend zur Tram. Hatte ursprünglich vor einen abendlichen Spaziergang nach Hause zu machen, aber dieser Kiez außerhalb des Prenzlauer Bergs ist mir suspekt. Genau genommen ist mir ganz Berlin noch etwas suspekt, aber alles was entgegengesetzt der Mitte ist, ist mir noch um ein vielfaches suspekter. Außerdem war Beintraining angesagt, danach will ich mich eigentlich nur noch sofort und auf der Stelle hinlegen. Aber da alle Hantelbänke im Studio besetzt waren ging das halt nicht. Musste also leicht verschwitzt mit der Tram fahren – aber immerhin hatte ich ein frisches T-Shirt dabei. Sah in Gedanken schon, wie ich isoliert in der Mitte der Tram stehe und sich trotz völliger Überfüllung ein Sicherheitsabstand von mehreren Metern um mich herum bildet. Keiner sagt was, aber alle verziehen das Gesicht, drehen sich weg und versuchen nicht zu atmen. Kam dann nur zum Teil so. Die Tram war fast leer, aber es bildete sich in der Tat ein Sicherheitsabstand und die Leute versuchten nicht durch die Nase zu atmen. War aber nicht ich der da so vor sich hin müffelte. Im Gegenteil, ich wirkte wie eine frische Frühlingsbrise und die Leute schmiegten sich an mich um kurz aufatmen zu können. Ja, das bin ich, ein wandelnder, gut aussehender, athletischer, attraktiver Wunder-BaumMann, erhältich in der Duftrichtung „Jean Paul Gaultier“ und „Paco Rabanne“. Aus biologischen Anbau und zu 100% ökologisch wiederverwertbar – mehrfach ausgezeichneter Testsieger, Prädikat „sehr gut“ und „unglaublich“. Sicher wird sich bald ein Link viral in den sozialen Medien verbreiten „Ihr werdet es nicht glauben welchen Wunder-Mann ihr hier seht“. Wer dem Link folgt sieht ein verwackeltes Smartphone-Video  und ein unscharfes Foto, welches mich zeigt wie ich versuche mich aus einer Menschentraube zu lösen, es mir aber nicht gelingt, da sich die Hände unzähliger, mir völlig fremder, Menschen in mein Shirt einklammern und mich zurück in ihre Mitte holen. Dann folgen Beiträge mit minutenlangen Videos in denen im Hintergrund ein Bild von mir mit Sonnenaufgang zu sehen ist, mit tiefgründigen und inspirierenden Texten, die eine Aneinanderreihung meiner Zitate und Weisheiten sind.

Der frühe Vogel spaziert ins Fitnessstudio

Bin schon wieder so müde. Dieser neue Alltag ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Mein Wecker klingelt um 5:00 Uhr in der Früh, nicht weil er kaputt ist oder ich zu doof bin um ihn zu stellen, sondern damit ich spätestens um 6 Uhr im Fitnessstudio bin. Ohne abendliche Vorbereitung wäre ich aber aufgeschmissen und morgens total überfordert. Vermutlich würde ich den Espressokocher mit Eiweißpulver befüllen und meinen Proteinshake mit Kaffeepulver mixen. Schmeckt bestimmt interessant und trinken könnte man beides, aber ich bin da eher konservativ veranlagt und mag meinen Espresso gekocht und nicht unaufgelöst mit Maltodextrin durchgeschüttelt. Trotz sorgfältiger Vorbereitung kommt es immer wieder zu kleineren Pannen. Besonders meine Eiweißshaker machen mir zu schaffen. Pulver rein, Wasser darauf, zuschrauben, prüfen ob alles dicht ist … und sobald ich zum Schütteln anfange sind die überhaupt nicht mehr dicht. Aber morgendliche Rituale sind was schönes, der Mensch braucht schließlich Struktur, es würde mich also total durcheinanderbringen wenn diese Shaker bereits beim ersten Anlauf unauslaufbar verschlossen wären.

Diese Uhrzeit ist einfach optimal. Wenig los und keine Wartezeiten an den Geräten, es lässt sich also entspannt trainieren. Bei uns im Dorf konnte man, abgesehen zwischen 16 und 18 Uhr, immer entspannt trainieren, hier ist das nicht ganz so leicht, obwohl alle Geräte fünffach oder häufiger vorhanden sind. Ok, ich sag mal fast alle. Alles was man fürs Beintraining braucht gibt es nur zweimal, manchmal sogar nur einmal. Dachte erst es gibt hier sicherlich einen eigenen Raum fürs Beintraining, denn obwohl das Studio rappelvoll war habe ich niemanden auch nur eine einzige Kniebeuge machen sehen. Das kann bei einem Splittraining schon mal passieren, denn wenn Männer häufig miteinander trainieren, dann passt sich irgendwann deren Trainingszyklus aneinander an und der Leg-Day ist dann halt am Dienstag und nicht mehr am Montag. Glaube aber hier wird wie bei uns trainiert, also Bizeps, Brust und Bauch. Das bringt mich auf eine Idee, ich könnte so ein Triple-B Programm erfinden. Das Geheimnis der Schönen und Reichen: „In 5 1/2 Wochen zur Traumfigur“ – schlank und fit mit der „Deep-Focus“-Methode von MrUnbekannt.

 

Feiertagsstau: Training für das Osterei

Meine Güte, heute war die Bude wieder voll. Augenscheinlich Alibitraining, quasi Fastenzeit vergeigt und jetzt noch schnell die letzten 40 Tage des Fastens und Betens mit dem heutigen Training wieder reinholen. Anders kann ich mir das jedenfalls nicht erklären, denn die meisten der Gesichter habe ich entweder noch nie oder schon länger nicht mehr gesehen – und unser Studio ist wohlgemerkt ziemlich klein, also einfach übersehen ist sozusagen unmöglich.

Erwähnte ich bereits dass wir jedes Gerät nur einmal haben? Mensch das nervt vielleicht, zumindest an Tagen wie diesen. Ich sage nur Supersatz. Da verteile ich extra meine ganzen Klamotten die ich am Leib trage – und zusätzlich mein Handtuch – auf exakt diese zwei Geräte, damit auch ja jeder mitbekommt dass ich in den nächsten 5 bis 6 Minuten hier am Trainieren bin, dann komme ich vom ersten Supersatz zurück zu Gerät Nummer 1 und höre „dein Handtuch habe ich dir dort drüben hingelegt“. Ach Menno, und antworte „Oh danke, das ist aber nett“. Ich kann der älteren Dame einfach nicht böse sein, die macht immer so ein freundliches „Huhu“-Winken wenn ich ins Studio komme und mein „Servus“ in die Runde werfe. Vielleicht ruft sie auch laut „Huhu“, aber da ich bereits meine Beschallung im Ohr habe kriege ich so etwas natürlich nicht mit – registriere aber trotzdem wer nickt, winkt, die Lippen bewegt oder auf andere Weise in Ekstase verfällt.

Jedenfalls war heute nicht nur Würstchenparade – hätte echt gerne mal eine eigene Umkleide, das sind mir einfach zu viele Schniedel auf zu engem Raum; kleines Studio, noch kleinere Umkleide und noch klein… ach ne, das lass ich jetzt mal lieber; aber ist schon unangenehm wenn ich auf dem Weg zu meinem Spind erst mal diverse nackte Körperteile verschwitzter – äußerst behaarter – älterer Männer streifen muss; ja mal ganz ehrlich, müssen die wirklich jedes Mal in die Sauna gehen; glaube ja die kommen nur wegen der Sauna ins Fitnessstudio; für so viel verschwitze nackte Männerhaut bin ich definitiv zu prüde oder zu jung oder sexuell zu unflexibel – jedenfalls war heute auch Nippelschau. Ja, da spitzen die Männer normalerweise ihre Lauscherchen wenn sie so etwas hören. Aber ich sag mal – mööööööp. Es waren natürlich Männertitties und Männernippel. Also erzählen sollte ich das ja niemanden, erst diese neuen anstößigen Sex-Schaukel-Fitness-Ja-Was-Weiß-Ich-Was-Das-Für-Perverse-Geräte-Sind, schwitzige nackte Männerhaut, jetzt Männerbrüste. Ich trau mich da abends bald nicht mehr rein wenn das so weitergeht. Vermutlich bin ich gar kein Mitglied im Fitnessstudio, sondern im örtlichen Swingerclub und das ganze dient nur zur Tarnung. Naja, jedenfalls wanderten die Tank-Tops – da muss ich immer lachen, warum weiß ich leider nicht, aber Tank-Tops, ach du liebes Lieschen – heute immer weiter nach unten, was dann die kleinen Braunen-Dinger zum Vorschein brachte. Wieso man bereitwillig für so einen Stofffetzen 40 Euro bezahlt ist mir nicht ganz klar, bei KiK oder Takko bekomme ich für das gleiche Geld ungefähr 100 T-Shirts oder so.

Auf die „Oh ist das schwer“-Dame, laut Autokennzeichen ist sie Ende 20 – habe ich erwähnt wie klein unser Studio ist? Der Parkplatz ist auch nicht viel größer – habe ich vor ein paar Tagen auch reagiert. Wieder kam ein „oh ist das schwer“ und noch irgendwas, aber ich habe ehrlich gesagt nicht richtig aufgepasst. Wollte nicht wieder unhöflich sein, habe deshalb etwas ausführlicher geantwortet „mhm, ja, hmm, kommt mit der Zeit“. Hatte Angst dass das kein Ende nimmt und ich mich irgendwann in der Fortsetzung von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wiederfinde. Gut, um ehrlich zu sein bin ich für den Bruchteil einer Sekunde – vielleicht auch etwas länger als einen Bruchteil – in einem Tagtraum versunken und habe mich gefragt, ob ich dieser Unterhaltung etwas aufgeschlossener gegenüber stünde, wenn sie ihre Freundin – die trainierte direkt hinter ihr; hab ich erwähnt wie klein unser Studio ist? – mit ins Boot holen würde….. Wo war ich stehen geblieben, bin kurz in Gedanken abgedriftet. Ach ja, nein, änderte nichts daran. Warum eigentlich nicht. Ach ja, beide nicht mein Typ. Wobei Minus Mal Minus zu Plus wird, vielleicht wäre also nicht mein Typ und nicht mein Typ zu voll mein Typ geworden? Aber erst mal so weit kommen und dann wäre nicht mein Typ und nicht mein Typ am Ende zweimal nicht mein Typ geworden, ja da hätte ich mir dann aber ganz schön was eingebrockt, aus so einer Nummer muss man dann auch erst mal wieder rauskommen, deshalb will ich da gar nicht erst reinkommen.

Bin beim Training, bitte nicht stören. Buchungsanfragen unter der Nummer…

Typisch Frau. Redet mit mir und ich verstehe wie üblich nur Bahnhof. Wüsste schon gerne was sie von mir will, aber ich höre nur „feel the power of a warrior! fight fight fight fight“. Seufze also, lege die Hanteln ab, nehme die Stöpsel aus dem Ohr – Volbeat höre ich übrigens inzwischen echt gern, „Call of the Warrior“ passt einfach zum Training – und gebe höflich mit einem „hä?“ zu verstehen, dass ich jetzt ansprechbar bin, was implizit signalisieren soll, sie möge nun mit mir sprechen oder für die nächsten 60 Minuten schweigen. Letzteres wäre mir ehrlich gesagt lieber, aber so viel Glück habe ich wohl nicht. „Das ist aber schwer.“…. wie jetzt, das war alles, ernsthaft? Alter!!! Und nur um mir zu sagen, dass ihr das vom Vorgänger verwendete Gewicht zu schwer ist … ach, hör doch auf. Gebe ihr mit einem „mhm“ recht, auch wenn ich keine Ahnung habe wie schwer denn nun schwer ist, warte kurz ob da noch mehr kommt, glaube dass auch sie wartet ob da noch mehr kommt – nope, muss Sauerstoff für den nächsten Satz (Training, nicht Wörter) sparen – sie wirkt etwas verunsichert, dreht sich zu ihrer Freundin, ich schiebe mir derweil die Stöpsel wieder ins Ohr. War doch eine angenehm lockere Unterhaltung, Smalltalk kann ich eben. Außer ich habe keine Lust… oder Nerven dafür, beispielsweise wenn ich mit leicht roter Gesichtsfarbe, voller Körperanspannung, konzentrierter Atmung, Stöpsel im Ohr und Hanteln über dem Kopf gerade die letzten Kraftreserveren mobilisiere!!1!ölf!!!

Leute gibt’s, ne ne ne. Da war mir der ältere Herr – wirklich uralt, schätzungsweise so alt wie Gott – in der Umkleide, der wissen wollte ob es dieses „MP3-Player“-Gerät auch mit anderen CDs gibt, ja tausendmal lieber – gut, so alt wie Gott war er nicht, aber 1000 könnte er tatsächlich schon gewesen sein. Liegt vermutlich am Frühling. Also das mit den Frauen. Oder an meinem wirklich extrem knackigen Hintern. Ich mach mir da natürlich nichts vor, es liegt definitiv an meinem Hintern. Selbst ich kann da manchmal nicht die Hände von lassen und fasse ihr nur an, weil ich es darf und wohlgemerkt kann. Achte deshalb nun auch stets auf eine betonte Körperhaltung. Ich denke die Form meines Allerwertestens verdanke ich einer gesunden Mischung aus Sport und Müsli. Müsli gibt’s meistens abends nach dem Training und besteht aus zwei Packungen Cookies und einem Liter Milch. Ein richtiger Vitamin-Schock ist das. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Frauen in meinem Fitnessstudio langsam alle „rollig“ werden. Glaube ich zumindest. Bin mir wie üblich nicht sicher. Könnte also sein dass ich angebaggert wurde und werde, oder eben auch nicht. Das weiß man ja nie so genau und findet es in der Regel erst heraus, wenn man dann in einer Beziehung ist oder es total verkackt hat. Wäre natürlich prima wenn doch, dann könnte ich mich ja mal bei einem Escort-Service bewerben – für gutbetuchte Damen versteht sich, weil ich schon ziemlich teuer wäre. Hochschulabschluss, Allgemeinbildung, Charme, Humor, athletischer Körper – also wäre ich eine Frau, ich würde mich ja sofort buchen.

Zu jeder Stunde jemand anders

Das Einzigste (Neudeutsch) was mich am neuen Job ärgert, meine Trainingszeiten haben sich auf 19 bis 21 Uhr verschoben. Treffe nun also die angefreundeten Mitglieder nur noch am Wochenende – btw. der Kauf von „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie hat sich nach Jahren also endlich bezahlt gemacht und das, obwohl ich es nicht mal gelesen habe.
Gestern also erneut der/die Pussy getroffen. Weiß zwar nicht wie ein Hippster genau auszusehen hat, aber so stelle ich ihn mir zumindest vor. Möglicherweise bin auch ich der Hippster, damit gleichzeitig auch die Pussy, und definiere Hippster grundlegend falsch; wobei Hippster nicht automatisch Pussy ist oder umgekehrt. Vielleicht schließt sich beides auch gegenseitig aus, oder noch schlimmer, es hebt sich gegenseitig auf, somit gibt es weder Hippster noch Pussys. Lügenkresse!!1!!elf.
Der 2 Meter Hüne schlägt immer kurz nach mir im Fitnessstudio auf. Chucks!!, kurze Sporthosen und beiger grobmaschiger Wide Neck Strickpullover !!!11eins!. Sieht schon schnieke aus, bisschen schwul – sorry, Klischee – aber wenn er meint. Dann werden theatralisch die Fitnesshandschuhe angezogen, quasi „jetzt geht’s gleich richtig dicke los“. Hab sowas leider nicht, werde mir aber heute Nachmittag die Wollfäustlinge mitnehmen, die ich letzte Woche in einer Winterklamotten-Schublade gefunden habe – wusste gar nicht dass ich so eine Schublade habe, die Handschuhe waren somit wie ein unerwartetes Geschenk und einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, was absolut logisch ist, bin ja kein Zahnarzt.

Stolzierte dann jedenfalls immer wie ein Pfau auf und ab – sind Pfaue eigentlich aggressiv? Und wenn ja, schlägt er mir dann ein Pfauenauge? Geschlagen wurde jedenfalls nichts, auch kein Rad. Dafür wurde gestöhnt. Er, nicht ich. Wer stöhnt eigentlich beim Sex? Jeder, mehr die Männer, mehr die Frauen? Und wieso weiß ich nicht wie man einen Orgasmus vortäuscht, später mal ein YouTube-Tutorial suchen, dann kann ich beim nächsten Mal kräftig mitstöhnen. Könnte allerdings missverstanden werden. Unser Trainingsraum ist abgeschottet, bzw. man sieht halt nur rein wenn man reingeht, außer das Licht ist aus oder man hat die Augen zu oder ist blind – dann sieht man auch beim Reingehen nix. Ein gemeinsames Stöhnen könnte sich also im ersten Moment von außen verstörend anhören. Zumindest wenn man homophob ist, die ein oder andere Frau fände das vielleicht sogar sexy. Eine Ex fand das spannend, aber da musste ich leider passen. Vielleicht war das Stöhnen auch ein Grunzen, nehme es am Besten beim nächsten Mal auf, darf es dann aber nicht ins Internet stellen, hernach stolpert so ein Bio-Antro-Irgendwas-loge-Forscher darüber und hält diesen Urlaut für eine unbekannte Spezies.

Fit mit Fitnessbruder durch die Woche

Ich befolge brav die Anweisungen meines Bruders. Ernährungs- und Trainingsplan werden konsequent eingehalten. Funktioniert extrem gut, deutliche Leistungssteigerung und die Form wird auch besser. Ich soll nur keine Wissenschaft daraus machen. Das ist für mich allerdings unlogisch und anstrengend. Ich mag mittags keine gefühlte 50 Gramm Reis essen, wenn mein Plan exakt 50 Gramm vorsieht. Bisschen umständlich ist das schon, geb ich ganz ehrlich zu, denn ich koch immer 150 Gramm (Mittag und Abend), wiege dann den gesamten gekochten Reis und nehme davon ein Drittel. Da muss man echt fix sein, dampfender Reis verliert ja unglaublich schnell an Gewicht – 490 Gramm, 483 Gramm, 475 Gramm – eine Herausforderung. Oder wenn es heißt vor dem Training einen Eiweißshake. Ist eine Stunde oder 30 Minuten vorher? Ist egal, trink einfach. Ich finde das ja ein wenig ungenau. Außerdem hat Sport sehr viel mit Wissenschaft zu tun.

Gefühlt würde ich sagen, dass wir manchmal beide nicht so genau wissen was ich jetzt eigentlich so mache. Deshalb wurde ich nun gefragt, was ich eigentlich so mache. Diät oder Masse? Na das wenn ich wüsste. Er wüsste es auch nicht, da ich mich beharrlich weigern würde mich im Fitnessstudio obenrum zu entblößen. Das wird auch nie passieren. Schicke deshalb ein halbnackt Selfie an. Ernte dadurch Spot und Häme meines zweiten Bruders, wieso erzähle ich sowas auch. Antwort von Fitnessbruder: Oha. Stark *Bizeps-Arm Emojii*. Bin etwas unschlüssig ob das nun ironisch gemeint ist. Nein ist es nicht, gute Vorschritte und besser als bei den meisten Anderen im selben Zeitraum. Yes, Strike! Machen nun also Masse. Nutze auch gleich die Gelegenheit um ihm zu beichten, dass ich am Samstag eine 10er Packung Knoppers verputzt habe. Passt. Und 400 Gramm Schokolade. Auch ok. Und 2 Döner. Ok, aber jetzt wieder ein Weilchen nach Plan. Läuft!

Im Januar tut sich was

Ärgerlich. Vor ein paar Tagen etwas bei Facebook gesehen und finde es nicht mehr. Wieder in den unendlichen Weiten meiner Timeline verschwunden und nicht mehr auffindbar. Es ging um sportliche Vorsätze für das neue Jahr und die durchschnittliche Anzahl der Besuche im Fitnessstudio. „Gefühlte Wahrheiten“ aus dem SZ-Magazin? Eine echte Info-Grafik? Ich weiß es einfach nicht mehr. Im Januar gehen die Leute im Schnitt 16 Mal, im Februar…8 Mal??, im März noch …4 Mal??… irgendwie so.

Unser Fitnessstudio wird momentan überrannt. Könnte auch an den vielen Probetraining-Wochen liegen, die in Unmengen als Gutscheine mit der Post versendet wurden. Genau lässt sich das allerdings nicht sagen, denn ich arbeite ja nicht dort. Und selbst wenn wäre es eher eine gefühlte Auswertung, denn Verträge und so Kram werden nur analog gespeichert.

Wo bleiben nun eigentlich die ganzen Statusmeldungen:

  • Max Mustermann ist hier Gym Nasty Fit
  • No pain, no gain
  • Yo can have results or excuses not both

Ist das nun OUT weil Fitness IN ist? Und wann starten wieder diese unzähligen Fitness-Events:

  • 1000 Tage Bauch weg Challenge
  • 500.000 Klimmzüge Challenge
  • 3 Milliarde Liegestütze Challenge

Giggidigaggidi uh, oh, ah, machst du das auch, guggidi, hab das auch gemacht, schnickedischnack. Na das war ja peinlich. Plötzlich hat jeder an diesen Social Media Sport Events teilgenommen, aber ich kenne niemanden der dadurch seine Liebe zum Sport entdeckt hat. Vollkommen klar, diese Events laufen 100 Tage und danach ist es vorbei. Wenn also der Ansporn darin bestand, der Welt jeden Tag aufs neue zu verkünden dass man noch fleißig dabei ist, und plötzlich endet die Challenge – da muss man ja in ein Loch fallen. Hier sollte man mehr Aufklärung betreiben und Warnhinweise zur Pflicht machen: Teilnahme an dieser Challenge kann zu Depressionen führen.

Ich fand die „Bier auf ex“ oder „Ice Bucket“ Challenges jedenfalls besser. Waren zwar keine angekündigten Events, sondern Lauffeuer – dafür aber um ein vielfaches unterhaltsamer.

Get in shape

Am zweiten Weihnachtsfeiertag war bei uns das Fitnessstudio voll, voller als voll. So roch es auch. Das konnte nicht mal ich als wandelnder Duftbaum mit geweichspülertem, lieblich weichem, nach Rosen duftendem T-Shirt mit zwei Spritzern Jean Paul Gaultier auf der Haut ändern. Das mit den Spritzern könnte man jetzt in den falschen Hals bekommen, ich meine natürlich das Eau de Toilette „Le Male“. Hat durchaus etwas spirituelles wenn die Mitglieder nach Weihnachten ins Fitnessstudio pilgern, um Buße zu tun und ihr Gewissen zu reinigen. Ich war allerdings im Vorfeld etwas besorgt, fast 10 Wochen beim Training ausgefallen, dazu ebenfalls ca. 1 Kilo zugenommen. Kugelte also ebenfalls demütig ins Fitnessstudio, machte mich jedoch darauf gefasst, mich vor Dutzenden Augenpaaren lächerlich zu machen.

Meine Sorge war unberechtigt. Allem Anschein nach hatte nicht nur ich eine ungewollte 10-wöchige Trainingspause. Das hat mich ungemein beruhigt, denn ich bin kein Freund großer Veränderungen. B. zum Beispiel kenne ich noch aus Schulzeiten. Seine Runde sieht wie folgt aus: Cross-Trainer, Brust, Bizeps, Brust, Bauch und Bizeps. Eine lässige ungeschickte Handbewegung zieht dann die Ärmel des T-Shirts immer etwas nach oben, so dass man seine Oberarme sieht. Erinnert mich ein bisschen an einen stolzen Gockel, aber wenn ihn das motiviert soll mich das nicht stören. Bin jedenfalls froh dass mein Bruder mir den Trainingsplan erstellt, denn Schultern, Rücken, Beine und Trizeps zu vergessen hätte auch mir passieren können. Bin ich heute wieder fies! Das ist wirklich die einzige Person über die ich mich lustige mache, wir konnten uns früher nicht leiden und heute heucheln wir. Vielleicht heuchle auch nur ich, aber er ist nach wie vor der gleiche eingebildete Idiot von früher.

Das Leid vieler anderer kann ich jedoch nachvollziehen. Vor 4 Jahren waren meine Frau und ich auch in einem Fitnessstudio angemeldet. Nach drei Monaten kaum Fortschritte und es war absolut deprimierend. Als mich unser damaliger Trainer dann erneut für 8 Wochen in den Kraft-Ausdauer-Zirkel geschickt hat bin ich nicht mehr hingegangen. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Wer wirklich monatelange dreimal pro Woche für 30 Minuten diesen Zirkel absolviert genießt meine höchsten Respekt, denn noch langweiliger kann Training nicht sein. Ich schweife jedoch ab. Bei uns gibt es keinen Zirkel und wenn doch, dann hätte ich mich geweigert erneut nach der Pfeife einer blubbernden Wassersäule trainieren zu müssen. Ich schweife wieder ab. Es weckt nur schreckliche Erinnerungen in mir.

Leid nachvollziehen, da war ich. Wir haben zweimal den Versuch gestartet im Fitnessstudio abzunehmen und sind zweimal brachial gescheitert. Ich denke es hatte drei Gründe: a) falscher Trainingsplan (siehe Zirkel…..) b) kein Ernährungsplan, dafür jede Menge Info-Material wie man sich ernähren soll und worauf zu achten ist c) kein Ernährungsplan, dafür jede Menge…. jetzt gerate ich in eine Endlosschleife. Ernährung ist aber auch wichtig. Mein Fitnessstudio empfiehlt zum Beispiel Kartoffeln und Hülsenfrüchte als primäre Proteinquelle. Na bravo, wenn ich mich daran orientiere sehe ich aber in ein paar Monaten aus wie ein Ballon.

 

 

Bro-Verhaltenskodex: Rosa Röckchen

Mensch, was war diese Woche kurz. Wundert mich aber mal gar nicht, habe ja einen ganzen Tag verloren. Am Mittwoch war komischerweise schon Donnerstag, aber am Sonntag war noch Sonntag, was mich zu der Frage führt, wo der fehlende Tag abgeblieben ist. Ganz ehrlich, diese verbuggten schwarzen Löcher die einfach mal so auftauchen und mich einen Tag in die Zukunft schicken sind einfach nur super ätzend. Werde jedenfalls nach meinem Tod erst mal eine schlechte Bewertung schreiben, so geht’s ja nicht dass mir ständige Tage verloren gehen.

Jedenfalls war ich am Montag nach meinem Training sowas von vermuskelkatert. Nach meiner intensiven Laufeinheit kam ich jedenfalls pünktlich, aber äußerst geschwächt im Fitnessstudio an.

Mein muskulöser brüderlicher Personal Trainer kannte keine Gnade und ging mit mir meinen Trainingsplan durch. Da ich meinen Trainingsplan zwar ausgedruckt, aber daheim vergessen hatte, erstellte er kurzerhand ad hoc einen Neuen, wesentlich umfangreicheren – zumindest gefühlt.

Tippelte dann also von Gerät zu Gerät hinter ihm her, prägte mir hochkonzentriert die Bewegungsabläufe ein und durfte dann unter seiner fachmännischen Aufsicht selbst Vorführen. Wären da nicht so viele andere Mitglieder gewesen, die wohlgemerkt super spannende Sachen gemacht haben und die mich auch neugierig beobachteten (grob geschätzt ca. 2 Leute außer uns im Studio), dann hätte das mit der Konzentration wesentlich besser geklappt. Mein Bruder erkannte das Problem frühzeitig, weshalb er dann nicht nur seine Körperhaltung und Bewegungsabläufe, sondern auch noch meine Aufmerksamkeit kontrollierte.

Nach der Einweisung ging er seinem Trainingsplan nach und ich meinem. Dank meines Gedächtnispalasts klappte das ganz gut. Ich konzentrierte mich, rief die Übung ab und fragte meinen Bruder was als nächstes kommt. Läuft!

Komischerweise sehen meine Gewichte daheim schwerer aus als die im Fitnessstudio. Man, die im Gym (sagen die coolen Leute) waren aber auch schwer. Vielleicht lag es daran, dass ich vollkommen entkräftet war. Habe also kleinere Gewichte genommen, was ungemein zur Belustigung meines Bruders beitrug, denn ich würde nun auf Mädchen-Niveau trainieren. Dachte mir dann, dass das aber starke Mädchen sein müssen.

Habe ihm dann erklärt, dass ich ja bereits bei der Einweisung ein paar Wiederholungen gemacht habe, was dazu führt, dass ich meine verbleibende Energiereserven nun einteilen muss, denn wenn ich drei Sätze a 10 Wiederholungen machen soll, dann wären das insgesamt 30 Wiederholungen. Habe ich nun bei der Einweisung schon 6 Wiederholungen gemacht, muss ich die von den 30 abziehen, wodurch ich nur noch 24 machen könne. Also muss ich durch Gewichtsreduktion diese 24 wieder auf 30 erhöhen, damit das dann wieder seine Richtigkeit hat. Kopfschütteln, ich soll einfach machen.

Außerdem fehltem meinem Körper natürlich die 600 Kalorien, die ich bereits beim Laufen verbrannt habe. Er meinte das wäre Unsinn. Na, wenn der wüsste wie müde und ausgezehrt ich schon war.

Jedenfalls bekomme ich nun ein rosa Tutu von ihm. Ist vermutlich so ein Anfänger-Dress, das jeder Neuzugang bekommt.

Freue mich schon auf unser nächstes gemeinsames Training, bei dem wir dann auch gleich eine Fahrgemeinschaft bilden. Aber diesbezüglich muss ich erst noch etwas Überzeugungsarbeit leisten.