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Night fever

So müde. Komme hier zu gar nichts mehr. Training, Arbeit, Schlafen, Kochen und jetzt fange ich hier auch noch an Leute kennenzulernen und mich ins Nachtleben zu stürzen. Say Whaaat…

„Can you talk to them“… ach ja stimmt, ich bin ja hier der german native speaker. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung wie ich in diese buntgemischte Gruppe von Austauschstudenten geraten bin – vermutlich habe ich wieder die Qualle gemacht, ließ  mich also einfach von der Strömung treiben und sah dabei wunderschön aus. Gekonnt und routiniert telefonierte ich also fließend auf deutsch mit der Taxizentrale – „fließend“ um 5 Uhr morgens nach einer laaaangen Nacht. Damit konnte ich zumindest der blonden Engländerin ganz schön imponieren. Sie war höchst erfreut, bedankt sich und fragt mich „Do you want some Ecstasy?“. Mensch wie nett, lehne aber trotzdem dankend ab. Ihre Freundin hat uns währenddessen mit Argusaugen beobachtet und fragt mich kurz darauf, ob ich mir die Nummer von der blonden Engländerin hätte geben lassen. Weiß nicht, hätte ich? Hatte doch schon ihre Nummer (also von der nicht blonden). Dachte das käme jetzt vielleicht nicht so gut rüber.
„Nein“ war scheinbar die richtige Antwort, denn plötzlich fing sie an sich an mich ranzuschmiegen und ich bin mir auch ziemlich sicher dass das nicht meine Hände an meinem Körper waren.

Ja, es war eine interessante Nacht. Und bin mir auch noch nicht ganz so sicher wie die Nacht hätte möglicherweise hätte enden können. Aber ich wäre auch überhaupt nicht darauf vorbereitet dass ich nicht alleine nach Hause gehe. Fängt schon damit an, dass ich wohl der einzige Berliner bin, der keine Verhütungsmittel Zuhause hat. Warum auch, bin ja in keiner Beziehung.

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Gutenachtgedanken

Döner für 2.50 Euro. Wie kann Döner so billig sein? Mmmh, Döner. Nur 5 Minuten mit der Tram und ich bekäme einen leckeren Gemüsedöner. Ob der noch offen hat? Ich glaube ja nicht. Halt, mein Nachbar ist ein Döner. Aber trage schon meinen Pyjama. Pyjama-Party wäre nach meiner Definition dass alle nur ihre Retroshorts tragen – was auf eine peinliche Weise total witzig wäre. Mein anderer Nachbar trägt immer eine Badehose wenn er nackt auf dem Balkon raucht. Hat zwar nicht die Figur für obenohne, aber zumindest traue ich mich nun dank ihm ebenfalls obenohne auf den Balkon, obwohl ich eine obenohne Figur habe. Darüber freuen sich scheinbar die Huhu-Girls. Die Huhu-Girls kenne ich nicht, aber das ist mein Sammelbegriff für junge und einfach nur Frauen die „huhu“ hoch zu mir rufen. Ich dachte erst sie meinen „Uhu“, denn nebenan auf dem Balkon saß ein Großstadtpapagei, der entpuppte sich aber leider als Rabe, Krähe oder Elster. Was aber egal ist, auf den Balkon hat er mir so oder so gekackt. Es ist 00:25 Uhr, ein Pärchen knutscht wild an der Tram-Haltestelle, vermutlich erreichen sie bald die dritte Base oder die Erste oder die Zweite. Vielleicht trennen sie sich auch gerade. Eine Laterne weiter tanzt eine Brünette in Hotpants lasziv zu imaginärer Musik. Könnte allerdings auch ein Kerl sein. Das finde ich verwirrend. Die Blondine auf dem Fußgänger weg ist jedoch sicher eine Frau. Etwas kurz der Rock. Wirklich sehr kurz der Rock. Wurde vielleicht in den Rock hineingeboren. Das täte mir Leid. Ist wie mit der Familie, da wird man auch hineingeboren, nur ist die Familie kein Rock. Und in die Staatsbürgerschaft, da wird man auch hineingeboren. Und in die Kirche. Hier kann man aber ein- und austreten. Was allerdings ganz schön aufwendig ist.

Be4tz !n da Streets

Höre nun in unregelmäßigen Abständen notgedrungen Techno. Schön rhythmisch. Verwunderlich dass ich noch keine älteren Menschen gesehen habe, die dazu schunkelnd im Takt des – sich harmonisch wiederholenden – Basses klatschen. Im Grunde nichts anderes als Volksmusik oder Schlager, nur eben mit weniger Helene Fischer und dafür mit mehr DJ keineAhnungWen’sDaSoGibt. Kommt vielleicht noch, ab 2017 wird dann live auf einem öffentlich-rechtlichen Sender der Techno-Stadl übertragen. Ne, DJ-Stadl oder irgendwas in der Richtung.

Eigentlich würde ich ja viel lieber keinen Techno hören und um 2 Uhr morgens schlafen, aber das scheint die jungen Leute herzlich wenig zu interessieren. Verflucht seien diese wunderlichen – ja was sind das eigentlich – …. Lautsprecherrucksäcke, Lautsprecherbollerwagen, Folterinstrumente…. ehrlich keine Ahnung, ich kann nur sagen, diese Dinger machen einen riesen Lärm und bestimmt haben die dafür nicht mal eine GEMA-Lizenz beantragt. Können die nicht einfach, wie ganz normale Jugendliche, die ganze Nacht am Computer sitzen und irgendwelche Ego-Shooter spielen. Scheinbar nicht. Das kommt bestimmt daher, dass sie keine Mofas haben… oder Roller… oder Mopeds. Mit der Tram fahren lastet die einfach nicht aus.

Also für mich wäre das ja nichts. Bier trinken und mit zwei oder drei Freunden nachts einen Lautsprecher durch Berlin schleppen. Das hätte ich sogar als Jugendlicher total doof gefunden. Falsch, gerade als Jugendlicher hätte ich am Wochenende sowas ganz bestimmt nicht getan, denn bei uns gab es Kneipen und Discos die es mit der Alterskontrolle nicht ganz so genau genommen haben. Ne, diese Bass-Prozession, das klingt für mich nicht nach Spaß, sondern nach einer verlorenen Wette.

(Originaltitel: „83475 !n d4 5723375“ – aber wer hätte das noch lesen können)

Hello Berlin und die Überquerung des Weißwurstäquators

Wohne nun seit etwas mehr als 48 Stunden in Berlin. Gefällt mir hier, auch wenn die Stadt doch deutlich lauter ist als mein schönes beschauliches Dörflein. Da war es an manchen Tagen so ruhig, dass ich zeitweilig, wenn ich mich auf einer philosophischen Irrfahrt befand, sogar die Existenz der Menschheit angezweifelt habe – ja, so etwas passiert mir hier gottseidank nicht.

Vor allem die Tram finde ich klasse. Summe dann beim Einsteigen immer „wir fahren mit der Trambahn durch die Nacht“. Wirklich unglaublich wie schnell und einfach man hier von A nach B kommt. Tram rein raus, super-günstig wohlgemerkt mit einer Monatskarte, und fertig. Vorher immer ewig mit dem Auto rum gegondelt und hier bin ich ohne Auto schneller. Wieso habe ich mir früher überhaupt ein Auto gekauft, ich hätte mir gleich ne Tram kaufen sollen. Das haut einen echt vom Hocker, oder diesen komischen Stuhl auf dem ich sitze.

Bezüglich Stuhl, die Wohnung ist schön und hübsch eingerichtet – in der Hinsicht hat sich dieses Zwischenmieterdingens schon voll gelohnt – Frauenwohnung halt. Nur merkt man das hat auch hinsichtlich der Zweckmäßigkeit. Kein Schreibtisch, hallo? Ist schon saueng auf dem kleinen Esstisch mit Monitor, Tastatur und Maus. Der Laptop musste somit auf den Boden ausweichen, ganz zu schweigen von dem Kabelwirrwarr der sich durch diese suboptimale Konstellation langsam bildet. Gravierender ist allerdings die Fehlplatzierung des Fernsehers. Klar, eine Sitzecke im lichtdurchfluteten Bereich ist gemütlich, aber halt auch absolut unpraktisch – echt hart da vernünftig Playstation zu spielen wenn man kaum was sieht. Besonders nicht wenn der Fernseher mit einem feuchten Lappen gereinigt wurde…. ich glaub das ist so ein Frauending, 1000 Reinigungsmittel im Haus aber davon kein einziges für Monitore/TV-Geräte, zum Glück hatte ich eines eingepackt, sowas muss Mann einfach immer im Haus haben. Kurz, ich brauche dringend eine Lösung um diese große Fensterfront bei Bedarf abzudunkel, das wird mich sonst das ganze Jahr über nerven – vor allem weil ich länger als ein Jahr hier wohne.

Jedenfalls sind Berliner schlanker als die Bewohner im Dorf. Ist mir die letzten Tage aufgefallen. Habe zwar keine Studie durchgeführt, aber meine gefühlte Datenerhebung und -auswertung kamen zu diesem Schluss. Liegt sicherlich an dem Mehr an Bewegung. Bei uns fährt man immer mit dem Auto. 10 km, 1km, 500 Meter – egal, ab ins Auto. Somit reine Bequemlichkeit, die sich vermutlich aus der Notwendigkeit ein Auto zu besitzen heraus ergeben hat.

Vor meiner Abreise wurde ich mehrmals gewarnt, Berliner seien unfreundlich und ruppig und rüde und und und. Ja, finde ich bisher eigentlich nicht. Habe zumindest noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, ich tendiere sogar zu einer gegenteiligen Behauptung.

Ach ja, das Berliner Kindl ist ja mal wirklich ein dufte Bier. Ich lebe zwar immer noch abstinent, nur eben nicht so konsequent abstinent wie ich keusch lebe – dummerweise wie ich anmerken möchte. Und das mit den Clubs verstehe ich jetzt noch weniger. War zwar noch nicht auf der Piste (sagt man das so?), aber irgendwie erscheint mir das alles vollkommen unlogisch und weltfremd. Man geht extrem spät weg, bekämpft die Müdigkeit mit koffeinhaltigen Szenegetränken die mit etwas Alkohol aufgegossen werden und wenn dann der Tag erwacht und man KO ist geht man in einen Chilloutbereich…. also spätestens hier sollte man doch auf die Idee kommen, nicht im Club zu chillen sondern einfach Heim ins Bett zu gehen. Ne ne, hier werde ich mir bei Gelegenheit mal eine vernünftige Bar/Kneipe suchen – keine Kneipe Kneipe, sondern halt eine normale Anlaufstelle, mit weniger Club, weniger Techno und mehr vom Tag.