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Eine Scheidung die ist selstam

Hochzeit und Scheidung, also noch gegensätzlicher könnten die zwei Begriffe nicht sein. Eine standesamtliche Trauung ist kostengünstig, geht schnell und ist unkompliziert. Eine Scheidung dagegen ist kostspielig, nervenaufreibend und vor allem dauert es.

Am schwierigsten ist für mich, dass man den Umgang miteinander neu erlernen muss. Man ist weniger vertraut als ein richtiges Paar, aber auch vertrauter als ein Nicht-Paar. Ein merkwürdiger und komischer Zustand. Wir halten zusammen, nicht nur weil wir das im Moment noch müssen oder sollten, sondern weil wir das möchten. Wir mögen uns noch, wir machen uns Sorgen um den Anderen, aber … naja, es ist eine vollkommene neue und ungewohnte Situation für uns beide.

Sich nach Jahren wieder mit dem Vornamen und nicht mit einem Kosenamen anzusprechen war seltsam. Zumindest am Anfang. Vor allem wenn einem dann doch ein „Schatz“ aus alter Gewohnheit raus rutscht. Das ist peinlich und unangenehm. Dann rattert es in beiden Köpfen und man hofft, dass es der andere dezent ignoriert.

Wenn wir beide vorher im Mittelpunkt standen und sich außen herum in immer neuen Kreisen Familie, Freunde, Bekannte ansammelten, so bildet nun jeder seinen eigenen Mittelpunkt und der eigene Partner rutscht um einen oder vielleicht sogar zwei Kreise weiter hinaus.

Man muss also auch das Thema Privatsphäre neu überdenken. Wir platzen nicht mehr einfach so ins Bad wenn der andere gerade unter der Dusche steht oder sich umzieht. Wir gehen nicht mehr einfach so in das Zimmer des anderen, wir klopfen jetzt vorher und warten darauf, dass der andere uns hereinbittet. Wir fragen nicht mehr „mit wem hast du telefoniert“ oder „mit schreibst du gerade“.

Das ist am Anfang nicht leicht, denn man muss sich von alten Gewohnheiten trennen. Man darf sich nicht mehr als Paar sehen, als ein „wir“, es gibt ein „du“ und ein „ich“. Während jedoch der Umgang miteinander nach einer Weile gut klappt, ist das eigentliche Problem die Kommunikation nach außen, vor allem im Beisein des Partners.

Kürzlich habe ich „meine Frau“ gesagt, als meine Frau neben mir stand. Das war ihr unangenehm. Wie ich sie allerdings vor fremden Personen nennen soll, wenn ich nicht „meine Frau“ sagen darf, ja das ist mir noch ein Rätsel. Ich könnte „Frau MeinNachname“ sagen, aber das ist ja total schräg.

Kurz und knapp: Scheiden ist komisch

PS: Das ist kein Jammer-Post, sondern eher meine „objektive“ Sichtweise, was sich alles so nach und nach verändert 😉

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Erkenntnisse dieser Woche

1. Ostern wird richtig doof

2. Seitdem wir offen über Trennung gesprochen haben, ist sie kaum noch zu Hause. Und zu Hause gehen wir uns aus dem Weg. Jetzt ist sie weniger schlecht gelaunt und wieder netter zu mir.

3. Nur ganz wenige in meiner Familie wissen was los ist. Und unsere gemeinsamen Bekannten haben auch keine Ahnung. Ich finde es anstrengend immer Ausreden erfinden zu müssen. Aber ich habe auch keine Lust, mit der Wahrheit rauszurücken, denn das führt dazu, dass ich unzählige Fragen beantworten muss und mir ist das im Moment auch irgendwie unangenehm.

4. Ostern wird nicht richtig doof, sondern richtig superduper doof. Ein Feiertagswochende wie dieses, impliziert genau das, worauf ich Moment verzichten kann: Zeit mit der Familie verbringen. Es wird darauf hinauslaufen, dass ich mich einfach in meine Arbeit stürze und alles ausblende.

5. Meine Frau macht ernst. Es steht die Besichtigung einer Wohnung an. Ich bin etwas hin- und hergerissen. Zwar endet damit eine Ära, aber da ich auch schon länger nicht mehr glücklich bin, ist das vermutlich das Beste.

6. Inzwischen fühle ich mich zu Hause wohler wenn sie nicht daheim ist. Wir haben circa 2300 Nächte gemeinsam in einem Bett geschlafen und es ist merkwürdig, wenn ich weiß, dass sie nur ein paar Zimmer weiter im Ehebett liegt und wir künstlich eine räumliche Distanz schaffen. Trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal zurück in den gewohnten Alltags-Modus schalten will, d.h. z.B. sie in den Arm zu nehmen.

7. Ich habe wieder anfangen zu laufen. Ganz vergessen wie sehr ich das früher geliebt habe. Zwar habe ich keine Ausdauer mehr, aber die kommt mit der Zeit wieder.

Und dann endet ein Kapitel

Ich habe viel Vertrauen, vielleicht zu viel. Doch die vielen Andeutungen und Verhaltensänderungen haben mich argwöhnisch gemacht. Heute habe ich meinen Mut zusammengefasst und an ihrem Computer Facebook geöffnet. Sie ist auf Wohnungssuche und spricht über Scheidung. Und von einem Moment auf dem nächsten bricht die Welt in sich zusammen und ein abgrundtiefes Loch tut sich auf. In ein paar Tagen werden wir reden, momentan ist sie noch bei einer Freundin, wieder. Nun habe ich zwar Gewissheit, bin aber noch unglücklicher als vorher. In Kürze wird meine ganzes Leben auf den Kopf gestellt, denn der wichtigste Pfeiler, der alles stützt, bricht weg. Ich fürchte mich vor dem Chaos, vor dem Alleinsein. Es wird sich alles ändern und das zu akzeptieren fällt schwer. Die täglichen Abläufe werden über den Haufen geworfen. Das bestärkende Gefühl geliebt zu werden und dass dieser Mensch abends, wenn man nach hause kommt, auf einen wartet. Die Ecken und Kanten, die einen Menschen einzigartig machen, die Macken, die einen anfangs wahnsinnig machen, man aber dann doch zu schätzen und lieben lernt. Von einem Moment auf den anderen ist alles, was das Leben bereichert und lebenswert macht, weg. Es ist ein schmerzvoller Sturz, von ganz oben, nach ganz unten. Und erst, wenn man ganz unten angekommen ist, und bereit ist, diese Tatsache hinzunehmen, erst dann lässt der Schmerz nach und man fängt von vorne an.

Sicher wäre ich glücklicher, wenn alles so bleibt wie es ist. Aber ich würde jeden Tag sehen wie unglücklich sie ist, und müsste darüber hinwegsehen, es ignorieren. Es wäre eine Lüge in der ich lebe und lieber lebe ich eine Fantasie, als in einer Lüge. Ich liebe sie und lasse sie ziehen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich diese Schmerzen ertragen soll.

Ich weiß, dass ihr das alles schwer fällt. Ich weiß, dass auch sie Angst vor dem Scherbenhaufen hat. Für uns beide wird sich ein wichtiges Kapitel in unserem Leben schließen, ein Kapitel das uns verbunden und uns geprägt. Als ich sie kennenlernte war sie knapp 20, wunderschön, energisch, temperamentvoll und anders als jede Frau die bisher kannte. Ich, junger Student, und das komplette Gegenteil von ihr. Wir waren uns von Anfang an sympathisch, fanden uns interessant, aufregend und spannend. Das erste halbe Jahr unserer Beziehung war die schönste Zeit in meinem Leben. Heute sehne ich mich an diese Zeit zurück und möchte alles noch einmal erleben und noch einmal und noch einmal, diese Zeit hätte nie enden sollen. Doch es ging weiter, es folgte die erste gemeinsame Wohnung und mit der Zeit wurde alles komplizierter. Heute ist sie Mitte 20 und für ich mich immer noch der gleiche Mensch, den ich vor sechs Jahren kennengelernt habe. Aber wir haben uns beide verändert und das Interessante, Aufregende und Spannende, dass uns gegenseitig unwiderstehlich gemacht hat, ist dabei verloren gegangen.