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Mein Wort zum Montag

Die Hitze hat mich dazu verleitet einfach mal nichts zu tun und am Wochenende die Seele baumeln zu lassen. Habe also Zeit auf der Terrasse verbracht, zum Glück gibt es Smartphones, sonst hätte ich mir doch glatt ein Buch mitnehmen müssen – wäre ja total retro und pseudointellektuell gewesen.

Das schöne an Facebook ist, dass es mich an die unendliche Geschichte erinnert, nur eben dass Facebook tatsächlich unendlich ist und sich die angeblich unendliche Geschichte auf lediglich drei Filme erstreckt. Man holt sich was zu trinken und schwups zeigt mir meine Timeline eine rote Zahl mit einem Pluszeichen an, wie schön, wieder 6 neue Postings dich mich zwar sicherlich nicht interessieren werden, aber um das herauszufinden muss ich sie mir eben erst mal ansehen und durchlesen.
Man wischt mit dem Finger runter und runter und verliert sich in der Unendlichkeit des Seins. Diese Timeline hat eben etwas sehr spirituelles, es gibt einen Anfang und angeblich auch ein Ende, aber das Ende bekommt man nie zu Gesicht, so als wolle man den Rand des Universums erreichen. Das macht einen ganz schön nachdenklich.
Zwischendurch liked man dann ein „Ficki Freunde“-Posting und ein „2 Millionen Euro Darlehen“-Posting und ein rassistisches Posting. Merkt man in der Regel nicht, erst wenn man dezent von ein paar seiner Freunden darauf hingewiesen wird. Kurz wird man hektisch und wischt und wischt und wischt die Timeline runter um das „gefällt mir“-Statement zu entfernen, da jedoch die Timeline ganz nach der Chaostheorie agiert und mir nicht zu erkennen gibt welches Posting einen nun als nächstes erwartet, gibt man die Suche nach einiger Zeit schließlich auf und entspannt sich wieder. Die Halbwertszeit eines Facebook-Postings ist ohnehin nur sehr gering. Was aber auch irgendwie schade ist, denn vor einer Woche habe ich aus Langeweile mal mein Abendessen gepostet und verblüffender Weise scheint das meine Freunde zu interessieren. Habe es für ein Versehen gehalten, ich like ja auch die unmöglichsten Sachen beim Scrollen, weil mein Finger beim Ansetzen zu einer routinierten Wischgeste scheinbar oftbar gleichzeitig ein „schaut mal her, mir gefällt das“ signalisiert – dummer Finger. Um meine Vermutung zu verifizieren habe ich also die darauffolgenden Tage weiterhin mein Essen geposted, konnte meine These nun falsifizieren. Sofern meine Freunde also nicht noch ungeschickter beim Wischen sind als ich scheint die das wirklich zu interessieren. Deshalb lautet mein Vorsatz nun „neue Freunde suchen“. Kann doch ehrlich nicht sein, man teilt einen äußerst spannenden Artikel zur Griechenland-Krise oder zu einem enormen Datenschutz-Fiasko und es erfolgt keine Anteilnahme, aber etwas so banales wie vegane Falafel, ein Pasta-Gericht oder ein Salat wird wahrgenommen. Da muss sich nun aber am Ende wirklich keiner mehr wundern oder beschweren.

Irgendwie ist mir am Wochenende bei einem Whatsapp-Chat mit meiner Friseurin auch rausgerutscht, dass meine Frau und ich uns in einer Trennung befinden. Wie, Warum und sehr schade. Habe sie gebeten diese Information für sich zu behalten. Gestern hat mich meine Frau gefragt ob sie am Wochenende zu Besuch dagewesen wäre, denn sie hätte ihr erzählt dass ich ihr von unserer Trennung erzählt hätte, ich solle es ihr aber nicht sagen dass meine Frau mir gesagt hat dass sie meine Frau darauf angesprochen hat. Das Gespräch zwischen den beiden muss wie folgt verlaufen sein: Blablabla, schade mit uns beiden, blablabla, sie möchte mit uns beiden befreundet bleiben, blablabla.
Ich werde mir nun Karteikärtchen schreiben um mir zu merken, wer weiß was wer weiß und wer nicht. Wobei ich denke dass meine Frau alles weiß, sie nicht alles und ich schon gleich gar nichts.
Zumindest habe ich herausgefunden dass ich in Sachen verbaler und nonverbaler Kommunikation bei meiner Friseurin auf der Hut sein muss. Aber etwas anderes hatte ich auch nicht vermutet, es bleibt somit alles beim Alten.

Zum Schluss, Samstag war ich kurz beim Einkaufen da ich ein paar Smoothie-Zutaten vergessen habe – möchte eine 7 Tage 7 Farbe Challenge beginnen, natürlich für mein Facebook-Fotoalbum. Jedenfalls stand ich an der Kasse und vor mir ein junges Pärchen. Naja, jung war eigentlich nur sie, er wirkte sicherlich 10 Jahre älter. Sie schlank, blond und hübsch – eher nicht mein Typ, selten dass ich eine blonde Frau interessant finde, da muss sie wirklich schon eine ganz besondere Ausstrahlung haben – und er groß, durchtrainiert, gebräunt und schien auch ein Gutverdiener zu sein, natürlich auch nicht mein Typ – zwar schade, denn eine bisexuelle Veranlagung würde die Anzahl der potenziellen Sexualpartner drastisch erhöhen, aber was soll man machen, okay, es gibt zwar immer noch die ein oder andere Gruppierung die meint dass Homosexualität eine Krankheit ist und man diese heilen könne, was natürlich absoluter Unfug ist, denn dann müsste es ja auch eine Arznei geben um diese homosexuelle-Neigung auszulösen und die gibt es meines Wissens auch nicht, sollte man mal darauf hinweisen dann hätten diese Leute mehr Zeit für eine sinnvolle Freizeitgestaltung als gegen Schwule zu protestieren – jedenfalls ich schweife ab.
Wenn man in einer Schlange steht – stelle mir das gerade bildlich vor und es fühlt sich dunkel und beengt an – schaut man wie all die Anderen halt einfach mal ein bisschen doof in der Gegend rum. Sie schaut kurz her, sein Blick folgte ihr.
Dann drückte er seinen Rücken durch, schön jetzt ist er halt noch mal einen halben Kopf größer als ich – bin gespannt wieviele Zentimeter er noch rausholen kann, und fängt an seine Arme zu verschränken um sie dann wieder nicht zu verschränken um sie dann wieder zu verschränken und um dann seine Muskeln anspannen zu können. Beeindruckend, möchte schon meinen Bruder anrufen damit er ihm ein paar Tipps geben kann wie er die Masse seiner Muskeln besser aufbauen und zugleich seine Muskeln besser definieren kann. Aber dann beginnt die Kassierin zu kassieren.
Die Freundin oder Frau oder ich weiß auch nicht fängt an die Einkäufe in den sehr niedrigen Einkaufswagen zu legen, wieso haben die eigentlich ein Kindereinkaufswagen dabei, um weiter zu Imponieren hebt er nun den Einkaufswagen lässig an der Fähnchenstange mit einem Arm nach oben damit sie sich nicht bücken muss. Ein extrem witziger Anblick der ihn stolz grinsen und sie verlegen lächeln lässt – begleitet von der Bitte das Wägelchen wieder hinzustellen.
Ich hätte erwartet dass das Alpha-Männchen sein Gemächt herausholt und damit beginnt abwechselnd die Kasse und seine Freundin oder Frau oder was auch immer voll zu urinieren damit er sein Revier markieren kann.
Jedenfalls schien ihm mein Lachen angesichts dieses ulkigen Anblicks als Wertschätzung und Unterordnung auszureichen, womit er nun erhaben mit seiner Frau oder Freundin oder was auch immer und dem Kindereinkaufswägelchen zum Ausgang tuckerte.
Er fährt übrigens einen sehr schönen weißen BMW wie ich auf dem Parkplatz festgestellt habe. Bis vor einem Jahr oder so ging ich, naiv wie ich manchmal bin, davon aus dass die Leute sich weiße Autos kaufen, weil weiß vermutlich die billigste Farbe ist. Zumindest mein Schwager hat sich ein weißes Auto gekauft, weil ein farbiger Lack teurer ist. Als nun eine Verwandte sich einen Mercedes irgendwas Oberklasse irgendwas, na halt ein Auto, gekauft hat und dieser weiß war habe ich beiläufig gesagt, dass es mich wundert wieso man sich so ein teurer Auto leistet, aber dann an der Lackierung spart. Ich kann nur sagen, lief nicht gut dieses Gespräch. Sie war etwas empört, denn das Weiß ist kein Weiß sondern ein anderes Weiß welches mehr kostet als das Weiß und die farbigen Nicht-Weiß. Somit weiß ich nun, ein Weiß kann entweder ein billiges Weiß oder ein teures Weiß sein, es kommt eben auf das Weiß an.

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Geht doch

Musste Dienstag eine Hose kaufen. War aber noch nicht bereit für eine neue Hosenbeziehung. Habe deshalb nur einen Abstecher zu H&M gemacht. Wenn schon widerwillig eine Hose kaufen, dann wenigstens eine Günstige. Erstes Rätsel, was zum Henker sind Skinny Fit und Slim Fit. Eine anprobiert, passt, schnell wieder ausgezogen und zurückgelegt. Geht gar nicht, sehe ich ja aus wie ein Hippster.
Zumindest habe ich dadurch meine Hosengröße herausgefunden. Dumm nur dass die anderen Hosen andere Größenbezeichnungen hatten. Zum Glück hatte ich einen Edge-5 Kbit-Internetempfang mit dem Handy, brauchte somit nur 5 Minuten um die neue Größe herauszufinden. Hat nur ansatzweise geklappt, scheint nun doch eine Nummer zu klein zu sein. Für mich kein Problem, ein oder zwei Wochen Laufen und die passt. Meine Frau ist davon nicht so begeistert und will dass ich die Hose gestern zurückbringe – also, hätte ich gestern machen sollen und will sie vermutlich immer noch dass ich das gestern gemacht habe.
Immerhin habe ich erstaunlich günstige Hemden für 15 Euro gefunden, faszinierend. Über manche Muster und Farben lässt sich streiten, aber ein normales Hemd habe ich mir testweise mitgenommen. Sitzt hervorragend, sieht gut aus, mal abwarten wie langlebig es ist. Etwas irritiert mich nur das „Easy Iron“ Label. „Slim Fit“, „Modern Fit“, etc. kenne ich, aber „Easy Iron“. Verspreche mir dadurch keinen großen Mehrwert. Die größte Überwindung liegt doch darin, das Bügeleisen überhaupt erst einzuschalten.
Die Suche nach einem veganen lederfreien Ledergürtel gestaltete sich als äußerst schwierig oder besser aussichtlos. Bis auf die nette Kopftuch tragende Verkäuferin in meinem bevorzugten Männermode-Geschäft schienen aber die meisten mein Anliegen nicht erstzunehmen. Immerhin zeigte sie mir als Alternative einen Stoffgürtel. Hat mir gefallen, hatte ich als Jugendlicher auch diverse, aber wollte ja keinen nostalgischen Freizeit-Gürtel, sondern einen richtigen Gürtel. Egal, dafür kaufe ich einfach die nächste Hose wieder bei ihr. Außer sie will mir eine neue, zerfledderte, verwaschene Second-Hand Hose für 100 Euro andrehen, dann wird das nix mit uns zwei.
Auf der Suche nach dem Gürtel habe ich dann alles abgeklappert. Bei C&A habe ich erstaunlich günstige Unterhemden, also T-Shirts für’s unterm Hemd tragen, gefunden. Bei NewYorker einen jungen Mann der mich die ganze Zeit fixiert hat – war ihm wohl peinlich dass ich ihn bei seiner Muskelshirt-Auswahl gestört habe, wäre mir nebenbeibemerkt auch peinlich gewesen. Andererseits trug er bereits so ein Ding, insofern könnten wir uns auch gekannt haben, vielleicht wollte er auch einfach nur mit mir flirten, aber so eingebildet bin ich auch wieder nicht und bei den lokalen Spotted-Facebook-Gruppen habe ich diesbezüglich auch keine Beschreibung gefunden die auf mich zugetroffen hätte.
Im Anschluss habe ich die Mittagspause mit meiner Frau verbracht. Kleines Missverständnis, sie wollte eigentlich mit mir Einkaufen gehen. Ne ne, dann hätte ich ja nicht die coole Hose mitnehmen können die mir eine Nummer zu klein ist. Sind dann zu einem kleinen Cafe. Sie hat mir dann den Eiskaffee empfohlen. Habe gefragt ob der vegan sei, sie meinte nein, ob dass denn sein muss und war genervt. Habe gesagt nein nein, mag eh keinen Kaffee, Holunderschorle ist eh besser. War wirklich gut!

Kleine Randbemerkung, ich finde Hotpants sind im tristen Alltag ja eine willkommene Abwechslung, aber… es sollte ein Mindestalter für diese Dinger geben. Mag ja sein dass die ein oder andere Dame bereits 18 Jahre war, aber die sahen teilweise so jung aus, weder ist anziehend noch ästhetisch.
Zweite Randbemerkung. In der Tiefgarage sind die Treppengeländer aus Metall, also Stäbe zwischen denen man durchsehen kann. Sollte man vielleicht Warnschilder anbringen, wenn der Kassenautomat schon so postiert wird, dass man zwangsweise mit dem Rücken zur Treppe stehen muss.

Wieder daheim habe ich dann aus den, ebenfalls beim Shopping, erworbenen Hefeflocken Hefeschmelz zubereitet. Also nicht nur Hefeschmelz, natürlich auch passierte Tomaten, Karotten etc. und Nudeln, was man halt für Pasta so braucht. War wirklich extrem gut.
Leider habe ich beim Kochen meine Hose bekleckert. Muss mir wirklich angewöhnen entweder eine Schürze anzuziehen (müsste aber erst mal irgendwo so ein Ding kaufen), mich umzuziehen oder zumindest mal Hose und Hemd auszuziehen.
Abends kam dann Frau heim. Hat dann noch schnell Bewerbungsfotos von mir gemacht. Hemd, Krawatte, Sakko – sieht man ja nicht dass ich keine Hose anhabe, hatte aber auch wirklich keine Lust jetzt noch eine passende Hose zu suchen und zu bügeln.