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Zwischenstand Teil 1

WordPress hat mich vor kurzem daran erinnert, dass der Anfang von allem bereits über ein Jahr zurück liegt. Echt, ist es wirklich erst ein Jahr her? Mir kommt das alles viel länger vor. Es hat sich so viel verändert, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass alles innerhalb von 365 Tagen stattgefunden haben soll.

Ich wollte meine Gedanken sortieren, meine Beziehung, meine Ehe und die daraus resultierende Trennung verarbeiten. Vielleicht fällt das nur mir auf, aber ich glaube das habe ich ganz gut hinbekommen, denn schon seit einer geraumen Weile ist jeder meiner Beiträge eine absolute Themaverfehlung.

Die größte Furcht war die Angst vor dem Alleinsein, die Einsamkeit. Heute empfinde ich oftmals genau das als wahre Wohltat und genieße es. Zeit für sich selbst haben, Zeit mit sich selbst verbringen. Ich stelle fest, dass mir das sehr wichtig geworden ist. Nachdenken, reflektieren oder einfach nur abschalten. Alltag ist Ablenkung und ich habe festgestellt, keinerlei Ablenkung ist anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber doch auch sehr erholsam und nicht selten reich an Erkenntnissen. Ich bin und war mit mir selbst noch nie so sehr im reinen wie derzeit. Das ist ein ausgesprochen angenehmes Gefühl. Nur der Sex fehlt mir dann und wann, das gebe ich ganz offen zu.

Auf meine Beziehung oder Ehe oder Trennung gehe ich kaum noch ein. Natürlich ist dieses Thema immer noch sehr aktuell, aber es gibt kaum etwas neues zu berichten. Meine Frau ist labil, manchmal wird ihr alles zu viel. An manchen Tagen kann ich sie auffangen, an manchen Tagen verkacke ich das erst mal, weil ich selbst gestresst bin und erst mal runterkommen muss. Besinne mich dann aber, mache mir klar dass es ihr nicht gut geht und bin dann für sie da – zwar nur für eine kurze Umarmung oder 10 Minuten in der ich ihr zuhöre und Verständnis zeige, aber mehr braucht sie nicht. Sie braucht einfach jemanden der für sie da ist, der ihr zeigt, dass sie nicht alleine mit allem fertig werden muss. Und genau davor hat sie Angst. Angst, dass Berlin bedeutet, dass ich vollständig aus ihrem Leben verschwinde. Das wird hoffentlich nicht passieren, denn sie war für lange Zeit der wichtigste Teil meines Lebens und das wäre auch für mich ein großer Verlust, da sie für mich in gewisser Weise noch immer eine Konstante in meinem Leben darstellt und auch Bezugsperson ist.

Gute Aber, Schlechte Aber

Ich liebe dich

Hurra!

, aber…

Oh je! Nix aber. Nach dem ersten Teil dieses Satzes kann ein „aber“ zu nichts Gutem mehr führen. Sätze die supertoll anfangen und dann um ein „aber“ ergänzt werden nehmen nie ein gutes Ende.

„Sie haben wirklich großartige Arbeit geleistet, aber es gibt da noch…“ – nö. Gibt da nichts mehr.

Hier also ihr „aber“:

ich bin nicht die Richtige für dich.

Tja, was antwortet man darauf? Indem man erst mal herausfindet wieso sie das denkt. Ich bräuchte mehr Zuwendung, eine die mehr Zeit mit mir verbringt.

Und jetzt, was antwortet man darauf? Nichts. Ich bin sehr gerne mit meiner Frau zusammen und genau das ist das Problem. Ich bin gerne mit ihr zusammen. Sie ist gerne für sich alleine. Das macht die Sache meistens kompliziert.

Ich habe also nichts darauf geantwortet.

Wir sind nett zueinander, wir verbringen etwas Zeit miteinander. Wo das Ganze hinführt weiß im Moment vermutlich keiner von uns beiden. Wenn ich Zeit mit ihr verbringe, dann holt mich oft die Vergangenheit ein. Ich ertappe mich häufig dabei, dass ich wieder ins „wir“ verfalle“. Sie ertappt mich auch dabei und weist mich regelmäßig darauf hin, dass… ja, gute Frage worauf was sie mich eigentlich genau hinweist. Es sind immer nur Andeutungen, aber es geht wohl in die Richtung dass es aktuell kein „wir“ gibt. Ok, klar gibt es ein wir. Aber kein Beziehungs-Wir. Und auch das stimmt so nicht ganz. Denn auch wenn es kein Beziehungs-Wir gibt, so haben wir beide doch noch Gefühle und … ach, super kompliziert und ich habe keine Ahnung wie ich es erklären soll.

Im Grunde haben wir die Summe aller Einschränkungen eines Single-Lebens und einer Ehe. Wir sind kein Wir, wir sind aber auch kein „ich und du“.

Dabei gäbe es auch so tolle „abers“:

Eigentlich bist du nicht mein Typ, aber ich finde dich trotzdem supersexy.
Ich bin zwar lesbisch, aber mit dir würde ich ……

Oder was mir noch viel lieber wäre:
Ich liebe dich, aber liebst du mich denn noch? Ja. -> Passt, Happyend, Abspann, schönes Lied… aber so leicht ist es dann eben doch nicht.

Außerdem stelle ich mir die Frage, hat sie recht? Und wie soll das alles funktionieren? Kann das überhaupt noch funktionieren?

Ja, nein – Aufräumen!

Kinder unlimited hat recht:

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Ich drücke mich vor der Entscheidung, versuche sie aufzubschieben, am Besten für immer. Was keinen Sinn ergibt, denn mein Zögern kommt einer Entscheidung gleich. Wenn meine Frau noch Hoffnung hat, dann wartet sie auf ein Zeichen von mir, dass ich für sie kämpfe und sie überzeuge (auch hier bediene ich mich aus den Kommentaren von KU).

Ich schaffe das aber im Moment nicht. Beziehungsweise, ich denke ich würde es schaffen und auch überzeugend sein. Jetzt kommt allerdings das ABER:

Wenn ich mir nicht sicher bin und das jetzt nur mache um unsere Ehe zu retten, wo wird uns das hinführen? Mit etwas Glück in eine positive Zukunft, mit etwas Pech reiße ich uns noch tiefer in den Abgrund.

Meine Frau sagte vor zwei Tagen, dass ihr das alles nicht leicht falle. Ich sagte zu ihr, dass ich das wüsste und ich diesen Schritt aus eigener Kraft nie in die Wege geleitet hätte. Das wusste sie, denn sie meint das Alleinsein fiele mir schwer und ich würde Veränderungen scheuen. Ich weiß dass sie recht hat. Aber einen Punkt hat sie vergessen und der wiegt viel schwerer: Ich hätte Angst gehabt sie zu verletzen und hätte deshalb geschwiegen.

Sie hat nun den Stein ins rollen gebracht, wartet vielleicht darauf herauszufinden was passiert oder hat bereits etwas entschieden. Wenn sie wartet, dann stehe ich nun wieder vor dem Problem dass ich ihr nicht wehtun möchte. Wenn sie nicht mehr wartet, dann.. dann.. ja dann, bin ich im Moment auch etwas ratlos.

Denn dann stelle ich mir die Frage, wie wird ein Leben ohne sie? Meine Frau meinte, diesbezüglich hätte ich ja nun ausreichend Erfahrung sammeln können in den letzten Monaten. Tatsächlich? Wenn ein Leben ohne meine Frau darin besteht, dass ich immer noch ihre Wut abbekomme und mich nicht treffen kann mit wem ich will, dann können wir die Ehe auch einfach weiterführen. Denn dann sehe ich darin, abgesehen davon dass sie frei ist und mir keine Rechenschaft mehr schuldig ist, zumindest für mich keinen Unterschied.

Sie vermittelt mir sehr überzeugend dass die Ehe in ihren Augen gescheitert ist. Vielleicht habe ich das aus Selbstschutz akzeptiert und stimme nur deshalb zu. Erwartet sie von mir nun Liebe und Interesse, dann muss ich gewillt sein und versuchen diese Gefühle wieder zuzulassen. Ob das klappt weiß ich nicht, im Moment wehre ich mich dagegen. Wobei wehren nicht zutreffend ist. Ihre Worte von Vorgestern – dass sie sich Kinder mit mir nie hätte vorstellen können und sie bereits den Heiratsantrag ablehnen wollte – mich wirklich verletzt haben und ich, selbst wenn ich wollte, mich derzeit einfach nicht zu ihr hingezogen fühle – selbst das freundschaftliche Verhältnis kostet mich Überwindung.

Und wieder beginne ich mich im Kreis zu drehen. Ob das Chaos jemals ein Ende nimmt, ich hoffe es.
Ich kann keine Entscheidung treffen solange ich nicht weiß, ob diese Entscheidung sie verletzen würde. Und wenn ich es weiß, dann hat sie mir vielleicht die Entscheidung bereits abgenommen.

Was würde helfen? Ich weiß ES nicht.

Tage wie diese

Anstrengend, mehr kann man dazu nicht sagen. Habe mit Krafttraining angefangen, war laufen, war einkaufen und habe vorzügliche „Rote Linse – Falafel“ gemacht. Toller Tag, bis der Abend kam.

Muss es immer gleich ablaufen? Feierabend, Frau kommt heim. Arbeit war furchtbar, wie immer. Kann ich nachvollziehen anhand ihrer Geschichten. Aber wieso muss ich immer darunter leiden? Das ist mir nicht ganz klar.

Das Gespräch beim Abendessen war nicht sonderlich erbaulich. Meine Startup-Geschichte geht ihr total auf die Nerven. Wäre mir ganz recht wenn sie dann mal aufhören würde danach zu frage, sie würde es nicht nerven und meine Nerven blieben verschont. Wieso ich nicht weiß ob dies oder das und jenes klappen wird, na, weil ich das im Moment nicht sagen kann. Sie sagt, ich brauche einen Job, mich über unser Unternehmen einzustellen hat sie ziemlich aufgebracht, da mein Gehalt erstmal nicht sonderlich hoch wäre.
Gut, ich such mir einen Job, werde aber dann vermutlich einen Zweitwohnsitz brauchen. Kurzer Wutanfall ihrerseits. Ich soll mir einen Job suchen wo ich keinen Zweitwohnsitz brauche oder pendeln. Als ich meinte, dass die Jobs, die mir gefallen doch eher weiter weg sind folgte dann der letzte und zugleich heftigste Wutanfall. Das Leben ist kein Wunschkonzert, ich soll einfach nehmen was ich kriege. Das ist doch mal eine Ansage. Wenn sie nen doofen Job hat der ihr nicht gefällt, dann kann ich mir doch auch so einen suchen.

Man merkt, ich bin eben noch verheiratet. Das sind so die Momente, in denen ich mich wieder über ihre Abreise freue und hoffe, dass das mit der Wohnung bald klappt. Hält ja kein Mann aus.

Erkenntnisse dieser Woche

1. Mein kleiner Bruder geht ins Solarium und zur Kosmetikerin. Strange!

2. Von wegen, ich sei eine Schlafmütze!
Das musste ich mir die letzen Jahre immer anhören. Stimmt gar nicht. Wenn ich um 4 Uhr morgens ins Bett gehe und um 10 Uhr aufstehe bin ich topfit. Ich kann ins Bett gehen wann ich will, aber wenn ich vor 9 oder 10 Uhr aufstehen muss, ist das für mich echt anstrengend. Biorhythmus eben, glauben mir aber viele nicht, weil sie nie davon gehört haben oder es für ein Märchen halten.
Du gewöhnst dich dran, du brauchst mehr Licht in deinem Zimmer, treib mehr Sport etc. Was ich mir da schon alles anhören musste. Hat aber alles nicht funktioniert. Ein paar meiner Verwandten waren da immer die allerbesten Besten 😛 Gingen abends um 19 Uhr ins Bett und stehen um 6 Uhr auf. Aber wenn ich um 10 Uhr morgens noch im Bett lag, hieß es dann, du schläfst zu lange. Ja, wenn ich um 19 Uhr ins Bett gehen würde wäre das tatsächlich der Fall.

3. Frau will noch immer ausziehen
Wobei sie immer noch nicht weiß, ob es an mir oder der ganzen Unruhe bei uns im Haus liegt.

4. Wir verstehen uns wieder besser
So gut haben wir uns schon lange nicht mehr verstanden. Sie ist viel weniger gereizt und das ist sehr angenehm. Ihr muss wirklich alles zu viel geworden sein. Der Abstand tut uns sehr gut, bzw. die Rückzugsort wo sie ungestört ist. Sie wirkt weniger gehetzt, gereizt, launisch etc. Ich habe mich damit zwar in den letzten zwei Jahren damit abgefunden und sie nur mit Samthandschuhen angefasst, aber es war doch zermürbend, wenn sie immer sofort ausrastet oder schimpft, weil ich z.B.. eine Tür zu laut zugemacht habe oder sie anspreche, wenn sie gerade etwas auf dem Handy etwas liest.

Erkenntnisse dieser Woche

1. Ostern wird richtig doof

2. Seitdem wir offen über Trennung gesprochen haben, ist sie kaum noch zu Hause. Und zu Hause gehen wir uns aus dem Weg. Jetzt ist sie weniger schlecht gelaunt und wieder netter zu mir.

3. Nur ganz wenige in meiner Familie wissen was los ist. Und unsere gemeinsamen Bekannten haben auch keine Ahnung. Ich finde es anstrengend immer Ausreden erfinden zu müssen. Aber ich habe auch keine Lust, mit der Wahrheit rauszurücken, denn das führt dazu, dass ich unzählige Fragen beantworten muss und mir ist das im Moment auch irgendwie unangenehm.

4. Ostern wird nicht richtig doof, sondern richtig superduper doof. Ein Feiertagswochende wie dieses, impliziert genau das, worauf ich Moment verzichten kann: Zeit mit der Familie verbringen. Es wird darauf hinauslaufen, dass ich mich einfach in meine Arbeit stürze und alles ausblende.

5. Meine Frau macht ernst. Es steht die Besichtigung einer Wohnung an. Ich bin etwas hin- und hergerissen. Zwar endet damit eine Ära, aber da ich auch schon länger nicht mehr glücklich bin, ist das vermutlich das Beste.

6. Inzwischen fühle ich mich zu Hause wohler wenn sie nicht daheim ist. Wir haben circa 2300 Nächte gemeinsam in einem Bett geschlafen und es ist merkwürdig, wenn ich weiß, dass sie nur ein paar Zimmer weiter im Ehebett liegt und wir künstlich eine räumliche Distanz schaffen. Trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal zurück in den gewohnten Alltags-Modus schalten will, d.h. z.B. sie in den Arm zu nehmen.

7. Ich habe wieder anfangen zu laufen. Ganz vergessen wie sehr ich das früher geliebt habe. Zwar habe ich keine Ausdauer mehr, aber die kommt mit der Zeit wieder.

Erkenntnisse dieser Woche

1. Im Selbstmitleid baden hat keinen Sinn

Wenn ich jetzt daran zerbreche, wie es ohne sie weitergehen soll, dann bringt mich das nicht weiter.

2. Ehrlich zu mir sein

Ich sage „ich liebe dich“, weil ich das immer gesagt habe. Seit 13 Tagen haben wir wenig Kontakt, schlafen getrennt, ich sage es nicht mehr und langsam weiß ich selbst nicht mehr was ich noch fühle. Die letzten Jahre habe ich immer versucht ihr alles recht zu machen, mehr auf sie als auf mich zu achten. Das war anstrengend. Und konnte ich es ihr recht machen? – nein.

3. Was will ich

a) Kinder haben
Sie will keine Kinder, wusste ich, habe ich akzeptiert. Hoffentlich werde ich das nicht irgendwann bereuen.

b) Zeit mit meiner Frau verbringen
Tja, ist sie nicht so der Fan von. Abends nach der Arbeit entspannen – gönne ich ihr. Und Wochenende haben wir uns so arrangiert, dass zumindest der Sonntagnachmittag mit ihr mir gehörte. Ganz glücklich stimmt mich das aber nicht.

4. Ich muss umdenken

Nicht die Beziehung darf die wichtigste Säule in meinem Leben sein, ich selbst muss für mich die wichtigste Säule in meinem Leben sein. Ich darf nicht immer alles abhängig von meiner Frau oder anderen Menschen machen. Auf diese Säulen habe ich keinen Einfluss und trotzdem sollen sie mein Leben aufrechterhalten? Lieber nicht.

Nach mir kommt meine Karriere, mein Beruf. Warum? Weil sich leider Geld als Währungsmittel bewährt und durchgesetzt hat. Könnte ich im Supermarkt mit bunten Kieselsteinen oder einem schönen Lehmklumpen zahlen wäre das nicht nötig, ist aber halt leider nicht so. Alleine zu sein ist doof, aber alleine und pleite stell ich mir noch doofer vor. Natürlich darf meine Ehe oder Beziehung nicht darunter leiden, aber genauso wenig darf umgekehrt der Fall eintreten. Ich kann nicht alles hinschmeißen, nur weil es privat scheiße läuft.

5. Ich wünsche mir Kinder

Hatten wir schon.

6. Wie zum Henker hat es der Typ heute im Supermarkt zu so einer Frau und einem Kind geschafft? – Rohypnol?

Alles wird schwerer

Die zwei Tage bis zu unserem Gespräch kamen mir ewig vor. Mir war bewusst, dass es kein schönes Gespräch wird, aber insgeheim hegte ich die Hoffnung, dass alles von einem Moment zum Anderen wieder wie früher wird. Ein irrationaler Gedanke, den ich versucht habe zu unterdrücken, zu verdrängen. Sonntag war es dann soweit, wir haben geredet.

Sie ist unglücklich, verzweifelt, ihre Gedanken überschlagen sich und sie weiß nicht warum. Sie kann mir nicht sagen, ob es an mir oder etwas anderem liegt, sie weiß nur, dass sie nicht mehr kann, dass ihr alles zu viel wird. Sie sagt, es ist nicht meine Schuld, sie weiß, dass ich alles für sie getan habe und tun werde, aber das macht die Sache nur schwerer für sie. Sie gibt sich für fast alles die Schuld und macht sich Vorwürfe. Was mit unserer Immobilie, den Krediten und meinem Eigenkapital passiert – sie will nicht, dass ich wegen ihr viel Geld verliere.

Auf so ein Gespräch ich nicht vorbereitet. So emotional und doch so rational, dass sie trotz der ihrer vielen Probleme, noch so viel Rücksicht auf mich nimmt – ich finde das bewundernswert. Ja, wenn wir alles überstürzen, dann enden wir nicht nur emotional, sondern auch finanziell in einem ziemlichen Chaos. Wir haben uns also emotional, aber sachlich, unterhalten, wie es weitergehen kann. Vorläufig wohnt sie weiter hier, eine zusätzliche Wohnung können wir uns nicht leisten. Sie wird viel auswärts bei Freundinnen schlafen, ich beziehe Quartier im Arbeitszimmer und nutze das Gästebad. In ein paar Monaten sollte sich unser Nettoeinkommen erhöhen, dann wird sie sich eine Wohnung suchen und ausziehen. Erst einmal für ein oder zwei Monate. In der Zeit wird es keinen Kontakt zwischen uns geben, damit sie herausfinden kann, ob sie überhaupt noch mit mir zusammen sein will. Und wenn dem so ist, nähern wir uns wieder, ganz langsam, in kleinen Schritten.

Ich fühlte mich elend, versuchte stark zu sein, ihr Mut zu machen. Habe ihr gesagt, dass wir das alles gemeinsam durchstehen, unabhängig davon wie es endet. Auch habe ich ihr gesagt, dass sie keine Schuldgefühle haben muss oder sich für irgendwas die Schuld geben muss. Ich will nicht dass sie so leidet, denn egal ob es auf das Ende unserer Beziehung zugeht, sie ist immer noch ein Teil von meinem Leben und wird auch hoffentlich immer einer bleiben – wenn vielleicht auch nicht der Wichtigste.

Im Moment versuche ich alles auszublenden, beziehungsweise, nicht ständig darüber nachzudenken. Besonders schlimm ist es abends, wenn ich ins Bett gehe, ein leeres Bett. Da überschwemmen mich die Gedanken. Und wenn ich morgens aufwache, im leeren Bett, folgt kurze Phase der Realisierung und Besinnung. Ich denke ich habe schlecht geträumt, bis mir dann bewusst wird, dass sich alles ändern wird. Das ist so schwer, ich frage mich wie lange es dauern wird, bis ich mich an diese neue Situation „gewöhne“. Gestern war sie zuhause, ich gehe am Wohnzimmer vorbei und ertappe mich für kurzen Moment dabei, wie ich abbiegen, sie kurz umarmen und küssen möchte – was ich normal getan hätte. Unerträglich dieses Gefühl.

Und dann endet ein Kapitel

Ich habe viel Vertrauen, vielleicht zu viel. Doch die vielen Andeutungen und Verhaltensänderungen haben mich argwöhnisch gemacht. Heute habe ich meinen Mut zusammengefasst und an ihrem Computer Facebook geöffnet. Sie ist auf Wohnungssuche und spricht über Scheidung. Und von einem Moment auf dem nächsten bricht die Welt in sich zusammen und ein abgrundtiefes Loch tut sich auf. In ein paar Tagen werden wir reden, momentan ist sie noch bei einer Freundin, wieder. Nun habe ich zwar Gewissheit, bin aber noch unglücklicher als vorher. In Kürze wird meine ganzes Leben auf den Kopf gestellt, denn der wichtigste Pfeiler, der alles stützt, bricht weg. Ich fürchte mich vor dem Chaos, vor dem Alleinsein. Es wird sich alles ändern und das zu akzeptieren fällt schwer. Die täglichen Abläufe werden über den Haufen geworfen. Das bestärkende Gefühl geliebt zu werden und dass dieser Mensch abends, wenn man nach hause kommt, auf einen wartet. Die Ecken und Kanten, die einen Menschen einzigartig machen, die Macken, die einen anfangs wahnsinnig machen, man aber dann doch zu schätzen und lieben lernt. Von einem Moment auf den anderen ist alles, was das Leben bereichert und lebenswert macht, weg. Es ist ein schmerzvoller Sturz, von ganz oben, nach ganz unten. Und erst, wenn man ganz unten angekommen ist, und bereit ist, diese Tatsache hinzunehmen, erst dann lässt der Schmerz nach und man fängt von vorne an.

Sicher wäre ich glücklicher, wenn alles so bleibt wie es ist. Aber ich würde jeden Tag sehen wie unglücklich sie ist, und müsste darüber hinwegsehen, es ignorieren. Es wäre eine Lüge in der ich lebe und lieber lebe ich eine Fantasie, als in einer Lüge. Ich liebe sie und lasse sie ziehen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich diese Schmerzen ertragen soll.

Ich weiß, dass ihr das alles schwer fällt. Ich weiß, dass auch sie Angst vor dem Scherbenhaufen hat. Für uns beide wird sich ein wichtiges Kapitel in unserem Leben schließen, ein Kapitel das uns verbunden und uns geprägt. Als ich sie kennenlernte war sie knapp 20, wunderschön, energisch, temperamentvoll und anders als jede Frau die bisher kannte. Ich, junger Student, und das komplette Gegenteil von ihr. Wir waren uns von Anfang an sympathisch, fanden uns interessant, aufregend und spannend. Das erste halbe Jahr unserer Beziehung war die schönste Zeit in meinem Leben. Heute sehne ich mich an diese Zeit zurück und möchte alles noch einmal erleben und noch einmal und noch einmal, diese Zeit hätte nie enden sollen. Doch es ging weiter, es folgte die erste gemeinsame Wohnung und mit der Zeit wurde alles komplizierter. Heute ist sie Mitte 20 und für ich mich immer noch der gleiche Mensch, den ich vor sechs Jahren kennengelernt habe. Aber wir haben uns beide verändert und das Interessante, Aufregende und Spannende, dass uns gegenseitig unwiderstehlich gemacht hat, ist dabei verloren gegangen.