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Ein unverbindliches Treffen

Einfach mal unverbindlich treffen. In meinem letzten Beitrag hatte ich ja diesbezüglich ernsthafte Bedenken. Kann sich ein durchtrainierter, athletischer, gut aussehender, sympathischer, zuvorkommender, intelligenter, wortgewandter, humorvoller, charmanter und vor allem bescheidener Mann Anfang 30 – der wesentlich jünger (und erwähnte ich attraktiv?) aussieht – wirklich so ganz unverbindlich mit einer College-Studentin Anfang 20 treffen. Ich befürchtete nein, das könnte in die Hose gehen. Andererseits bin ich sehr gut im unverbindlich sein. Bei Dates zum Beispiel. Scheinbar wirke ich dabei aber gleichzeitig auch so unbeholfen, dass Frauen sich dann beim 5., 6., 7. oder 8. Date ihrerseits nicht mehr anders zu helfen wissen, als sich irgendwann einfach auf mich zu stürzen. Der typische Anfang einer Beziehung eben.

 

Nun schnallt eure Dictionarys an, aber ich habe meine Zweifel überwunden und mich tatsächlich auf ein Treffen eingelassen. Wie lief’s also? Super. Sie hat mich auf 24 Jahre geschätzt! Besser hätte das doch gar nicht laufen können. Wobei noch jünger muss jetzt dann auch nicht mehr sein. Kurz, wir haben uns gut unterhalten und sind gegen Mitternacht vollkommen unverbindlich wieder heim. Wieso war ich also so besorgt wegen des Treffens, keine Ahnung, irgendwie dachte ich dass der Abend anders enden würde. Diese Frage stellte ich mir also am nächsten Morgen, während ich mir – für mich ganz allein – die doppelte Menge Kaffee zubereitete und, wie ich es auch immer mache, auf zweite Tassen verteilte – einmal mit Milch und einmal ohne Milch, ich kann mich halt nicht entscheiden – und dann über meine am Boden verstreuten Klamotten – ich werfe sie immer kreuz und quer durchs Zimmer bevor ich ins Bett gehe – auf den Balkon ging um alleine meine zwei Tassen Kaffee zu genießen.

Plötzlich steppt der Bär zu komischen Beats

Gehe ins Fitnessstudio, komme nach zwei Stunden wieder nach Hause und finde plötzlich eine Menschenmasse vor. Dachte erst „oh, hat sich meine Ankunft also herumgesprochen, bin ja ganz schön beliebt“ – logische Schlussfolgerung, denn wer würde nicht gern Zeit mit mir verbringen. Hab dann aber festgestellt, dass hier eine Art Happening stattfindet. Ne, Google sagt das ist kein Happening, dann weiß ich auch nicht wie man das nennt, halt sehr viele Menschen die sich scheinbar spontan nach und nach versammeln und ich habe nicht die geringste Ahnung warum. Vielleicht liegt es an dem dröhnenden Bass, das wäre dann eine wunderbare Verschwörungstheorie. Gehirnimplantate und Mikrochips die durch einen hypnotisch Gewummere aktiviert werden. Ach in der Hinsicht wünschte ich mir Berlin wäre Wien, da gefällt mir nämlich die Musik deutlich besser.

Ob dieses endlose Feiern etwas mit Verdrängung zu tun hat? Das wäre mir gestern Abend auch fast passiert. Lag im Bett und hatte so den Gedanken „eigentlich bin ich ja ganz gern Single“. Ja, so schnell wird aus einem Beziehungstyp ein unverbindlich, unkompliziert und unverfänglich Typ. Dann viel mir aber zum Glück wieder ein wie schön es ist sich zu verlieben und bin nun doch wieder ein Beziehungstyp. Auch wenn ich für Beziehungen ein total unglückliches Händchen habe. Eine Reise in die Vergangenheit hat mir aufgezeigt, dass ich immer bei Frauen lande, die entweder aus komplizierten Familienverhältnissen kommen oder … ne, immer kompliziert und somit auch selbst immer etwas labil. Wenn man das nur früher merken würde. Aber mit solchen Problemen geht natürlich beim ersten Date keine hausieren, auf dieser Ebene befindet man sich erst nach frühestens einem Monat Beziehung. Ich bräuchte so einen Fragebogen, den die Dates dann beim ersten Treffen ausfüllen müssen und daraus könnte ich dann ein psychologisches Profil erstellen. Das beunruhigt mich ein bisschen.

 

Und dann endet ein Kapitel

Ich habe viel Vertrauen, vielleicht zu viel. Doch die vielen Andeutungen und Verhaltensänderungen haben mich argwöhnisch gemacht. Heute habe ich meinen Mut zusammengefasst und an ihrem Computer Facebook geöffnet. Sie ist auf Wohnungssuche und spricht über Scheidung. Und von einem Moment auf dem nächsten bricht die Welt in sich zusammen und ein abgrundtiefes Loch tut sich auf. In ein paar Tagen werden wir reden, momentan ist sie noch bei einer Freundin, wieder. Nun habe ich zwar Gewissheit, bin aber noch unglücklicher als vorher. In Kürze wird meine ganzes Leben auf den Kopf gestellt, denn der wichtigste Pfeiler, der alles stützt, bricht weg. Ich fürchte mich vor dem Chaos, vor dem Alleinsein. Es wird sich alles ändern und das zu akzeptieren fällt schwer. Die täglichen Abläufe werden über den Haufen geworfen. Das bestärkende Gefühl geliebt zu werden und dass dieser Mensch abends, wenn man nach hause kommt, auf einen wartet. Die Ecken und Kanten, die einen Menschen einzigartig machen, die Macken, die einen anfangs wahnsinnig machen, man aber dann doch zu schätzen und lieben lernt. Von einem Moment auf den anderen ist alles, was das Leben bereichert und lebenswert macht, weg. Es ist ein schmerzvoller Sturz, von ganz oben, nach ganz unten. Und erst, wenn man ganz unten angekommen ist, und bereit ist, diese Tatsache hinzunehmen, erst dann lässt der Schmerz nach und man fängt von vorne an.

Sicher wäre ich glücklicher, wenn alles so bleibt wie es ist. Aber ich würde jeden Tag sehen wie unglücklich sie ist, und müsste darüber hinwegsehen, es ignorieren. Es wäre eine Lüge in der ich lebe und lieber lebe ich eine Fantasie, als in einer Lüge. Ich liebe sie und lasse sie ziehen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich diese Schmerzen ertragen soll.

Ich weiß, dass ihr das alles schwer fällt. Ich weiß, dass auch sie Angst vor dem Scherbenhaufen hat. Für uns beide wird sich ein wichtiges Kapitel in unserem Leben schließen, ein Kapitel das uns verbunden und uns geprägt. Als ich sie kennenlernte war sie knapp 20, wunderschön, energisch, temperamentvoll und anders als jede Frau die bisher kannte. Ich, junger Student, und das komplette Gegenteil von ihr. Wir waren uns von Anfang an sympathisch, fanden uns interessant, aufregend und spannend. Das erste halbe Jahr unserer Beziehung war die schönste Zeit in meinem Leben. Heute sehne ich mich an diese Zeit zurück und möchte alles noch einmal erleben und noch einmal und noch einmal, diese Zeit hätte nie enden sollen. Doch es ging weiter, es folgte die erste gemeinsame Wohnung und mit der Zeit wurde alles komplizierter. Heute ist sie Mitte 20 und für ich mich immer noch der gleiche Mensch, den ich vor sechs Jahren kennengelernt habe. Aber wir haben uns beide verändert und das Interessante, Aufregende und Spannende, dass uns gegenseitig unwiderstehlich gemacht hat, ist dabei verloren gegangen.