Berlin: Der Berg ruft

Ja bin ich froh dass der Prenzlauer Berg kein richtiger Berg ist. Dieser Ortsteil wurde mir nämlich empfohlen. War erst skeptisch, sah mich schon in der Neuverfilmung von Heidi in der Rolle Geissenpeter und habe passend dazu – um mich mental vorzubereiten und einzustimmen – die letzten Tage „K2 – Der Berg ruft“ in Dauerschleife gehört. Aber siehe da, der höchste Punkt im Prenzlauer Berg hat lediglich 91 Höhenmeter. Das ist ja nix. Mir fallen im Moment auch keine Berge ein, die das Wort „Berg“ mit im Namen haben. Ich bin also wieder beruhigt. Berge sind aber auch unnatürlich hoch. Auf einen Berg zu steigen hat was vom Fliegen, nur eben am Boden. Deshalb besteige ich keine Berge, oder irgendwas anderes, was allerdings wieder ein anderes Thema ist – aber ist ja auch Fastenzeit.

Soll jedenfalls ziemlich angesagt sein, deshalb Prenzlauer Berg, dit is amtlich. Ich lerne übrigens schon fleißig Berlinerisch. Wobei für mich „find ich knorke“, Klaue (unleserliche Handchrift), „kannste knicken“ und Klamotte jetzt eher zum Grundwortschatz zählen –  bin übrigens gerade bei „K“ gelandet. An der sprachlichen Barriere wird meine Integration also mal nicht scheitern. Jetzt muss ich nur noch am Klang meiner Stimme arbeiten, wir Bayern klingen dunkler und tiefer. Und das, obwohl ich kaum Dialekt rede. Habe gelesen es liegt an der Betonung, muss ich wohl mal zu einem Logopäden gehen. Wobei ich mir oft unschlüssig bin, ob das nun Umgangssprache oder Bayerisch ist. Siehe „des“ statt „das“. Die Internetforen sind sich hier unschlüssig, zumindest ist es bereits bis nach Hannover vorgedrungen. Oder Schmarrn/Schmarren – dachte immer das sei Bayerisch, aber Duden behauptet das Gegenteil. Somit wäre „des is aber a Schmarrn“, bis auf das „a“ statt „ein“ ja fast normales Deutsch. Man verwirrt mich das. Ich rede aber auch so einen Kuddelmuddel. Wenn ich meine Hunde rufe, dann sag ich meistens „kummts nei“ – was ziemlich fränkisch klingt. Dann kommt mal wieder etwas Österreichisch dazu, wenn ich etwas „pipifein“ finde oder ein Adjektiv mit „ur“ vorangestellt besonders betone – „das war ur geil“. Und wenn ich mich ärgere oder fluche, dann klassisch der Bayer.

Stellt sich außerdem die Frage der Kleidung. Wenn da lauter Hipster sind muss ich mich ja komplett neu einkleiden. Auf der anderen Seite, wenn dort lauter Hipster sind, dann ist Hipster zum Mainstream geworden und ich wäre durch meine zur Schaustellung der Gleichgültigkeit dem Mainstream gegenüber der neue Hipster. Der Hipsterhipster sozusagen. Boah das klingt anstrengend. Ich will kein Hipster sein. Wenn also dort lauter Hipster sind, dann werde ich auch Hipster, um eben kein Hipster zu sein. Das nimmt ja sonst kein Ende.

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15 Kommentare zu „Berlin: Der Berg ruft“

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